Vernetzte Lebensräume für Leipzigs Natur - Biotopverbundkonzept
Vernetzte Lebensräume für Leipzigs Natur - Biotopverbundkonzept
Leipzig hat jetzt endlich ein Konzept, das zeigt, welche Grünflächen vor Bebauung geschützt werden müssen, damit die Natur in der Stadt eine Chance hat. Dafür setzen wir Ökolöwen uns seit vielen Jahren ein.
Menschen haben die Natur in Deutschland weitgehend verändert. Landwirtschaftliche Nutzung, Siedlungen und Verkehrsinfrastruktur prägen die heutige Landschaft. Natürliche Lebensräume existieren in manchen Gebieten nur noch als isolierte „Natur-Inseln“.
Tier- und Pflanzenarten müssen sich jedoch frei zwischen verschiedenen Gebieten bewegen können, um zu überleben. Sie pflanzen sich fort oder weichen extremen Umwelteinflüssen wie Hitze und Hochwasser aus. Ohne diese Vernetzung steigt das Aussterberisiko erheblich.
Der Biotopverbund fungiert hierbei als Netzwerk, das aus zwei wesentlichen Elementen besteht:
- Kernflächen: Große Gebiete, die dauerhaft Lebensraum bieten.
- Verbindungsflächen: Grüne Korridore und einzelne Trittsteinbiotope, die Lücken zwischen den Kernflächen überbrücken und als Rast- oder Durchzugsflächen dienen.
Gemäß § 20 Bundesnaturschutzgesetz sollen mindestens zehn Prozent der Landesfläche als Biotopverbund gesichert werden.
Leipzig muss vorhandene Lebensräume schützen, ergänzen und miteinander vernetzen. Über Parks, Grünzüge, Brachen, kleine und große Fließgewässer und vor allem über den Auwald können Tiere so innerhalb der Stadt Leipzig sowie zwischen dem Stadtgebiet und dem Umland wandern und Pflanzen sich ausbreiten.
Doch auf den wenigen Freiflächen Leipzigs lasten vielfältige Nutzungsinteressen. Die Stadt wird mehr und mehr zugebaut. Für die Artenvielfalt wertvolles Grün verschwindet zunehmend.
Leipzig hat ein Biotopverbundkonzept – ein Meilenstein für die Natur
Dass Leipzig nun ein konkretes Konzept vorliegt, ist das Ergebnis jahrelangen Einsatzes des Ökolöwen und weiterer Umweltverbände.
Die Petition „Bauen und Natur erhalten“ aus dem Jahr 2019, die wir gemeinsam mit Nabu, BUND und dem Ornithologischen Verein zu Leipzig e. V. starteten, wurde von 6.000 Menschen unterstützt. Sie gab einen wichtigen Impuls, der in einem Stadtratsbeschluss mündete. Der Beschluss beauftragte den Oberbürgermeister zu prüfen, wie die Stadt eine Biotopkartierung gemeinsam mit Umweltverbänden umsetzen kann.
Im Juli 2022 folgte schließlich der Beschluss eine Biotopverbundplanung zu erstellen. Wir Ökolöwen waren dabei von Beginn an wichtige Ansprechpartner der Stadt und haben unser Fachwissen in zahlreichen Workshops und Abstimmungsrunden eingebracht.
Aktuell beraten die Fachausschüsse des Stadtrates das Konzept. Der Beschluss erfolgt am 25. Februar 2026 und ist für Leipzigs Natur dringend notwendig.
Nun liegt das Biotopverbundkonzept vor. Ein großer Gewinn für Leipzigs Natur.
Langfristig unterstützen.
Wir Ökolöwen kämpfen täglich für mehr Grün in Leipzig, mehr Schutz unserer Schutzgebiete und mehr Tempo bei der Mobilitätswende – denn angesichts der Klimakrise ist Umweltschutz Pflicht, keine Kür! Unsere Arbeit finanzieren wir zu 100% aus Spenden. Diese Schwarmfinanzierung ermöglicht es uns unabhängig zu bleiben und dort einzugreifen, wo wir gebraucht werden. Bitte hilf uns dabei.
Die drei Säulen der Leipziger Natur
Das Konzept analysiert den Zustand der Stadtbiotope und unterteilt sie in drei Lebensraumverbünde. Für jeden Verbund hat die Stadt jeweils eine eigene Karte erstellt:
- (Halb-)offene, trockene bis frische Biotope: Brachflächen, Ackerbrachen, Wiesen und Weiden, Magerrasen und Trockenrasen, Offenboden-/Rohbodenflächen, Bahnbrachen und Gleisanlagen
- Feuchtbiotope und Gewässer: Moore, Röhrichte, Stillgewässer (Seen, Teiche), Fließgewässer (Flüsse, Bäch, Gräben), Gewässerrandstreifen, Feuchte Grünlandtypen, Auen
- Wald, waldartige Baumbestände und Gehölze: Wälder, Sukzessionswälder, Gehölzgruppen und Feldgehölze, Hecken, Baumreihen, Parkbäume/waldartige Baumbestände in Parks und Friedhöfen, waldartige Siedlungsflächen mit hoher Baumdeckung
Im Konzept spielen 134 Zielarten eine Schlüsselrolle: Eisvogel, Zauneidechse, Knoblauchkröte, Mopsfledermaus und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Sie zeigen, wie gut der Biotopverbund funktioniert, weil sie besonders empfindlich auf Störungen reagieren und typische Lebensräume repräsentieren. Der Schutz dieser Zielarten kommt ganzen Lebensgemeinschaften zugute. Gleichzeitig helfen sie, Maßnahmen gezielt zu planen und den Erfolg später zu überprüfen.
