Vom Stellplatz zum Stadtplatz

Während der öffentliche Raum lange Zeit vom Autoverkehr dominiert wurde, rückt heute der ÖPNV, Fuß- und Radverkehr in den Fokus von Stadtplanung und Politik. Der Ökolöwe zeigt in sechs Bildpaaren, wie sich ehemals autozentrierte Plätze dank gelungener Umgestaltung heute wieder mit Leben füllen.

Augustusplatz an der Oper

Was wäre eine Stadt ohne Plätze, was wäre Leipzig ohne den Augustusplatz oder die Thomaswiese? Als Treffpunkte fördern Stadtplätze Begegnungen und Kommunikation. Zugleich bieten sie Platz für Wochenmärkte und Veranstaltungen. In einer wachsenden Stadt wie Leipzig braucht es viel Platz für die Menschen, die in ihr leben. Wie viel Platz gestehen wir dabei immer noch den Autos zu?

Logo vom Stellplatz zum Stadtplatz

Mehr Plätze für Menschen, nicht fürs Parken!

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Freiflächen und Stadtplätze in der Leipziger Innenstadt zu Stellplätzen umfunktioniert. Mit dem Ziel einer ‚autoarmen Innenstadt‘ begann die Stadt Leipzig Mitte der 1990er Jahre, die Flächen wieder zu Stadtplätzen mit hoher Aufenthaltsqualität umzugestalten. Viel Grün und viel gute Luft, viel Raum zum Spielen, Reden und Entspannen machen Leipzigs Stadtplätze heute wieder zu attraktiven Aufenthaltsorten. Denn Plätze sind für Menschen da und nicht für Autos!

Augustusplatz an der Oper, 1974 und heute

Im 19. Jahrhundert ist der Augustusplatz ein zentraler Knotenpunkt für die Leipziger Pferde-Eisenbahn. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird er zunächst als Schuttplatz, später als Parkplatz genutzt. Damals führten dreispurige Straßen in beide Richtungen quer über den Augustusplatz. Nach seiner Umgestaltung 1998 bietet der Augustusplatz viel Platz für Märkte, Konzerte und Sportveranstaltungen und zählt mit seinen rund 40.000 m² zu den größten Stadtplätzen Deutschlands. Leider wird der Augustusplatz auch heute noch von zwei einspurigen Straßen geschnitten. Autos treffen hier auf einen hohen Rad- und Fußgängerverkehr, bei der Überquerung der Straße kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Der Ökolöwe empfiehlt deshalb, den Augustusplatz komplett autofrei zu gestalten.


Augustusplatz am Mendebrunnen, 1966 und heute

Im Zweiten Weltkrieg wird der Platz zwischen Oper und Gewandhaus weitgehend zerstört, vom alten Platzensemble bleibt nur der Mendebrunnen erhalten. Bis 1998 prägen parkende Autos das Bild des Augustplatzes. Nach einem Entwurf des Architekten Bernhard Winkler wird der Platz im Zuge seiner Umgestaltung durch eine Tiefgarage unterkellert. Der Mendebrunnen erhält ein Pendant in Form einer Fontäne vor der Oper. Bäume, Blumen und Sitzgelegenheiten säumen den Platz und laden zum Verweilen ein.


Thomaswiese, 1968 und heute

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Die Fläche neben dem Leipziger Marktplatz wird bis Ende der 1990er Jahre als Parkplatz genutzt. Damals konnte die Innenstadt vollständig mit dem Auto durchquert werden. Zwischen 1999 und 2014 wird die Petersstraße schrittweise zur Fußgängerzone umgestaltet. Granitpflaster markiert die heute durchgehende Flaniermeile bis zum Eingang des Citytunnels am Markt. Die Thomaswiese mit ihren schattenspendenden Bäumen und der großzügigen Rasenfläche wird zu einem beliebten Aufenthaltsort für LeipzigerInnen und BesucherInnen.


Simsonplatz, 1991 und heute

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Ein Großteil des Pleißemühlgrabens wird 1951 wegen starker Wasserverschmutzung mit einer Wölbleitung überdeckt – auch vor dem Platz am ehemaligen Reichsgerichtshof. Bis Ende der 1990er Jahre dient die Fläche als Parkplatz. Im Zuge von Sanierungsarbeiten 2001 werden Abschnitte des überdeckten Pleißemühlgrabens wieder frei gelegt und die Fläche nach einem Entwurf des Architekturbüros Coersmeier umgestaltet. Baumreihen, Rasenwellen und eine Brunnenanlage rahmen den Platz zwischen der Fritz-von-Harck-Anlage und dem nahegelegenen Mendelssohnufer und laden zur Mittagspause im Freien ein.


Richard-Wagner-Platz, 1992 und heute

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Der Richard-Wagner-Platz ist einer der wichtigsten Stadteingänge ins Leipziger Zentrum. Bis 2004 prägen eine Fußgängerbrücke und Stellflächen für Autos das Bild des ehemaligen Theaterplatzes. Im Rahmen eines öffentlichen Bürgerforums werden Ideen für die autofreie Neugestaltung des Richard-Wagner-Platzes diskutiert. Erst 2013 wird der Platz autofrei und nach einem Entwurf des Landschaftsarchitekturbüros LohausCarl entsprechend der vielfältigen Nutzungsansprüche umgestaltet. Heute bietet er mit einem Marktplatz und einem Skatepark viel Spiel- und Aufenthaltsfläche für verschiedene Altersgruppen und Aktivitäten am grünen Promenadenring.


Thomaskirchhof, 1965 und heute

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Die Thomaskirche ist eines der ältesten Bauwerke in der Innenstadt Leipzigs. Während der Nachkriegszeit entstehen auf den freien Flächen vor der Kirche und ringsherum viele Parkplätze. Der Platz vor der Thomaskirche wird 1998 nach einem Entwurf der GFSL clausen landschaftsarchitekten umgestaltet. Sitzmöglichkeiten und ein Wasserbrunnen sorgen für eine hohe Aufenthaltsqualität, Rasenflächen bieten viel Platz zum Spielen und Entspannen. Die Thomaswiese ist heute die zentrale Grünanlage in der Leipziger Innenstadt.


Die Postkartenedition „Vom Stellplatz zum Stadtplatz“ wird im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche 2018 durch das Verkehrs- und Tiefbauamt der Stadt Leipzig und den Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig gefördert. Alle Motive der Postkartenedition werden außerdem vom 13. September bis 18. Oktober in den CityCards Kulturkartenständern im Stadtgebiet Leipzig zu finden sein.

Für die historischen Fotos danken wir dem Bundesarchiv, dem Verkehrs- und Tiefbauamt der Stadt Leipzig und dem Leipziger Fotografen Armin Kühne. Für die aktuellen Aufnahmen danken wir dem Fotografen Sandrino Donnhauser.

Der Ökolöwe – Umweltbund Leipzig e.V. setzt sich seit mehr als 25 Jahren für nachhaltige Mobilität und lebenswerten Stadtraum ein. In unserem Fachbereich Nachhaltige Mobilität und Stadtentwicklung findest Du viele weitere, spannende Beiträge zum Thema.

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