So wird's bunt - FAQs rund um Baumbeete

Welche Blühpflanzen entwickeln sich gut im Baumbeet? Wie häufig muss ich gießen? Kann ich das Beet mit einer Umzäunung schützen? Wir Ökolöwen teilen mit Dir unsere Erfahrungen beim Anlegen und Pflegen eines Baumbeetes.

Vorüberlegungen

Kann ich jedes Baumbeet in Leipzig bepflanzen?
Stadtbaum mit Anpflanzhilfe
Stadtbaum mit Anpflanzhilfe – hier bitte kein Baumbeet anlegen
Wird der Straßenbaum durch Pfähle gestützt, darf die Baumscheibe nicht bepflanzt werden.
Frisch gepflanzte Bäume erhalten für drei Jahre eine so genannte Anpflanzhilfe. In der Regel handelt es sich dabei um eine Verankerung aus drei oder weniger Holzpfählen und einer Bindung. Bäume, die auf diese Weise vor dem Abreißen der Feinwurzeln bei starkem Wind geschützt sind, dürfen zu ihrem Fuße nicht begrünt werden. In den ersten Jahren nach der Baumpflanzung ist die Gehölzpflege intensiv und die von der Stadt Leipzig beauftragten Baumpfleger:innen müssen die unversiegelte Fläche rund um den Baum jederzeit betreten können. Gleichzeitig ist die Gefahr groß, beim Gärtnern die Wurzeln des Jungbaums zu beschädigen.
 
Um eine ungefähre Vorstellung davon zu bekommen, wann das Pflanzgerüst bei den betreffenden Straßenbäumen abgebaut wird, kannst Du auf der Webseite der Stadt Leipzig recherchieren. Neben der Baumart jedes Straßenbaumes ist dort auch der Pflanzzeitpunkt notiert. Liegt das Datum mehr als 2 Jahre zurück, kannst Du Dein Baumbeet bald bepflanzen. Dauert es noch ein bisschen, bis der Baum vor Deiner Tür richtig angewachsen ist, kannst Du ihn trotzdem schon unterstützen. Gerade Jungbäume brauchen in niederschlagsarmen Monaten regelmäßig Wasser.
Kann ich zu jedem Zeitpunkt im Jahr ein Baumbeet bepflanzen?
Mai und Juni sowie September und Oktober sind optimale Pflanzmonate.
Theoretisch ist das Einsetzen von Staudenpflanzen rund ums Jahr möglich. Die einzige unverzichtbare Bedingung ist ein frostfreier Boden. Grundsätzlich stellt der Standort Baumscheibe extreme Bedingungen an jede Pflanze. Der Boden ist meist stark verdichtet und trocken. Es gibt wenig unterstützende Bodenlebewesen und die Nährstoff- und Wasserverfügbarkeit ist herabgesetzt. Kommen zu diesen schlechten Grundvoraussetzungen Sommerhitze - wie im Juli oder August - oder Nachtfröste hinzu, wird es für Frischgepflanztes schwer Fuß zu fassen.
 
Saatgut in Baumbeeten
Wildblumensamen können direkt ins Baumbeet gesät werden. Den richtigen Aussaattermin, Frühjahr oder Herbst, verrät das Saattütchen. Gelingsicher, aber auch aufwendiger, ist die Anzucht von Jungpflanzen in Töpfen daheim auf der Fensterbank. Tipps zur Aussaat und Saatgutwahl für Baumbeete gibt Janet Glausch von naturgarten-samen-leipzig.
 
Frühblüher
Frühblüherzwiebeln zum Beispiel Traubenhyazinthe, Blaustern oder Krokus, werden von September bis November direkt ins Baumbeet gesteckt und können dort langfristig verbleiben. Sie erfreuen Dich, Passant:innen und hungrige Bienen jedes Jahr aufs Neue.
Der Boden ist steinhart - wächst da überhaupt was?
Nur die Harten kommen in den Minigarten. Tatsächlich ist es für jede Pflanze schwer, auf einem Baumbeet zu bestehen. Robuste, genügsame Wildstauden haben die besten Chancen Wurzeln zu schlagen und Jahr für Jahr erneut zu blühen. In Leipzig ist es nicht gestattet, selbst zusätzliche Blumenerde oder anderes Substrat in die Baumscheibe einzubringen. Zum einen soll verhindert werden, dass Schadstoffe in den Wurzelbereich des Baumes gelangen. Zum anderen kann ein Anhäufen von Substrat am Stammfuß dazu führen, dass der Baum an dieser Stelle feucht steht und langfristig Schaden nimmt. Bei der Bepflanzung empfiehlt es sich, das vorhandene Substrat großflächig und bis in 10 Zentimeter Tiefe aufzulockern. Von dieser anstrengenden und zeitaufwendigen Beetvorbereitung profitieren Baum und Blühpflanzen. Die Wurzeln können sich sehr viel leichter ihren Weg bahnen und für einen festen Stand und einen guten Nährstofftransport sorgen.
Kann der Schotter in der Beetfläche ersetzt werden?
Krokusse erblühen problemlos im steinigen Substrat