Das Besondere: Die Planung endet nicht an der Stadtgrenze. Wir Ökolöwen drängten darauf, wichtige Lebensräume wie den Auwald oder die Partheaue über die Gemeindegrenzen hinaus einzubeziehen. Der Austausch mit dem Umland ist grundlegend für die Artenvielfalt.
Strategische Planung gegen den Bebauungsdruck
Der Bedarf an Wohnraum in Leipzig ist hoch, was zu erheblichen Konflikten mit dem Erhalt von Grün- und Brachflächen führt. Das Biotopverbundkonzept dient hier als entscheidende Planungsgrundlage, um:
- Flächen und Korridore zu identifizieren, die für die Natur unverzichtbar sind.
- den zukünftigen Landschaftsplan und den „Masterplan Grün“ fachlich zu unterfüttern.
- Belange des Artenschutzes und beispielweise der wassersensiblen Stadtentwicklung bei der Bauleitplanung zu beachten.
Damit das Konzept wirkt, war für uns Ökolöwen Transparenz entscheidend: Wir setzten durch, dass das Kartenmaterial frei zugänglich ist. So kann jede:r nachvollziehen, welche Bedeutung selbst kleine Wiesen vor der eigenen Haustür für das gesamte Netzwerk haben.
Das Konzept hat großes Potenzial. Das Stadtplanungsamt, das Amt für Stadtgrün und Gewässer, das Amt für Umweltschutz und die beiden beauftragten Büros haben fachlich solide gearbeitet.
Damit das Biotopverbundkonzept wirkt, muss die Stadt es vollständig in den Landschaftsplan übernehmen und konsequent anwenden. Wir Ökolöwen fordern:
- Tabuflächen klar festlegen – mit einer “Roten Liste” für Leipzig: Leipzig braucht eine “Rote Liste” von Flächen, die aufgrund ihres hohen Werts für den Biotopverbund frei von Bebauung bleiben. Die Stadt muss diese Areale dauerhaft sichern – durch Ankauf, Pachtmodelle, Vertragsnaturschutz sowie Erweiterung oder Neuausweisung von Schutzgebieten.
- Biotope und wertvolle Strukturen aktiv stärken: Die Stadt muss die im Konzept enthaltenen Maßnahmen konsequent umsetzen. Zusätzlich soll sie öffentliche Grünflächen und Straßenbegleitgrün naturnah pflegen, damit sie ihren vollen ökologischen Beitrag als Lebensräume leisten.
- Lücken im Verbund schließen: Neue Trittsteinbiotope sollen dort entstehen, wo wichtige Wanderkorridore unterbrochen sind. Zudem muss die Stadt degradierten Lebensräumen neuen Wert geben – zum Beispiel den Feuchtlebensräumen entlang der Flüsse im Leipziger Auwald.
- Biotopverbund in allen Planungen verbindlich prüfen: Der Biotopverbund muss fester Bestandteil jeder städtischen Planung sein. Jede Planung – etwa für Bebauungspläne – soll nachweisbar prüfen, wie sie den Verbund stärkt oder beeinträchtigt. Abweichungen müssen gerechtfertigt und im unmittelbaren Umfeld, durch ausreichende und geeignete Ersatzlebensräume, ausgeglichen werden.
- Stadtweite Naturerfassung dauerhaft sichern: Wir Ökolöwen setzen uns für eine dauerhaft finanzierte Stadtbiotopkartierung ein, damit Leipzig den Zustand seiner Natur regelmäßig erfasst und Entwicklungen früh erkennt.
Wir Ökolöwen bleiben dran. Wir begleiten die Umsetzung kritisch und machen Druck, wo nötig. Für einen starken Biotopverbund und eine hohe Artenvielfalt in Leipzig. Schließ Dich uns an und unterzeichne unseren Appell “Mehr Grün für Leipzig”.
Schießanlage raus aus dem Auwald
Grün in Gefahr: "Parkplatzstadt" Dösen
Mehr Grün: Blühende Vorgärten statt Schotterwüsten!
Leipzig versinkt im Müll!
Geht’s noch?! Leipzig spart beim Baumschutz!
Erfolg: "Baum-ab-Gesetz" ist abgeschafft!
Raus aus dem Auwald, rein ins Vergnügen
Leipziger Klimacheck
Ohne Giftraketen ins neue Jahr!
"Grün" bauen muss zur Pflicht werden!