Ein Garten für Käfer

Ein Garten für Käfer

Während der Marienkäfer als Glücksbringer und Blattlausvertilger beliebt und gern gesehen ist, werden viele andere der rund 4.400 Käferarten Sachsens häufig als „Schädling“ betrachtet. Wir räumen mit Vorurteilen gegenüber dieser teils stark bedrohten Insektengruppe auf und zeigen Dir, wie Du Käfer in Deinem Garten gezielt unterstützen kannst.

Ein Garten für Käfer-Infoschild im Stadtgarten Connewitz
Bild: Ökolöwe e.V.

Käfer haben ganz unterschiedliche Lebensweisen

Es gibt die „Aufräumtrupps“, die fleißig Totholz oder Aas zersetzen. Andere Käfer ernähren sich von Nektar und Pollen und leisten wichtige Bestäuberarbeit. Es gibt Käferarten, die gezielt Kot abbauen und andere, sie sind der Schrecken vieler Gärtner:innen, die Pflanzenteile fressen. Leuchtkäfer, wie das Glühwürmchen, faszinieren, wenn sie an lauen Spätsommertagen für kleine Mikrofeuerwerke am Himmel sorgen. Ihre Larven gehören zu den wenigen Schneckenvertilgern und sind ein Geschenk für jeden Garten. Käfer stehen zudem auf der Speisekarte vieler Vögel, wie zum Beispiel dem Eichelhäher.

Flächenversiegelungen und damit einhergehend Lebensraumverinselung, Pestizide und Monokulturen sind das Aus für unzählige Tierarten - darunter viele Käfer. Weil Tot- und Altholz aus Ordnungsliebe vielerorts entfernt wird, weil Blühstreifen rar werden und der Kot von Weidevieh häufig für Käfer tödliche Rückstände von Medikamenten enthält, mangelt es vielen Käferarten an ihren Lebensgrundlagen.

Nashornkäferweibchen auf einer Hand
Bild: Ökolöwe e.V.

Drei Käferarten im Kurz-Portrait

Der Nashornkäfer

Der Nashornkäfer wirkt mit seinem massiven Körper und dem markanten Horn auf dem Kopf wie ein kleiner Urzeitriese. Das Männchen trägt das namensgebende Horn, mit dem es Rivalen von Futterplätzen verdrängt – harmlos zwar, aber eindrucksvoll. Mit bis zu vier Zentimetern Länge zählt der Nashornkäfer zu unseren größeren heimischen Käfern.

In Leipzig kann man die nächtlich aktiven und wärmeliebenden Tiere an warmen Sommerabenden in Gärten, Parks, Komposthaufen oder warmen Hofplätzen beobachten, wo sie schnaufend und summend aus dem Boden auftauchen.

Der Nashornkäfer ist wie viele andere Käfer auf verrottendes Holz angewiesen, allerdings als Kulturfolger: Seine Larven wachsen vor allem in altem, zersetztem Holzmehl und Mulm in morschen Baumstümpfen, Komposthaufen, Rindenmulch oder Sägespänen heran. Durch Urbanisierung und Forstwirtschaft verschwinden diese wertvollen Lebensräume immer mehr. Im Totholz verbringt der Käfernachwuchs drei bis fünf Jahre, bevor sie sich im schützenden Substrat verpuppen.

Nach der Metamorphose graben sich die fertigen Käfer im Frühjahr nach oben. Das kurze Erwachsenenleben dauert wenige Wochen – gerade genug, um Partner zu finden und für Nachwuchs zu sorgen.

In Sachsen zählt der Nashornkäfer zu den gefährdeten Blatthornkäferarten. Er ist besonders geschützt.

Rothalsbockkäfer auf Kugeldistel
Bild: Ökolöwe e.V.

Der Rothalsbockkäfer

Der auffällige Rothalsbockkäfer fasziniert mit seinem schwarzen Körper und dem leuchtend roten Halsschild, der wie ein Warnsignal wirkt. Mit bis zu 40 Millimetern Länge gehört er zu den imposanten Bockkäfern unserer Breiten. In Sachsen, besonders an warmen Sommerabenden von Juni bis August, kann man die schwirrenden Männchen beim Flug zu blühenden Kräutern oder fauligem Holz beobachten.