Nein! Auf Weisung der Stadt Leipzig darf der Schotter nicht von den betreffenden Baumscheiben entfernt werden.

Schotter dient der "Unkraut"vermeidung und stellt dementsprechend auch Deine Pflanzen vor Herausforderungen. Nicht jede Pflanze kommt gleichermaßen mit diesen Bedingungen klar. Mit heimischen robusten Wildstauden, aber auch mit Frühblühern, haben wir Ökolöwen sehr gute Erfahrungen gemacht. In jedem Fall ist es wichtig, den Boden unter der Schotterschicht gut aufzulockern, damit die Pflanzenwurzeln dort einen guten Halt finden.

Geeignete Pflanzen und Pflanzung

Welche Pflanzen sind für ein Baumbeet geeignet?
Grafik mit Empfehlungen für Wildstauden
Es gibt zwei Hauptüberlegungen, nach denen die Pflanzenwahl getroffen werden sollte:
 
1. Welche Pflanzen vertragen die schwierigen Standortbedingungen?
Um unter den Extrembedingungen eines Baumbeetes zu bestehen, gilt es vor allem heimische robuste Wildstauden auszuwählen. Sie sind anspruchslos und kommen mit wenig Wasser, Hitze und dem kargen Baumbeet-Substrat gut zurecht. Frühblüher entwickeln sich unter den herben Bedingungen ebenfalls sehr gut. Die Verlockung mag groß sein, Pflanzen zu wählen, die schon üppig blühen und äußerlich was her machen. Viele dieser im Baumarkt und Supermarkt erhältlichen Pflanzen sind schnell hochgezüchtet, damit sie genau so aussehen und die Gärnterin oder den Gärtner überzeugen. Die Freude wird aber nur kurz währen. Diese sehr anspruchsvollen Pflanzen vertragen die Standortbedingungen der Baumscheibe nicht und werden innerhalb kürzester Zeit ihr schönes Äußeres verlieren und eingehen.
 
2. Welche Pflanzen geben Bienen, Hummeln und Co. über möglichst viele Monate im Jahr hinweg Nahrung und Unterschlupf?
Nur ungefüllte, einfache Blüten bieten Insekten Nektar und Pollen. Viele besonders bedrohte Insektenarten haben sich auf wenige heimische Blühpflanzen spezialisiert. Wildbienen fliegen vom zeitigen Frühjahr bis in den späten Herbst. In dieser Zeitspanne sind sie auf Blütennahrung angewiesen.
 
Pflanzen, die nicht aufs Baumbeet gehören
Giftige Pflanzen, wie Tollkirsche oder Eisenhut, gehören nicht ins Baumbeet. Der Anbau von Schlafmohn oder Cannabis ist illegal. Außerdem hat auch die Stadt Leipzig einige Vorgaben dazu gemacht: Dornige Pflanzen, wie zum Beispiel Rosen, oder Rankpflanzen, wie der Efeu, dürfen nicht an Straßenbäume gesetzt werden. Die Bepflanzung darf generell nicht höher als 70 Zentimeter wachsen. Es muss gewährleistet sein, dass Mitarbeiter:innen des Grünflächenamtes oder anderer beauftragter Pflegefirmen jederzeit der Baumpflege nachgehen können und dass die Sicht auf den Straßenverkehr nicht behindert wird.
 
