Leipzig soll blühen: So gelingt die Ansaat

Leipzig soll blühen: So gelingt die Ansaat

Briefkasten auf, Wildblumenmischung raus – und ab in die Erde? Ja, unbedingt sogar! Denn es gibt nicht viel, was es bei der Ansaat der „Leipzig soll blühen“-Mischung zu beachten gibt.

Wildblumen sind im Allgemeinen recht anspruchslos. Entscheidend ist nur, wo das zukünftige Pollen-Buffet eröffnet werden soll – ob auf dem Balkon, im Garten oder im Hinterhof. Wir Ökolöwen haben ein paar praktische Ansaat- und Pflegetipps gesammelt, um mit der "Leipzig soll blühen"-Mischung optimale Ergebnisse zu erzielen.

In unserer Ökolöwen-Blühmischung von 2022 stecken 42 regional angepasste Wildblumenarten. Diese Eigenschaften machen sie besonders wertvoll für die heimische Fauna und Flora: Die unzähligen Blütenköpfe, die sich vom Frühjahr bis in den Herbst hinein öffnen, bringen Leben auf den Balkon, in den Garten oder Hinterhof.

Zudem finden Schmetterlinge und Wildbienen in den heimischen Blüten wertvolle Nahrung – und mit Hilfe unserer praktischen Pflanztipps summt und brummt es auch bald auf der Blühinsel.

42 insektenfreundliche Sorten

In unserer "Leipzig soll blühen"-Mischung sind 2022 folgende Sorten enthalten:

  • Acker-Hahnenfuß
  • Acker-Hundskamille
  • Acker-Lichtnelke
  • Acker-Ringelblume
  • Acker-Steinsame
  • Acker-Wachtelweizen
  • Acker-Veilchen
  • Acker-Vergissmeinnicht
  • Duftschöterich
  • Echtes Barbarakraut
  • Echter Frauenspiegel
  • Echte Hundszunge
  • Färber-Hundskamille
  • Färber-Resede
  • Färber-Waid
  • Feld-Rittersporn
  • Gewöhnliche Nachtviole
  • Gewöhnlicher Natternkopf
  • Gewöhnlicher Pastinak
  • Hasenklee
  • Hasenohr
  • Kelch-Steinkraut
  • Klatschmohn
  • Kleinblütige Königskerze
  • Kornblume
  • Kornrade
  • Margerite
  • Mehlige Königskerze
  • Österreichischer Lein
  • Rapunzel-Glockenblume
  • Raue Nelke
  • Roter Fingerhut
  • Rundblättriges
  • Saatmohn
  • Saat-Wucherblume
  • Sichelmöhre
  • Sprossende Felsennelke
  • Tausendgüldenkraut
  • Weiße Lichtnelke
  • Wilde Karde
  • Wilde Malve
  • Wilde Möhre,
  • Zweijährige Nachtkerze,

Wichtig: Die Blumensamen bitte nicht essen!

Der Standort: Wo kann die Blühmischung ausgesät werden?

Unsere Wildblumenmischung, die etwa einen Quadratmeter von Leipzig zum Blühen bringen kann, ist für die lockere Aussaat im Garten, im Hinterhof, im Hochbeet, auf dem Balkon sowie in Töpfen geeignet. Allerdings darf das Saatgut aus rechtlichen Gründen nicht in der freien Landschaft ausgebracht werden, zumindest nicht ohne die Genehmigung der Naturschutzbehörde.

Die besten Ergebnisse können erreicht werden, wenn die Wildblumen aus der Blühmischung an einem sonnigen Standort aufwachsen und gedeihen können. Sowohl die Pflanzen als auch ihre Bestäuber werden es danken!

Für eine besonders volle Blüte sollten die Samen zudem bis Ende Mai ausgesät werden. Eine spätsommerliche oder herbstliche Aussaat, also von Mitte August bis Ende Oktober, garantiert hingegen Blüherfolge im nächsten Sommer.

Der Boden: Wie sollte er beschaffen sein?

Viele heimische Wildpflanzen bevorzugen einen mageren, nährstoffarmen und durchlässigen Boden mit mineralischem Anteil. Wichtig: Am besten sollte das Substrat stets torffreier Erde genutzt werden. Das schont die Moore, die wiederum sehr effektive CO2-Binder und Lebensraum vieler bedrohter Tier- und Pflanzenarten sind.

Achtung! Die Aussaat in ein bestehendes Rasen- oder Wiesenstück wird nicht gelingen. Unter Konkurrenzdruck gehen Wildpflanzen-Saaten nicht auf.