Rothalsbockkäfer sind streng auf Totholz sonnenwarmer Laubbäume wie Eiche, Birke oder Buche angewiesen. Die Weibchen legen ihre Eier in Risse von abgestorbenem, stehendem Holz, wo die Larven über drei bis fünf Jahre Splintholz fressen und Gänge graben.

Die Larven, Engerlinge, verpuppen sich in ihrem Bau im Holz. Die Larvenentwicklung dauert insgesamt etwa zwei Jahre. Aus der Puppe schlüpfen die erwachsenen Käfer, die im Sommer das Holz verlassen und an die Oberfläche gelangen. Ihr Leben als Imago dauert nur wenige Wochen, in denen sie Nektar saugen und sich fortpflanzen.

In Sachsen zählt der Rothalsbockkäfer zu den gefährdeten Arten der Roten Liste, bedroht durch Totholzvernichtung in Wäldern und Gärten.

Marienkäfer mit Blattlauskolonie
Bild: Ökolöwe e.V

Der Marienkäfer

In Sachsen leben rund 70 Marienkäferarten heimisch. Der Tannen-Zwergmarienkäfer gilt bereits als ausgestorben, während weitere etwa 20 Arten auf der sächsischen Roten Liste als gefährdet gelten.

Der Verlust von Lebensräumen durch Versiegelung, Entwässerung und Monokulturen lässt die Artenpopulationen schrumpfen. Dazu kommt der Asiatische Marienkäfer: Als invasiver Neophyt breitet er sich explosionsartig aus und verdrängt heimische Arten durch Nahrungskonkurrenz und direkte Fraß-Angriffe.​

Besonders bekannt ist der beliebte Siebenpunkt-Marienkäfer: Als Blattlausfresser rafft er bis zu 150 Läuse pro Tag herunter. Noch effizienter arbeiten seine Larven – die „Blattlauslöwen“: Der Nachwuchs eines Paares kann in der Entwicklung über bis zu 100.000 Blattläuse vertilgen.

5 Tipps, um Käfer im Garten und Hof zu fördern

  • Totholz und Stubben belassen: Belasse alte Baumstümpfe, Äste und Laubhaufen als Brut- und Larvenhabitate. Sie sind essenziell für Arten wie Hirsch-, Nashorn- oder Rothalsbockkäfer.

  • Pestizide strikt vermeiden: Setze keine Sprays oder Gifte ein. Toleriere stattdessen Blattläuse, damit Marienkäfer und Laufkäfer eine Lebensgrundlage haben.

  • Wilde Ecken anlegen: Hohes Gras, Hecken und ungemähte Zonen mit Steinhaufen bieten Verstecke, Überwinterungsquartiere und Nahrung für diverse Käferarten.

  • Nektar- und Mulmpflanzen setzen: Pflanze Schafgarbe, Fenchel, Dill oder Klee, um erwachsene Käfer zu bewirten. Mit einem Komposthaufen förderst Du Larven von Nashornkäfern.

  • Licht aus: Du hilfst Käfern und Nachtinsekten, indem Du abends Gartenspotlights, Fassadenlampen oder Solarleuchten ausschaltest oder dimmst. Nutze gelbliches Licht (unter 2.700 Kelvin) und richte Lampen nach unten ab, damit sie nicht in den Himmel strahlen. So bleiben Nashornkäfer & Co. orientiert und überleben die Nacht.
 

Im Stadtgarten Connewitz, dem Mit- und Nachmachgarten des Ökolöwe e.V., kannst Du Dir viele der angesprochenen Maßnahmen zur Förderung von Käfern und anderer bedrohter Gartentiere anschauen und bekommst vor Ort Tipps zur Materialwahl und zum Bau der verschiedenen Biotopelemente.

 

Zurück