Wir Ökolöwen haben sehr gute Erfahrungen mit mehrjährigen Blühpflanzen gesammelt, die Jahr für Jahr neu austreiben - einfach aufs Bild klicken zum Vergrößern.
Wo bekomme ich heimische Wildstauden?
Heimische Wildstauden, wie hier die Acker-Glockenblume, sind die richtige Wahl
Im Baumarkt oder Gartencenter ist die Auswahl an heimischen Wildstauden klein. Der Verein naturgarten e.V. hat eine Liste von Mitgliedsbetrieben veröffentlicht. Viele der genannten Unternehmen bieten eine große Auswahl heimischer Wildpflanzen in BIO-Qualität an. Der Versand findet in Stroh oder Heu verpackt und klimaneutral statt.
Ist es besser auszusäen oder getopfte Pflanzen zu setzen?
Es ist grundsätzlich beides möglich. Der verdichtete Boden macht es Saaten allerdings schwer, Wurzeln zu bilden. Wichtig ist den Boden gut aufzulockern. Eine weitere Option ist es die Pflanzen auf der Fensterbank vorzuziehen. Das Baumbeet erhält so eine sehr preiswerte, üppige und – je nach Auswahl - vielseitige Bepflanzung. Tipps zur Aussaat und Saatgutwahl für Baumbeete gibt Janet Glausch von Naturgarten Samen Leipzig.
Bepflanze ich die ganze Fläche rund um den Baum?
Es ist wichtig, in einem Mindestabstand von etwa 30 Zentimetern zum Stamm zu pflanzen. Im Inneren dieses Bereichs liegen die Baumwurzeln besonders nah an der Oberfläche und werden durch Hacken oder Graben leicht beschädigt. Gleichzeitig müssen Mitarbeiter:innen des Grünflächenamtes oder anderer Pflegefirmen jederzeit Zugang zum Baum haben.
Wie läuft die Pflanzung konkret ab?

So gehst Du vor:

Grafik 'So gelingt die Baumbeet-Bepflanzung'

Pflege des Baumbeets

Was ist in den ersten Tagen und Wochen nach der Pflanzung zu tun?
Am besten im Strahl giessen - So kommt das Wasser direkt an die Wurzeln
Das oberste Gebot in den ersten Wochen nach der Pflanzung: Gießen!
Drei bis vier Mal pro Woche brauchen Deine Pflanzen eine reichliche Wassergabe von etwa 20 Litern je Baumbeet.
Gerade in heißen, trockenen Sommermonaten ist auch der Straßenbaum glücklich über zusätzliches Nass. Wer auch ihm Gutes tun möchte, hilft mit bis zu 20 Litern Wasser extra, um ihn optimal zu versorgen.
Soll ich das Baumbeet düngen?
Die Stadt Leipzig untersagt das Düngen von Baumscheiben durch Bürger:innen. Es soll verhindert werden, dass die Nährstoffe im Boden in Schieflage geraten und der Baum dadurch nicht artgerecht versorgt wird. Gleichzeitig wird verhindert, dass zusätzlich Schadstoffe in den Boden gelangen.
Die heimischen Wildstauen, die wir Ökolöwen für die Baumbeet-Bepflanzung empfehlen, kommen mit wenigen Nährstoffen aus. Sie benötigen keine Düngung.
Was gibt es langfristig auf dem Baumbeet zu tun?
Vor allem gilt es, die Hände still zu halten:
Im warmen Frühjahr werden abgestorbene Pflanzenteile auf fünf Zentimeter über dem Boden zurückgeschnitten. Ansonsten gibt es wenig zu tun. Unerwünschte Beikräuter werden entfernt. Der Boden wird bei Bedarf ein wenig nachgelockert. Laub sollte auf dem Baumbeet verbleiben. Die Humusschicht wächst durch die Verstoffwechselung der Blätter. Stauden und Baum bekommen durch die Blätterdecke einen Winterschutz und Kleinstlebewesen ein Winterquartier.

Bitte lass Abgeblühtes über die Herbst- und Wintermonate stehen.
Auch wenn die vertrockneten Pflanzenreste manchem unansehnlich erscheinen: viele Insekten überwintern darin und Vögel freuen sich in der kalten Jahreszeit über die reifen Saaten in den Blütenständen. Im zeitigen Frühjahr nutzen Vögel die abgestorbenen Pflanzenteile zum Nestbau.
 
Der Anblick der stehengelassenen Blütenstände gefällt Deinen Nachbarn nicht?
Vielleicht hilft es ins Gespräch zu gehen oder ein Hinweisschild aufzustellen, das deutlich macht, dass das Stehenlassen der Blütenstände wichtig ist.
 
