Mehr Fahrradstraßen für Leipzig

Mehr Fahrradstraßen für Leipzig

Leipzig hat erst 7,8 Kilometer Fahrradstraßen – bis 2030 sollen es 71 werden. Doch bloße Schilder reichen nicht! Nur echte Fahrradstraßen bringen die Mobilitätswende voran. Wir Ökolöwen fordern Fahrradstraßen mit baulichen Veränderungen. Welche Gestaltungselemente wirken und welche Leipziger Straßen jetzt dran sind – hier im Überblick.

Fahrradstraße mit auffälliger Markierung in Stuttgart ©Phillipp Böhme

Bist du schonmal in Leipzig auf einer Fahrradstraße unterwegs gewesen? Falls ja, hat Dich das vermutlich enttäuscht. Ein paar unauffällige Schilder, sonst nichts – und am Ende hupt Dich jemand an, wenn du zu zweit nebeneinander fährst, obwohl Du es darfst.

In diesem Artikel erfährst du, was eine gute Fahrradstraße ausmacht. Wir erklären Dir, welche Gestaltungselemente wirken, zeigen Best-Practice-Beispiele aus anderen Städten und benennen konkret, welche Straßen Leipzig jetzt umbauen muss.

Was ist eine Fahrradstraße laut StVO?

Laut Straßenverkehrsordnung gelten für Fahrradstraßen (Zeichen 244.1) folgende Regeln:

  • Radfahrende haben Vorrang – sie bestimmen das Tempo
  • Motorisierter Verkehr darf nur mit ausdrücklicher Erlaubnis (Zusatzzeichen) teilnehmen
  • Nebeneinander fahren ist für Radfahrende erlaubt
  • Tempo 30 gilt für alle Fahrzeuge
  • Autos müssen mit mindestens 1,5 Meter Abstand überholen – was oft faktisch unmöglich ist
  • besondere Rücksicht auf Radfahrende ist Pflicht

Welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es für Fahrradstraßen?

Variante 1: Die autofreie Fahrradstraße

Komplett autofreie Fahrradstraßen funktionieren an bestimmten Orten hervorragend – etwa in Parks oder außerhalb des Kernstadtbereichs. Ihr Anwendungsbereich bleibt jedoch eingeschränkt, da Anwohner:innen ihre Häuser erreichen und Geschäfte Lieferungen empfangen müssen. Ist dies nicht gewährleistet, können Gerichte die Anordnung leicht rückgängig machen.

In Parks teilt sich der Radverkehr häufig die Wege mit Fußgänger:innen. Hier wirken Fahrradstraßen eher konfliktfördernd. Wir Ökolöwen schlagen hier vor: Fahrradstraßen nur getrennt vom Fußverkehr anlegen – ohne übermäßige Zerschneidung oder Versiegelung von Naturräumen. Unser Fokus liegt deshalb auf Variante 2.

Autofreie Fahrradstraße in Konstanz mit der Fahrradbrücke über den Rhein im Hintergrund. Foto:  Joachim Kohler, CC BY-SA 4.0
Autofreie Fahrradstraße in Konstanz mit der Fahrradbrücke über den Rhein im Hintergrund. Foto: Joachim Kohler, CC BY-SA 4.0

Variante 2: Die echte Fahrradstraße – Autos sind Gast

Für uns Ökolöwen gilt: Jede Umwidmung zur Fahrradstraße muss eine Umgestaltung nach sich ziehen! In einer echten Fahrradstraße wird die gesamte Fahrbahn zum Radweg. Andere Verkehrsarten schließen wir nicht aus, sondern integrieren sie sinnvoll.

Fahrradstraße in den Niederlanden (CC BY-SA 4.0)
Fahrradstraße in den Niederlanden (CC BY-SA 4.0)

7 Gestaltungselemente machen den Unterschied:

1. Auffällige Markierungen und Belag

Klare Markierungen zeigen allen Verkehrsteilnehmer:innen: Hier ist eine echte Fahrradstraße, hier gelten besondere Regeln. Ein wechselnder Straßenbelag oder eine andere Farbe unterstreichen dies zusätzlich. Ein Schild allein reicht nicht! Auch ein wechselnder Straßenbelag oder eine andere Farbe sollte hier zwingend zum Einsatz kommen.

2. Sicherheitsabstand zu parkenden Autos

Ein Sicherheitsstreifen beugt sogenannten Dooring-Unfällen vor – wenn Autotüren plötzlich aufgehen.

Fahrradstraße mit auffälliger Markierung, Sicherheitsstreifen und Gehwegvorstreckungen in Stuttgart. Foto: Phillipp Böhme
Fahrradstraße mit auffälliger Markierung, Sicherheitsstreifen und Gehwegvorstreckungen in Stuttgart. Foto: Phillipp Böhme

3. Modale Filter gegen Durchgangsverkehr

Diagonalsperren oder Pollerreihen verhindern, dass Autos die Fahrradstraße als Abkürzung nutzen. Der Kfz-Durchgangsverkehr verschwindet, Anwohner:innen erreichen ihre Häuser trotzdem.

Beispiel für ein verkehrsberuhigte Fahrradstraße mit modalem Filter in Kassel. Foto: Phillipp Böhme
Beispiel für ein verkehrsberuhigte Fahrradstraße mit modalem Filter in Kassel. Foto: Phillipp Böhme

4. Optimale Breite: 4 bis 7 Meter

Mindestens vier Meter Breite ermöglichen es, dass sich zwei nebeneinander fahrende Radfahrende pro Richtung sicher begegnen. Mehr als sieben Meter sollte die Fahrgasse nicht messen – sonst fahren Autos zu schnell.

