Lärmsituation in Leipzig

Lärm berührt viele Bereiche des Alltags und wird von jedem Menschen anders wahrgenommen. Wie es um die Lärmsituation in Leipzig steht, erfährst Du hier.

Magistrale in Leipzig

Die Folgen einer dauerhaften Lärmbelastung äußern sich in einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen. Die Konzentration fällt schwerer. Wir reagieren schneller gereizt und schlafen unruhiger. Das Risiko eines Herzinfarktes steigt. Lärmbedingt erhöhte Gesundheitsrisiken sind laut Umweltbundesamt für Dauerschallaußenpegel ab 65 dB(A) am Tage und 55 dB(A) in der Nacht eindeutig nachgewiesen. Dabei muss man wissen, dass an Magistralen wie der Prager Straße Werte von bis zu 80 dB(A) erreicht werden.

Wie viele Leipzigerinnen und Leipziger sind betroffen?

Das Amt für Umweltschutz der Stadt Leipzig hat ermittelt, dass allein aufgrund des Straßenverkehrs mehr als 26.000 Leipzigerinnen und Leipziger solch gesundheitsgefährdenden Lärmpegeln ausgesetzt sind. Durch die Straßenbahn werden die genannten Werte vor den Fenstern von mehr als 15.000 Menschen überschritten.(1) Laut Eisenbahnbundesamt wohnen entlang der Schienenwege im Leipziger Untersuchungsraum etwa 800 Menschen, die Tagesmittelungspegel von über 65 dB(A) zu erdulden haben und etwa 2.800 Menschen, die durch Mittelungspegel über 55 dB(A) in der Nacht in ihrem Schlaf gestört werden.(2) Auch wenn derzeit noch keine Zahlen vorliegen, die die Gesamtbelastung aus allen Lärmquellen abbilden, wird deutlich, dass Umgebungslärm einen weitaus größeren Teil der Leipziger berührt, als man vielleicht denken mag.

Das bestätigen auch die Ergebnisse der kommunalen Bürgerumfrage, die das Amt für Statistik und Wahlen der Stadt Leipzig im Jahr 2017 durchgeführt hat. Mehr als die Hälfte der Leipzigerinnen und Leipziger fühlen sich stark oder sehr stark durch Straßenverkehrslärm in ihrem Wohnviertel belastet. Für 85 Prozent hat ein guter Lärmschutz einen (sehr) hohen Stellenwert.

Welche Auswirkung hat Lärm auf unsere Stadt?

Eine laute Wohngegend ist eine schlechte Wohngegend. In Leipzig konnten die Menschen, anders als in München oder Frankfurt, lange Zeit relativ frei wählen, ob sie an einer lauten Verkehrsschneise oder doch lieber in einer ruhigen Nebenstraße wohnen möchten. Dies ist einer der Gründe, weswegen in Leipzig insbesondere an den Hauptstraßen viele Wohnungen leer standen. In die Häuser wurde nicht investiert, sie verfielen und mussten teilweise sogar abgerissen werden. Durch die Lücken dringt der Lärm heute in bis dahin ruhig gelegene Häuser in der zweiten Reihe. Auf der Straße selbst kann sich öffentliches Leben nur sehr eingeschränkt entfalten. Eine normale Unterhaltung oder entspanntes Verweilen ist kaum möglich. Das schlechte Image einer Hauptstraße kann auf das Stadtviertel ausstrahlen. Anwohnerinnen und Anwohner, die sich attraktivere Wohnlagen leisten können, ziehen weg. Den lokalen Geschäften fehlt die Kundschaft. Lärm ist eine der Haupttriebfedern für Suburbanisierung in Eigenheimsiedlungen am Rande der Stadt. Dadurch steigen jedoch Pendlerströme in das Stadtzentrum weiter an. Der Verkehrslärm in der Stadt nimmt weiter zu.

Was tut die Stadt Leipzig gegen zunehmende Lärmbelastung?

Um die Bevölkerung von schädlichem Lärm zu entlasten, wurde im Juni 2002 die sogenannte EU-Umgebungslärmrichtlinie verabschiedet. Diese ging erst 2005 mit der Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes in deutsches Recht über. Danach ist auch Leipzig verpflichtet die Belastung der Bürgerinnen und Bürger in Lärmkarten darzustellen und einen Lärmaktionsplan zu erarbeiten und fortzuschreiben, der beschreibt, wie die Gesundheit der Leipzigerinnen und Leipziger zukünftig geschützt werden soll.

Mach's leiser – Mitwirken bei der Lärmaktionsplanung in Leipzig

Das Mach's leiser Logo

Im Unterschied zur Lärmaktionsplanung der Stadt Leipzig möchten wir Ökolöwen mit unserem Modellprojekt "Mach's leiser – Mitwirken bei der Lärmaktionsplanung in Leipzig" nicht in erster Linie auf rechnerischen Schalldaten aufbauen, sondern auf von Bewohnerinnen und Bewohnern eingereichten Vorschlägen zur Minderung des Verkehrslärms. Dabei geht es nicht nur um die großen Themen, im Mittelpunkt stehen kurzfristig umsetzbare Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung, wie z.B. Tempo30, Zebrastreifen oder Fahrbahnmarkierungen.

Losgelöst von den Prozessen in den „Mach’s leiser“ Projektgebieten haben alle Leipzigerinnen und Leipziger die Möglichkeit, Lösungsvorschläge für konkrete Lärmprobleme zu machen. Wir Ökolöwen sammeln Hinweise und leiten sie an die richtigen Stellen weiter. Dabei können natürlich nicht alle Vorschläge zur Lärmminderung in die Realität überführt werden. Mit dem Projekt „Mach´s leiser“ nimmt der Ökolöwe aber eine wichtige Vermittlerrolle wahr, gibt Bürgerinnen und Bürgern eine Stimme und setzt sich dafür ein, dass Hinweise aus der Bevölkerung bei der Lärmaktionsplanung der Stadt Leipzig sowie weiteren Planungsprozessen berücksichtigt werden.

Quellen:

(1) Stadt Leipzig – Amt für Umweltschutz: Belastungen für Bewohner 2017
(2) Eisenbahnbundesamt: Lärmstatistik für den Ballungsraum Leipzig
(3) Stadt Leipzig – Amt für Statistik und Wahlen: Kommunale Bürgerumfrage 2017

Lärmsituation in Leipzig

Lärmkartierung und Lärmwirkung

Lärmaktionsplanung und Lärmschutzmaßnahmen

Mach's leiser im Leipziger Norden

Mach's leiser in Leipzig-Stötteritz

Mach's leiser in der Leipziger Ostvorstadt

Gesetze und Richtlinien

Lärm-ABC und Lärm-Links

Das Handbuch - Lärmminderung für Kommunen leichtgemacht