Wichtig: Schnitt- und sonstige Pflegemaßnahmen an Bäumen werden nur durch die Grünflächenunterhaltung durchgeführt.
Sollte "Dein" Baum kränkeln, wende Dich an die Mitarbeiter:innen des Amtes für Stadtgrün und Gewässer.
Kehre ich Laub vom Baumbeet runter?
Laub sollte auf dem Baumbeet verbleiben. Die Humusschicht wächst und Stauden und Baum bekommen durch die Blätterdecke einen Winterschutz, Kleinstlebewesen ein Winterquartier.
 
Winter: Hilfe, sind meine Pflanzen tot?
Keine Sorge! Du wirst in den kalten Monaten nur die abgeblühten, braunen Pflanzenteile sehen. Das ist ganz normal. Ausdauernde Pflanzen, so genannte Stauden, ziehen sich in der kalten Jahreszeit in den Boden zurück, um im nächsten Frühjahr wieder kräftig auszutreiben.

Schutz für das Baumbeet

Kann ich mein Baumbeet einzäunen?
Nein! In Leipzig ist es untersagt, Baumbeete selbst einzuzäunen. Das erschwert eine erfolgreiche Bepflanzung, denn gerade am Anfang ist es wichtig deutlich zu machen: "Hier wächst was!". Deine Pflanzen sind noch klein und können sich dadurch nur wenig bemerkbar machen. Welche Alternativen zur Umzäunung gibt es? Werde kreativ und schaffe Aufmerksamkeit! Bastle Hinweisschilder, bemale Steine oder Schildchen mit den Pflanzennamen, löte in Holzscheiben. Achte bitte darauf, dass Du dabei möglichst umweltfreundliche Materialien nutzt.
Wie kann ich Müll, Kot und Plattgetrampel begegnen?
Leider kein seltener Anblick in Leipzig, aber Mülltonnen und Verkehrsschilder haben auf Baumscheiben nichts zu suchen

Straßenbäume führen ein hartes Leben in der Stadt. Wenige Quadratmeter offene Bodenfläche müssen für ihre gedeihliche Entwicklung reichen. Grundsätzlich sollte diese Fläche, also die Baumscheibe, daher nicht betreten, vermüllt und zugekotet werden. Diese kleine Fläche gehört dem Baum! Leider gibt es dafür aber kein flächendeckendes Bewusstsein in unserer Gesellschaft und dadurch passiert es auch immer wieder, dass Baumbeete platt getreten, zugestellt, geplündert oder zugemüllt werden. Mitten in der Stadt im öffentlichen Raum zu gärtnern ist eine Herausforderung. Versuche es nicht so schwer zu nehmen und dran zu bleiben! Es wäre schön, wenn Du Dir ab und an die Zeit nimmst, den Müll zu entfernen. Ein gepflegtes Beet macht einen ganz anderen Eindruck auf das Umfeld und erfährt mehr Wertschätzung.

Stecke Deine Nachbarn mit Deiner Lust am urbanen Gärtnern vor der Haustür an! Je mehr Baumbeete bepflanzt werden, desto mehr wird Fahrradfahrer:innen, Stadtreinigungsmitarbeiter:innen, Hundebesitzer:innen, Hausmeister:innen und allen anderen, die aktuell noch unaufmerksam sind, bewusst: Da wächst was. Da gärtnert jemand. Bis dahin ist die Baumbeetgärtnerei Pionierarbeit. Rechne mit Rückschlägen. Tüfftele an Lösungen. Freu Dich, wenn Dein Baumbeet blüht. Auch der Straßenbaum wird es Dir danken.

Wenn es möglich ist, suche das Gespräch mit denjenigen, die immer wieder die Mülltonne auf das Baumbeet stellen oder mit den Nachbarn, die die Räder weiterhin dort anschließen, wo Deine Pflanzen wachsen wollen. Bleib höflich. Oft steckt keine böse Absicht hinter dem nachlässigen Verhalten, sondern einfach Unkenntnis. Freundliche Aufklärung ist hier die erfolgversprechendste Art der Verständigung.

Mach mit und werde Blühpat:in!

Du hast Lust auf mehr Artenvielfalt und bunte Blühinseln vor Deiner Tür? Dann mach mit bei unserem Projekt Leipzig blüht auf und werde Blühpat:in! Du hast weitere Fragen? Dann melde Dich gern bei uns per E-Mail.

Leipzig blüht auf - das Projekt

Blühpat:in werden - so geht's!

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