Flächenfraß an Leipzigs Stadträndern

Flächenfraß an Leipzigs Stadträndern

Leipzig wächst und wächst und das auf Kosten der Natur. Unkontrolliertes Wachstum in das Umland kommt auch uns Steuerzahler:innen teuer zu stehen.

Urban Sprawl in Markham, Ontario Foto: IDuke via wikipedia commons

In Deutschland ist der Flächenverbrauch seit Jahren zu hoch. Täglich werden rund 59 Hektar zugebaut. Das entspricht 79 Fußballfeldern. Vom 30-Hektar-Ziel, das die Bundesregierung ausgerufen hat, sind wir noch weit entfernt. Politiker:innen, die sich gegen den Wildwuchs von Eigenheimsiedlungen aussprechen, bekommen dafür oft Schelte - zuletzt Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bund. Die Sache ist nur: Diese Politiker:innen haben recht. Klar ist, der enorme Flächenverbrauch muss gestoppt werden.

Urban Sprawl - wenn sich Städte in die Landschaft fressen

Dimensionen der Zersiedlung (Grafik: Leibnitz-Institut für ökologische Raumentwicklung)
Dimensionen der Zersiedlung (Grafik: IÖR)

Seit Jahrzehnten findet Städtewachstum vermehrt in seinen Außenzonen statt. Zersiedlung bzw. Urban Sprawl beschreibt genau dieses unstrukturierte, räumliche Wachstum einer Stadt in die unbebaute Landschaft hinein. Die USA sind das Paradebeispiel für Suburbanisierung und die Entwicklung von zerstreuten Vorstadtsiedlungen: Kilometerweit reiht sich ein Einfamilienhaus an das nächste. Der Einzelhandel, große Shopping Malls und Unternehmen folgten und verlagerten sich immer mehr an die Randgebiete. Auch Leipzig ist zunehmend von Zersiedlung betroffen. Neue Wohn- und Gewerbegebiete entstehen am Stadtrand und verdrängen wichtige Naturflächen.

 

Zersiedelung auf Kosten der Steuerzahler:innen - Wie teuer ist Suburbanisierung?

Jährliche Kosten pro Haushalt am Stadtrand vs. in der Stadt (Grafik: USA Streetsblock)
Jährliche Kosten pro Haushalt am Stadtrand vs. in der Stadt (Grafik: USA Streetsblock)

Viele Städte weisen neue Baugebiete am Stadtrand mit der Hoffnung aus, dass neue Steuereinnahmen (Grund- und Einkommenssteuer) generiert werden. Allerdings ist die Zersiedlung eine Kostenfalle. Die Versorgung neuer Siedlungsgebiete mit der nötigen Infrastruktur (Wasser, Abwasser, Strom, Stadtreinigung, Straßen etc.) und Dienstleistungen (Bibliothek, Schulbusen, Kindergärten, Einzelhandel, Kultur) ist in zersiedelten Gebieten teurer als im Stadtkern.

Der Grund: am Stadtrand leben weniger Menschen auf größerer Fläche, sodass die Kosten pro Haushalt im Vergleich zum Stadtkern deutlich höher sind. Die neuen Steuereinnahmen reichen nicht aus, um die anfallenden Bau-, Instandhaltungs- und Betriebskosten in zersiedelten Gebieten stemmen zu können - sie werden an die Allgemeinheit übertragen. Hinzu kommen Folgekosten, die durch die neue Siedlung am Stadtrand verursacht und größtenteils von den Bewohner:innen der Kernstadt getragen werden, wie beispielsweise erhöhtes Verkehrsaufkommen in die Innenstadt.

 

Flächenverbrauch in Leipzig - wirklich nur eine Frage des Wachstums?

Zunehmender Flächenverbrauch in Leipzig (Grafik: UFZ)
Grafik: Zunehmender Flächenverbrauch in Leipzig (Grafik: UFZ)

Leipzigs Einwohner:innen beanspruchen immer mehr Wohnraum. Die Entwicklung ist übrigens nicht allein dem Bevölkerungswachstum geschuldet. Noch 1985 ist jede:r Leipziger:in im Schnitt mit 68 Quadratmeter Wohnbaufläche ausgekommen. Schon 2001 hat jede:r von uns im Schnitt 131 Quadratmeter Wohnbaufläche beansprucht. Vor knapp hundert Jahren (1913) waren es im Vergleich dazu lediglich 26 Quadratmeter Wohnbaufläche pro Einwohner. Einer der Gründe ist: Viele Menschen wollen das Privileg einer ruhigen Wohnlage und gleichzeitig alle Vorteile einer Großstadt genießen und ziehen in Leipzigs Speckgürtel. Das Problem: Dort im Einfamilienhaus ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Bodenfläche, Energie und Ressourcen deutlich höher als in der Stadt. Die Flächenversiegelung hat enorme Auswirkungen auf die Natur. Landwirtschaftliche Nutzflächen, wertvolle Böden, sowie stadtnahe Erholungsgebiete werden überbaut. Lebensräume von einheimischen Tierarten sind in Gefahr. Durch mangelnde Versickerung steigt die Hochwassergefahr.

Leipzigs Stadtverwaltung verlässt den Pfad einer nachhaltigen Stadtentwicklung

Um eine nachhaltige Stadtentwicklung voranzutreiben, verfolgt die Stadt auf dem Papier seit Ende der 1990er Jahre eigentlich die Strategie “Innenentwicklung vor Außenentwicklung”. Denn eine kompakte Stadt geht mit kurzen Wegen, fußläufig erreichbarer Nahversorgung sowie einer autounabhängigen Mobilität einher. Mit der Unterzeichnung der Leipzig-Charta hat sich die Stadt zudem eigentlich den nationalen sowie europäische Zielen einer nachhaltigen Stadtentwicklung verpflichtet.

Allerdings weicht die Stadt immer stärker von ihrer eigentlichen Nachhaltigkeitsstrategie ab: Zukünftig sollen Flächenpotentiale am Stadtrand neuen Wohnraum schaffen. Viele neue Bauprojekte am Rande der Stadt sind bereits geplant, wie bspw. hektargroße Siedlungsgebiete für Eigenheime in Knauthain oder neue Gewerbegebiete entlang der Autobahn ohne ÖPNV-Anschluss. So darf es nicht weitergehen!

Appell für eine Grüne Stadtentwicklung

Unterzeichne den Appell Mehr Grün für Leipzig
Unterzeichne den Appell Mehr Grün für Leipzig

Der Flächenverbrauch rund um Leipzig ist enorm. Dabei ist die Lösung naheliegend: Neubau muss sich dort konzentrieren, wo eine ausreichende Infrastruktur im Nahbereich (ÖPNV, Abwasser, Schule, Lebensmittelladen) bereits vorhanden ist. Nachverdichtung von Freiflächen im Umkreis von 300 Meter zu Straßenbahn-Haltestellen oder 500 Metern zu S-Bahn-Haltestellen anstatt Neubauten mitten im Grünen wären ein Anfang.

Unterstütze unsere Forderung nach einer grünen und nachhaltigen Stadtentwicklung mit Deiner Unterschrift und unterschreibe jetzt unseren Ökolöwen-Appell Mehr Grün für Leipzig.

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