Erfolg: Ökolöwen-Petition “Pop-up-Radwege für Leipzig” vom Stadtrat beschlossen

Im Oktober 2021 war es endlich so weit: Der Stadtrat hat unserer Forderung für mehr Radwege in Leipzig zugestimmt. Dafür haben wir Ökolöwen lange gekämpft! Mit dem Beginn der Pandemie im Februar 2020 hatten Städte auf der ganzen Welt im Eiltempo sogenannte Pop-up-Radwege auf ihren Straßen markiert, um mehr Platz für Radfahrer:innen zu schaffen. Auch Leipzig hätte diese Chance nutzen können, um die Verkehrswende voranzutreiben und ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen.  

Deshalb haben wir Ökolöwen uns noch im März 2020 an Baubürgermeisterin Dorothée Dubrau gewandt, um sie auf die vorbildlichen Entwicklungen in Berlin, Wien, Paris und Mailand aufmerksam zu machen. Wir hatten sie aufgefordert, solche Maßnahmen für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen auch in Leipzig zu ergreifen.  

Auf die Antwort mussten wir über einen Monat warten: „Die Anordnung zusätzlicher Maßnahmen ist derzeit nicht erforderlich“, schrieb sie. Für uns Ökolöwen war diese Position nicht akzeptabel. Unseren Unmut haben wir nicht nur in einem offenen Antwortschreiben an Frau Dubrau zum Ausdruck gebracht, sondern auch genutzt, um eine Petition zu starten. Unsere Forderung: 10 neue Pop-up-Radwege pro Jahr. 

Mit Aktionstagen, Demos und kontinuierlichem Druck auf die Stadtverwaltung sowie der Unterstützung von zahlreichen gleichgesinnten Akteuren und Verbänden dieser Stadt, konnten wir viele Leipziger:innen von unserer Idee begeistern und mehr als 8.000 Unterschriften sammeln.  

Das haben wir mit unserer Petition erreicht

Am 13. Oktober 2021, nach beinah anderthalb Jahren, hat der Stadtrat unserer Forderung dann endlich zugestimmt und den Antrag beschlossen. Konkret haben wir mit unserer Petition folgendes erkämpft: 

  • Noch 2021/22 werden sechs neue (Pop-up-)Radwege zusätzlich markiert: in der Erich-Zeigner-Allee, der Riebeckstraße, der Berliner Straße, der Merseburger Straße, der Linkelstraße sowie am Westlichen Innenstadtring.  
  • Am Westlichen Innenstadtring werden zudem Premium-Radfahrstreifen von der Käthe-Kollwitz-Straße bis zum Neuen Rathaus markiert, die bis in die Harkortstraße geführt werden.  
  • Zusätzlich hat der Stadtrat den Oberbürgermeister beauftragt, auch zukünftig weitere Pop-up-Radwege zu markieren und die Umsetzung kleiner Maßnahmen zur Förderung des Rad- und Fußverkehrs zu beschleunigen. 
  • Damit Radwege, Zebrastreifen und Co. schneller geschaffen werden können, soll der Oberbürgermeister im nächsten Haushalt der Stadt die entsprechenden Vollzeitstellen im Verkehrsamt einplanen. 

Gute Aussichten, doch das Votum des Stadtrats bedeutet leider nicht, dass die Umsetzung ein Selbstläufer wird. Wir wissen, dass wir weiterhin hart für mehr Radwege in Leipzig arbeiten müssen. Stärke diese Arbeit mit deiner Förderspende. 

Für mehr (Pop-Up)-Radwege werden wir Ökolöwen ganz konkret ...

  • im Verkehrsamt nachhaken und so lange Druck machen, bis tatsächlich alle (Pop-up-)Radwege markiert sind. 
  • nachbohren, wenn kleine Maßnahmen doch wieder verschleppt werden, statt sie schleunigst umzusetzen. 
  • den kommenden Haushaltsentwurf studieren und prüfen, ob die notwendigen Personalmittel eingeplant sind. 

Diese Arbeit kostet Zeit und Einsatz. Hilf mit, dass wir Ökolöwen das leisten können! Schon mit 5€, 8€ oder 10€ im Monat stärkst Du unsere kontinuierliche Arbeit für sicheren Radverkehr in Leipzig spürbar. 