Tipps für Balkonkasten und Topf

Für die Ansaat auf dem Balkon oder im Topf empfehlen wir Dach- und Trogerde oder Dachgartenerde. Sie enthalten mineralische Anteile, die Wasser und Nährstoffe binden und gleichzeitig verhindern, dass die Erde einsackt und verdichtet.

Leider sind Dachgarten-Substrate in torffreier Bio-Qualität nur in sehr gut sortierten Baumärkten zu finden. Alternativ kann dafür auch einfach selbst eine ideale Wildblumen-Balkonerde gemischt werden – aus:

  • 1/3 torffreier Bio-Universalerde
  • 1/3 Sand
  • 1/3 Blähton oder Lava

Die drei Komponenten gehören zum Standardsortiment in jedem Baumarkt oder Gartencenter.

Ökolöwen-Tipp: Eine Drainageschicht aus Tonscherben oder Kieselsteinen am Boden eines Balkonkastens oder Pflanzkübels kann zudem helfen, dass überschüssiges Gieß- oder Regenwasser gut ablaufen kann. Die Pflanzen der Blühmischung mögen keine nassen Füße.

Bei der Ansaat im Topf oder auf dem Balkonkasten sollten die Samen auf die Erde aufgelegt und anschließend mit einer Maurerkelle oder der flachen Hand gut angedrückt werden.

Tipps für Garten und Hinterhof

Im Garten oder im Hinterhof kann das Saatgut direkt auf dem Boden ausgesät werden. Unsere "Leipzig soll blühen"-Mischung enthält fast ausschließlich Lichtkeimer. Das heißt, dass die feinen Saaten nicht mit Erde bedeckt, sondern auf die Substrat-Oberfläche gestreut werden wollen.

Dafür ist aber eine gute Bodenvorbereitung entscheidend: Beikräuter müssen zunächst sorgfältig entfernt werden. Der untere Boden lässt sich am besten mit einer Hacke oder Grabegabel auflockern. Die obere Bodenschicht sollte möglichst mit einem Rechen verfeinert werden, sodass an der Oberfläche kleine Krümel und eine ebene Oberfläche entsteht. Die zusätzliche Einarbeitung von Sand ist besonders bei sehr dunklen, nährstoffreichen und schweren Böden sinnvoll. Durch die Sand-Zugabe wird der Boden "abgemagert", also nährstoffärmer. Wildpflanzen mögen das!

Damit es gleichmäßig keimt und währenddessen genug Feuchtigkeit abbekommt, sollte das Saatgut leicht in den Boden gedrückt werden. Wer keine Walze zur Hand, kann sich auch Bretter unter die Füße binden und dann die Saat-Fläche einmal längs und einmal quer festen Schrittes abgehen.

Die richtige Wildblumenpflege

Der Pflegeaufwand von Wildblumen ist überschaubar: Schon nach wenigen Wochen blühen die einjährigen Arten – wie der Saat-Mohn, die Kornblume oder die Acker-Ringelblume. Doch es gibt auch Arten, die sich erst im zweiten Jahr zeigen, einige davon blühen sogar über viele Jahre hinweg.

Das Farb- und Höhenspiel der Wildblumen ist dabei sehr vielfältig: Während es das himmelblaue Acker-Vergissmeinnicht mit 30 Zentimetern Wuchshöhe gerade mal auf Wadenhöhe schafft, kann die Großblütige Königskerze eine Größe von mehr als zwei Metern erreichen. Der Wildpflanzen-Gigant ist die imposanteste Pflanze der „Leipzig soll blühen“-Mischung.

Die übrigen der 42 Wildblumenarten erreichen Höhen von 40 bis 80 Zentimetern und blühen in Weiß-, Gelb-, Blau-, Violett- und Rottönen, sofern sie richtig gepflegt werden! Die folgenden Tipps helfen dabei:

In den ersten Wochen

In den ersten vier Wochen nach der Ansaat sollte die „Leipzig soll blühen“-Mischung immer feucht halten. Damit die feinen Saaten oder Keimlinge nicht wegschwemmen, ist es sinnvoll, im Garten eine Gießkanne mit Feintülle oder einen Gießstab zu benutzen, die das Wasser sanft auf der Beetfläche verteilt. Auf dem Balkon hat eine Blumenbrause oder ein Pflanzenbesprüher denselben positiven Effekt.

Keimlinge, die zu nah beieinanderstehen, müssen nicht herausgezogen werden. Die Pflanzen regeln das untereinander – ganz nach dem Prinzip: Der Stärkere gewinnt!