5. Verschwenkte Verkehrsführung

Versetzte Parkplätze oder diagonal gepflanzte Straßenbäume engen den Straßenraum optisch ein. Das verhindert riskante Überholmanöver. Wichtig: Aus Sicherheitsgründen darf nur Längsparken zugelassen werden.

Beispiel für eine Fahrbahnverschwenkung in Kassel. Foto: Phillipp Böhme
Beispiel für eine Fahrbahnverschwenkung in Kassel. Foto: Phillipp Böhme

6. Querungshilfen für Fußgänger:innen

Bei stark befahrenen Fahrradstraßen erleichtern Zebrastreifen den Fußverkehr und vermeiden gefährliche Situationen.

7. Straßenbäume und vertikale Elemente

Bäume, Lichtmasten und andere vertikale Elemente verbessern den Aufenthaltscharakter und zeigen deutlich: Hier haben Radfahrende Vorrang.

Eine Fahrradstraße mit deutlicher Markierung, Sicherheitsstreifen, modalem Filter, optimaler Breite und Straßenbäumen in Berlin. Foto: Phillipp Böhme
Eine Fahrradstraße mit deutlicher Markierung, Sicherheitsstreifen, modalem Filter, optimaler Breite und Straßenbäumen in Berlin. Foto: Phillipp Böhme

Variante 3: Die blau-grüne Fahrradstraße

Fahrradstraßen leisten nicht nur einen Beitrag zur Mobilitätswende. Kombiniert mit blau-grüner Infrastruktur helfen sie auch gegen die Folgen der Klimakrise: Hitzewellen und Starkregenereignisse.

Rue du Dr. Paquelin in Paris als Nebenstraße nach Schwammstadtprinzip. Foto: Phillipp Böhme
Rue du Dr. Paquelin in Paris als Nebenstraße nach Schwammstadtprinzip. Foto: Phillipp Böhme

Wir Ökolöwen empfehlen folgende Gestaltungselemente:

  • Straßenbäume pflanzen und erhalten: Die Ökolöwen fordern ein gleichmäßiges, beidseitiges Baumraster mit hoher Kronenüberdeckung. Der Abstand darf 15 Meter nicht überschreiten.
  • Pflanzbeete anlegen: Insbesondere dort, wo unterirdische Leitungen Straßenbäume verhindern, schaffen Beete grüne Oasen.
  • Baum-Rigolen einbauen: Baum-Rigolen funktionieren wie unterirdische Wasserspeicher: Sie versorgen den Baum mit Regenwasser, während der Baum durch Verdunstung kühlt und die Luft verbessert.
  • Wasserdurchlässiges Pflaster statt Asphalt: Durchlässiger Straßenbelag verhindert Überschwemmungen und kühlt die Umgebung.
  • Rasengleise, wo Straßenbahn und Fahrrad sich die Route teilen: Grüne Gleise statt grauem Schotter machen die Kombination attraktiver
Fahrradstraße kombiniert mit einem Rasengleis in Freiburg (Breisgau). Foto: Phillipp Böhme
Fahrradstraße kombiniert mit einem Rasengleis in Freiburg (Breisgau). Foto: Phillipp Böhme

Leipzig muss 63 Kilometer zusätzliche Fahrradstraßen schaffen

Die Stadt Leipzig hat sich im aktuellen Radverkehrsentwicklungsplan verpflichtet: Bis 2030 müssen Fahrradstraßen auf einer Gesamtlänge von 71 Kilometern entstehen. Ende 2025 hatte Leipzig jedoch erst 7,8 Kilometer Fahrradstraßen. Die Stadtverwaltung muss jetzt massiv nachziehen.

Diese Straßen in Leipzig müssen Fahrradstraßen werden

Norden:

- Otto-Schill-Straße - Elsterstraße - Waldplatz

- Berggartenstraße zwischen Gohliser Straße und Möckernsche Straße

Süden:

- Kochstraße zwischen Südplatz und Richard-Lehmann-Straße

- Fockestraße zwischen Kurt-Eisner-Straße und Richard-Lehmann-Straße

- Biedermannstraße zwischen Connewitz Kreuz und Probstheidaer Straße

Osten:

- Johannisallee zwischen Ostplatz über den Lene-Voigt-Park bis zum Täubchenweg

- Ludwigstraße zwischen Rosa-Luxemburg-Straße und Torgauer Platz

- Littstraße–Dörrienstraße–Kreuzstraße–Husemannstraße–Reclamstraße–Rabet

Westen:

- Nonnenstraße zwischen Erich-Zeigner-Allee bis Karl-Heine-Straße

- Weißenfelser Straße zwischen Merseburger Straße und Nonnenstraße

- Holbeinstraße zwischen Könneritzstraße und Limburgstraße und dann weiter bis zum Klingenstraße/Bürgerbahnhof Plagwitz

Van Hovestraat in Antwerpen, Fahrradstraße mit blau-grüner Infrastruktur. Foto: Phillipp Böhme
Van Hovestraat in Antwerpen, Fahrradstraße mit blau-grüner Infrastruktur. Foto: Phillipp Böhme

Fazit: Nur echte Fahrradstraßen bringen die Mobilitätswende voran

Das Tool Fahrradstraße bietet enorme Möglichkeiten, die Situation für den Radverkehr in Leipzig zu verbessern. Richtig umgesetzt und kombiniert mit blau-grüner Infrastruktur tragen Fahrradstraßen zur Entwicklung klimapositiver Stadtquartiere bei.

Doch Vorsicht: Halbherzige Lösungen mit einem Schild und ohne bauliche Veränderungen bringen nichts. Leipzig braucht echte Fahrradstraßen mit mindestens fünf der sieben Gestaltungselemente. Nur so entstehen sichere, attraktive Routen für alle Radfahrenden in Leipzig – und nur so leistet die Stadt ihren Beitrag zur Mobilitätswende.

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