Hintergrund: Das war unser Petitionstext

PETITION: Pop-up-Radwege für Leipzig

Weltweit schaffen Städte im Eiltempo mehr Platz für Radfahrer:innen mit sogenannten Pop-up-Radwegen. Die Stadt Leipzig will das nicht! Das nehmen wir Radfahrer:innen nicht hin. Ich fordere den Stadtrat und Baubürgermeister Dienberg mit meiner Unterschrift auf:

  • Markieren Sie zusätzlich 10 neue (Pop-Up)-Radwege pro Jahr, denn nur so schaffen wir die Verkehrswende bis 2025.
  • Verstärken Sie die Teams in der Straßenverkehrsbehörde und im Verkehrsamt, damit Sie neue (Pop-up)-Radwege schneller umsetzen können.
  • Wenden Sie das Instrument "Pop-up" (Verkehrsversuche) konsequent an, um die Schaffung von Fuß- und Radinfrastruktur zu beschleunigen.

BEGRÜNDUNG

Weltweit schaffen Städte in der Corona-Pandemie mit sogenannten Pop-up-Radwegen im Eiltempo mehr Platz für Radfahrer:innen. Seit März 2020 reden und protestieren wir hier in Leipzig, doch die ehemalige Baubürgermeisterin Dubrau hat nur einen Pop-up-Radweg umgesetzt und das war es dann.

Das Verkehrsamt markiert derzeit ungefähr zehn Radwege pro Jahr mit weißer Farbe. Im Jahr 2021 plant das Amt nur sieben weiße Radwege. Das reicht vorn und hinten nicht. Wenn die Stadtverwaltung in diesem Tempo weiter macht, wird das nichts mit der Verkehrswende. Zu dem klassischen Programm mit weiß markierten Radwegen, die meist mit teuren, grundhaften Straßenumbaumaßnahmen in Verbindung stehen, müssen gelbe Pop-up-Radwege hinzukommen. Die können als Verkehrsversuch mit wenig Geld und gelber Baustellen-Markierung auf die Straße gebracht werden. So können wir Leipziger:innen bereits Radwege benutzen, die eigentlich erst nach 2025 geplant sind.

Dabei hat Schnelligkeit oberste Priorität, denn die Klimakrise ist jetzt und Verkehrswissenschaftler lehren uns: Menschen entwickeln verfestigte Routinen in ihrem Verkehrshandeln. Wir entscheiden nicht Tag für Tag rational, welches Verkehrsmittel wir nutzen. Einmal entschieden, machen wir (fast) immer das Gleiche. Wir hinterfragen und ändern unser Verkehrshandeln nur in kurzen Momenten im Leben. Wissenschaftler:innen nennen dies Umbruchsmomente. Das können biografische Veränderungen sein – der Wechsel von der Schule ins Berufsleben oder vom Berufsleben in die Rente, Familiengründung oder Trennung, Heirat oder Scheidung oder ein Umzug.

Gerade erleben wir alle gemeinsam einen kollektiven Mega-Umbruchsmoment und der heißt “Corona-Pandemie”. Homeoffice, Teil-Lockdown und wieder zurück. Das alles unterbricht unsere eingeübten Verkehrsroutinen. Wir sind offen für Neues. Und wir orientieren uns um.

Der Radverkehr erlebt aktuell einen Boom, die Fahrrad-Werkstätten sind über Wochen ausgebucht. Die Hersteller vermelden Lieferengpässe. Wir müssen deshalb jetzt schnell mit der Radinfrastruktur nachziehen, damit das anhält und ehemalige Autopendler:innen dauerhaft zu neuen routinierten Radfahrer:innen werden. Das geht in dem notwendigen Tempo nur mit Pop-up-Radwegen!

Die großen Metropolen wie Paris, Brüssel, Mailand, Berlin und Hamburg haben erkannt, was Leipzigs Verkehrsamt noch nicht wahrhaben will. Deswegen sagen wir: Liebe Stadträt:innen, lieber Herr Dienberg, handeln Sie jetzt! Geben Sie dem Amt eine neue Richtung vor. Wir Leipziger:innen wollen nicht länger fragen müssen: “Wo bleibt mein Radweg?!”

Diese Institutionen haben die Forderungen der Ökolöwen-Petition mitgezeichnet