Tipps: insektenfreundlich Gärtnern

Insektenfreundlich gärtnern

Es ist erschreckend: Rund 75 % weniger Fluginsekten als noch vor 27 Jahren schwirren, brummen und summen durch die Flur. Wo früher auf einer Blüte noch 12 Tierchen saßen, sind es heute noch drei. Sie fehlen als Bestäuber, als Nahrungsgrundlage für Vögel und viele andere Prozesse im Ökosystem. Doch die gute Nachricht lautet: Ob im Garten, Hinterhof oder auf dem Balkon – mit wenig Aufwand kann jeder einzelne einen Beitrag dazu leisten, Nahrungsquellen für die zum Teil bedrohten Arten anzubieten und Lebensräume zu schaffen.

Unsere Tipps für das Frühjahr

Wenn die Sonnenstrahlen Luft und Boden erwärmen ist die Zeit gekommen, das Saatgut in die Erde zu bringen. Viele Blühmischungen und Nutzpflanzen können ab März ausgebracht werden. Jetzt ist der Moment zu entscheiden, was im Sommer blühen soll und was wir ernten möchten. Mit wenigen Hinweisen kann jeder einzelne schon bei der Sortenwahl einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten.

Keimende Saat im Stadtgarten

Augen auf beim Saatgutkauf

Die im Handel angebotene Auswahl an Samentütchen ist groß. Worauf sollte man also achten? Unsere Empfehlung: Begeben Sie sich auf die Suche nach samenfesten Sorten. Im Gegensatz zu hypriden Sorten, die mit F1 gekennzeichnet sind, besitzt dieses Saagut die Fähigkeit, sich wieder zu vermehren. Es kann daraus also wiederrum eigenes Saatgut gewonnen werden, so wie es der natürliche Kreislauf vorsieht. Mit dieser Kaufentscheidung unterstützen Sie zudem traditionelle samenfeste Sorten, die mehr und mehr durch hyprides Saatgut verdrängt werden. Die Kulturpflanzen haben sich über lange Zeiträume an die örtlichen Bedingungen angepasst. Sie sind ein optimales Angebot für die hier beheimateten Bestäuber. Obendrein sparen Sie Geld, denn der alljährlich Neukauf von Samentütchen mit "Einmal-Saatgut" entfällt. Der Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt kann so einfach sein.

Blüten, Blüten nochmals Blüten

Richten Sie Flächen für Blühwiesen ein - ob Balkonkasten oder Gartenbeet, Pollen und Nektar der Blüten sind die Nahrungsgrundlage für Insekten. Mit Blühmischungen, die auch mehrjährige Pflanzen enthalten und heimische Arten hervorbringen, sind Sie auf der richtigen Seite. Die bunte Saatgutmischung des Ökolöwen erfüllt genau diese Kriterien. Mit den darin enthaltenen 36 wilden Arten ist ein optimales Nahrungsangebot für Schmetterlinge, Hummeln, Bienen und Co. geschaffen. Hier können Sie es kostenfrei bestellen.

Forsythie macht nicht satt

Nicht alle prächtig blühenden Gehölze und Pflanzen versorgen die nahrungssuchenden Bestäuber. Die blütenreiche Forsythie beispielsweise ist als Nahrungsquelle nutzlos, sie enthält weder Pollen noch Nektar. Gleiches gilt für viele Balkonpflanzen, z.B. Geranie. Geben Sie daher Blumen und Kräutern den Vorzug, die auf dem Speiseplan von Hummel, Schmetterling und Co. stehen. Ungeeignet sind gefüllte Blüten. Ihnen fehlen die Staubblätter - hier gibt es für die Tiere nichts zu holen.

Frühjahrsputz jetzt

Jetzt kann aufgeräumt werden, die Nachzucht hat die Brutplätze verlassen. Damit ist jetzt der richtige Zeitpunkt für den Rückschnitt der Blütenstände.

Weitere Tipps geben Ihnen die Gärtnerinnen vom Stadtgarten Connewitz. Egal ob Sie Fragen zu Saatgut, insektenfreundlichen Pflanzen, zum Anlegen einer Magerwiese usw. haben, im Stadtgarten erhalten Sie Antworten und können direkt vor Ort sehen, wie praktisches Gärtnern im Sinne der Artenvielfalt aussieht.

Unsere Tipps für den Herbst

Im Herbst ist Pflanzzeit für Frühblüher, Sträucher, Bäume etc. Doch nicht jede Pflanze erhält das Prädikat "insektenfreundlich".

Gefüllte Blüten sind nutzlos

Ganz besonders wichtig bei Blumen und blühenden Gehölzen: Entscheiden Sie sich für ungefüllte Sorten. Denn diese bilden Blüten aus, die den lebenswichtigen Pollen und Nektar enthalten und zudem gut erreichbar sind. Im Handel findet man mittlerweile für viele Sorten Züchtungen mit gefüllten Blüten. Sie sollen in Sachen Ästhetik punkten, sind allerdings für Insekten absolut nutzlos. Außerdem sollte heimischen Gewächsen immer der Vorzug gegeben werden. Denn sie passen deutlich besser zu den Bedürfnissen der heimischen Tierarten.

Nahrung übers ganze Jahr

Nicht nur Insekten, sondern auch Vögel danken Ihnen, wenn Sie bei der Pflanzenwahl den ganzjährigen Nahrungsbedarf der Tiere im Blick haben. Frühblüher wie Krokusse versorgen die hungrigen Insekten schon sehr früh im Jahr, wenn vieles noch nicht blüht. Auch Kornelkirsche und Weide blühen frühzeitig und sind hervorragende Trachtpflanzen. Die Früchte der Kornelkirsche stehen zudem auf dem Speiseplan unserer gefiederten Freunde. Versorgungsengpässe entstehen auch im Herbst: Fetthenne, Astern und Liguster schaffen Abhilfe.

Alles stehen und liegen lassen!

Ordnungsliebende Gärtner/innen neigen dazu, die nun vertrockneten Blütenstände runterzuschneiden und das Laub von den Beeten zu entsorgen. Sie sollten wissen: an den Blütenständen knabbern Vögel und im Laub überwintern zahlreiche Insekten. Die Blätter vom leergeräumten Rasen können, unter den Büschen zusammengeschoben, als Lebensraum dienen und sind gleichzeitig wertvoller Dünger für die Gehölze (ausgenommen davon sind Kastanien-, Walnuss-, Buchen- und Eichenblätter!). Im Frühjahr kann dann die Ordnung wieder hergestellt werden.

Übrigens haben auch viele als Unkraut betitelte Pflanzen wie Disteln, Nesseln und Giersch eine wichtige ökologische Bedeutung für die kleinen Lebewesen. Deshalb: da wo es sich anbietet, einfach stehen lassen!

Wir vom Team der Grünen Stadtgestaltung helfen mit Rat und Tat, wenn Sie Fragen haben. Weitere interessante Bücher und Ratgeber zum Thema finden Sie in der Umweltbibliothek.

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