In den ersten Monaten

Nach sieben bis acht Wochen dürften die ersten Blüten zu sehen sein. Weitere Wildblumen-Schönheiten werden ihre Blütenpracht innerhalb der nächsten zehn bis zwölf Wochen zeigen. Die Pflanzen sollten weiterhin regelmäßig mit Wasser versorgt werden.

Im ersten Jahr

Im ersten Jahr nach der Ansaat brauchen die Pflanzen der „Leipzig soll blühen“-Mischung normalerweise keine Düngung. Da sich unter den 42 Wildpflanzen sowohl Arten mit niedrigem als auch Arten mit einem höheren Nährstoffbedarf befinden, hilft es in dieser Hinsicht aufmerksam zu beobachten, wie sich die Mischung entwickelt.

Werden die Pflanzen gelb und wachsen nicht mehr, kann es helfen, sie mit etwas organischem Bio-Flüssigdünger zu unterstützen. Die Dosierempfehlungen auf der Dünger-Packung beziehen sich auf Zierpflanzen. Für die Wildblumen-Mischung reicht deshalb die Hälfte der empfohlenen Düngermenge.

Im Herbst und Winter

Nach dem Sommer sollten die abgeblühten Blütenstände im Herbst und Winter unbedingt stehen gelassen werden. Zum einen bieten die Pflanzen ein geschütztes Überwinterungsquartier für Insekten, zum anderen helfen die Samen in den Blütenständen den Vögeln durch die besonders nahrungsarme Jahreszeit.

Deshalb gilt: abwarten! Die Stängel der Blumen sollten erst im Frühjahr, wenn es anhaltend warm ist, abgeschnitten werden circa eine Handbreit über dem Boden.

Ein Winterschutz ist hingegen sinnvoll, wenn es sehr kalt und gleichzeitig sonnig ist. Die wintergrünen Pflanzenteile verdunsten dann Wasser, können aber aus dem gefrorenen Boden kein Wasser nachtanken und vertrocknen. Tipp: Exponierte Töpfe oder Balkonkästen können auf den schattigen Balkonboden gestellt werden.

Im zweiten bis fünften Jahr

Während im ersten Jahr Mohnblume, Feld-Rittersporn oder Kornrade mit ihren zart leuchtenden Blüten gedeihen, bilden sich am Boden die Rosetten der zwei- und mehrjährigen Arten. Aus den flach am Boden kreisförmig wachsenden Blättern wachsen zu Beginn der zweiten Saison wunderschöne und oft sehr imposante Wildblüher.

Wer den Balkonkasten nach dem ersten Jahr leert, dem entgehen leuchtend gelbe Nachtkerzen, zart lilafarbene Rapunzel-Glockenblumen oder der von pink nach blau blühende Natternkopf, den viele Wildbienen und Schmetterlinge besonders gern besuchen. Auch die mehrjährigen Wildblüher der Ökolöwen-Mischung, wie beispielsweise die Wiesen-Margerite, zeigen erst ab dem zweiten Jahr ihre Blüten.

Ab dem fünften Jahr

Nach ungefähr fünf Jahren ist eine Neuansaat oder Neubepflanzung des Beetes oder der Pflanzgefäße sinnvoll. Wenige konkurrenzstarke Arten wie die Färber-Hundskamille oder die Wilde Möhre dominieren dann das Bild. Die Erde in den Pflanzgefäßen sollte bei dieser Gelegenheit ausgetauscht werden.

Tipps für noch mehr Artenvielfalt

Eine Wildbienen-Nisthilfe in unmittelbarer Nähe der blühenden Nahrungsquellen schafft noch mehr einzigartige Beobachtungsmomente – und gleichzeitig eine Möglichkeit zur Eiablage für die pelzigen Bestäuber (Anleitung). Zudem helfen unsere Tipps für eine naturnahe Garten- und Hinterhofgestaltung, die vielen bedrohten Tierarten einen Überlebensraum bietet –  in unserem Handout "Garten als Lebensinsel".

Schickt uns Bilder!

Wir sind neugierig, wie die Nektar-Tankstellen bei den Insekten ankommen! Also schickt uns Bilder von bunten Blühinselbilder, damit wir sie über unsere Kanäle teilen können. Wer uns Ökolöwen lieber direkt in einem bunten Post oder einer Story verlinken mag, kann das auch gerne tun. Wir freuen uns über jeden einzelnen Blüherfolg, den wir mit weiteren neugierigen Leipziger:innen teilen können.

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