Ein Garten für Käfer

Ein Garten für Käfer

Während der Marienkäfer als Glücksbringer und Blattlausvertilger beliebt und gern gesehen ist, werden viele andere der rund 7000 Käferarten Deutschlands häufig als „Schädling“ betrachtet. Wir räumen mit Vorurteilen gegenüber dieser teils stark bedrohten Insektengruppe auf und zeigen Dir, wie Du Käfer in Deinem Garten gezielt unterstützen kannst.

Käfer haben ganz unterschiedliche Lebensweisen

Es gibt die „Aufräumtrupps“, die fleißig Totholz oder Aas zersetzen. Andere Käfer ernähren sich von Nektar und Pollen und leisten wichtige Bestäuberarbeit. Es gibt Käferarten, die gezielt Kot abbauen und andere, sie sind der Schrecken vieler Gärtner:innen, die Pflanzenteile fressen. Leuchtkäfer, wie das Glühwürmchen, faszinieren, wenn sie an lauen Spätsommertagen für kleine Mikrofeuerwerke am Himmel sorgen. Ihre Larven gehören zu den wenigen Schneckenvertilgern und sind ein Geschenk für jeden Garten. Käfer stehen zudem auf der Speisekarte vieler Vögel, wie zum Beispiel dem Eichelhäher.

Flächenversiegelungen und damit einhergehend Lebensraumverinselung, Pestizide und Monokulturen sind das Aus für unzählige Tierarten - darunter viele Käfer. Weil Tot- und Altholz aus Ordnungsliebe vielerorts entfernt wird, weil Blühstreifen rar werden und der Kot von Weidevieh häufig für Käfer tödliche Rückstände von Medikamenten enthält, mangelt es vielen Käferarten an ihren Lebensgrundlagen.

Drei Käferarten im Kurz-Portrait

Der Hirschkäfer

Der imposante Hirschkäfer ist mit einer Länge von bis zu 9 Zentimetern der größte unter den heimischen Käfern. Im Hochsommer, zwischen Juni und August, können die Tiere an windstillen Tagen in der Abenddämmerung beim Schwärmen beobachtet werden. Dazu braucht es einiges an Glück, denn der Hirschkäfer gehört in Sachsen zu den stark gefährdeten Arten. Das war einmal anders: Noch vor einigen Jahrzehnten konnte man das Rivalenkampf-Knacken der Panzer der männlichen Hirschkäfer, nur sie tragen ein „Geweih“, regelmäßig meterweit hören.

Von der Eiablage über die Larvenentwicklung bis zur letzten Lebensspanne als Imago - als ausgewachsener Käfer - sind Hirschkäfer auf absterbende und abgestorbene Laubbäume angewiesen. Eichen sind für diese Käferart besonders wichtig.

Die Eier werden an den Wurzeln von aufrecht stehendem Totholz abgelegt. Besonders wertvoll sind so genannte Stubben: Stammstücken von zwei bis drei Meter Länge, die beim Fällen stehen gelassen werden. Als künstliches Bruthabitat kann ein so genannter Käferweg aus Hartholzhäckseln angeboten werden.

Die Larven des Hirschkäfers entwickeln sich im Tot- oder Altholz über einen Zeitraum von 3 bis 8 Jahren. Danach verpuppen sie sich im Totholz umgebenden Erdboden, bevor sie sich im kommenden Frühjahr als Käfer an die Oberfläche graben. Das Leben als ausgewachsener Käfer ist kurz: die Männchen sterben bereits nach wenigen Wochen, die Weibchen erleben mitunter den Spätsommer.

Wie der Hirschkäfer sind weitere teils bedrohte Käferarten auf Totholz angewiesen, zum Beispiel der Nashornkäfer, Stolperkäfer oder Pinselkäfer.

Der Rosenkäfer

Grün-gold schillernd sitzt er an warmen Sommertagen in großen Blüten und leibt sich genussvoll Nektar und Pollen ein: der Rosenkäfer. Uns Menschen unterstützt er nicht nur als Bestäuber, seine Larven leisten im Kompost wertvolle Arbeit, wo sie fleißig holzige Bestandteile verdauen und so zu einer schnellen Zersetzung beitragen. 

Einen Komposthaufen anzulegen und ein vielfältiges Blütenangebot anzubieten sind neben dem giftfreien Gärten die wichtigsten Maßnahmen, um dieser Käferart zu helfen. 

Helle, dicke, madenförmige Käfer-Larven, wie die des Goldglänzenden Rosenkäfers, werden als Engerlinge bezeichnet. Die Larven von Pinselkäfern und Nashorn- oder Hirschkäfern, allesamt wertvolle Totholzzersetzer und für Blüh- und Gemüsepflanzen völlig ungefährlich, sehen den Rosenkäfer-Engerlingen ähnlich. Mai-, Juni-, Juli- und Gartenlaubkäfer gehören zu den wurzelfressenden Käferarten und sind bei Gärtner:innen entsprechend gefürchtet. Die Engerlinge dieser gefräßigen Käferarten sind ebenfalls sehr merkmalsarm. Ob es sich um einen Rosenkäfer-Engerling handelt, kann durch den "Lauftest" herausgefunden werden: Während sich andere Engerlinge auf den Beinen fortbewegen, robbt die Rosenkäferlarve auf dem Rücken voran.

Es ist verständlich, dass wurzelfressende  Käfer-Larven bei Gärtner:innen nicht erwünscht sind. Dennoch sollten Engerlinge aus Beeten oder Balkonkästen nicht "entsorgt" werden, sondern lieber auf Komposthaufen oder in aus Holzhäckseln geschichtete „Käferwege“ umgesiedelt werden. Eventuell werden dadurch Exemplare des Rosenkäfers oder des gefährdeten Nashornkäfers gerettet.

Marienkäferlarve
Die Marienkäferlarve, auch Blattlauslöwe genannt

Der Marienkäfer

Schon gewusst? Bei uns in Sachsen sind 70 Marienkäferarten beheimatet. Während der Tannen-Zwergmarienkäfer bereits ausgestorben ist, stehen weitere 20 gefährdete Arten auf der sächsischen Roten Liste der Marienkäfer. Auch bei den Marienkäfern ist der Lebensraumverlust durch Versiegelung und Entwässerung der Hauptgrund für den Artenrückgang. Es wird vermutet, dass der Asiatische Marienkäfer, der sich innerhalb kurzer Zeit zur häufigsten Marienkäferart entwickelt hat, ebenfalls zum Rückgang heimischer Marienkäferarten beiträgt.

Der hierzulande wohl bekannteste Marienkäfer ist der „Siebenpunkt“. Er gehört zu den Blattlaus vertilgenden Marienkäferarten und frisst bis zu 150 Blattläuse am Tag. Noch fleißiger sind seine als Blattlauslöwen bezeichneten Larven: Bis zu 100.000 Blattläuse kann der Nachwuchs eines einzelnen Marienkäfers verputzen.

5 Tipps, wie Du Käfer in Deinem Garten oder auf Deinem Balkon unterstützen kannst

Mehr Totholz, