Was Du bei der Verwendung von Saatgut beachten musst
Saatgut selbst vermehren - Vielfalt ernten!
Aktuell dominieren vier Großkonzerne den weltweiten Saatgutmarkt. Noch vor hundertfünfzig Jahren war das undenkbar: Saatgut war Gemeingut und wurde von Kleinbäuer:innen selbst vermehrt. Seit dieser Zeit sind 75% der Nutzpflanzenvielfalt verloren gegangen. Tendenz steigend. Gemeinsam können wir etwas dagegen tun und gleichzeitig Vielfalt in unsere Gärten und auf unsere Teller holen!
Warum der Erhalt der Saatgutvielfalt so wichtig ist
Pflanzen sind verschiedensten Bedrohungen ausgesetzt: Ein massiver Schadinsektenbefall, Krankheitserreger oder durch die Klimakrise veränderte Standortbedingungen können schnell das Ende einzelner Sorten bedeuten. Ein Beispiel für die verheerenden Auswirkungen, die der Monokulturanbau einer einzigen Sorte haben kann, ist die große Hungersnot in Irland Mitte des 19. Jahrhunderts. Die irischen Kartoffeln wurden damals aus wenigen Mutterpflanzen einer Sorte gezogen. Die aus Amerika neu eingeschleppte Kartoffelfäule hatte durch die geringe genetische Breite der Kartoffelpflanzen leichtes Spiel und vernichtete die kompletten Ernten.
Eine Vielzahl an Sorten einer Pflanzenart stellt ein "Backup" an genetischer Breite dar. Im Bedarfsfall kann auf Sorten zurückgegriffen werden, die mit Krankheitserregern, Schadinsekten oder schwierigen Bedingungen keine Probleme haben. Züchterisch kann aus dem breiten Genpool geschöpft werden, um Sorten weiter oder neu zu entwickeln, die robust, gesund und standortangepasst wachsen. So ist Sortenvielfalt auch eine Versicherung für unsere Ernährung. Der Lobbyismus der Saatkonzerne und die Allgegenwärtigkeit der genetisch bewusst eingeschränkten Hybridsorten treibt samenfeste, alte Sorten in eine Nische.
75 Prozent der Nutzpflanzenvielfalt bereits verloren
Ob Supermarkt oder Bioladen, in der Gemüseabteilung sieht es ganz ähnlich aus: Es gibt DIE Gurke oder es gibt DEN Mais. Tatsächlich gibt es von beiden – und allen anderen – Gemüsearten viele hunderte Sorten mit verschiedenen geschmacklichen oder optischen Eigenschaften. Laut der Welternährungsorganisation FAO sind in den letzten 100 Jahren weltweit 75 Prozent der Vielfalt an pflanzlichen Nahrungsmitteln verloren gegangen. Die Sortenvielfalt schwindet jedes Jahr um weitere ein bis zwei Prozent.
Der Saatgutmarkt ist mittlerweile stark reguliert. Um Sorten im Handel anbieten zu können, müssen langwierige und kostspielige Zulassungsverfahren durchlaufen werden. Kleinen Saatgutanbietern fehlt dazu der lange Atem, das Geld und auch die geschäftliche Perspektive. Aus diesen Gründen konzentriert sich der Saatgutmarkt immer weiter.
Heute dominieren vier Großkonzerne mehr als 70 Prozent des weltweiten Saatgutmarktes: BASF, Syngenta, Bayer und Corteva Agrisciene. Alle vier Unternehmen sind Agrochemiekonzerne, die neben Saatgut auch Unkrautvernichtungsmittel, Insektizide und Düngemittel verkaufen. Saatgut ist zum Massenprodukt geworden. Wenige Hybridsorten werden in großen Mengen angeboten.
DIY-Tipp: Ernte eigenes Saatgut
Das Kulturhandwerk der Saatgutgewinnung ist eine 12.000 Jahre alte Erfolgsgeschichte. Obwohl das Wissen um die Saatgutvermehrung kostbar ist und auf diese Weise viel Geld gespart werden kann, das sonst Jahr für Jahr für Saaten ausgegeben wird, gibt es nur wenige Menschen, die ihr Saatgut selbst vermehren.
Die Pflanzen ihren kompletten Lebenszyklus hindurch zu begleiten, ist faszinierend. Tomaten, aber auch Bohnen und Salat sowie viele Wildblumen eignen sich gut, um erste eigene Versuche bei der Saatgutvermehrung zu wagen. Da die Natur Samen im Überfluss bereithält, kannst Du einen Teil verschenken oder tauschen.
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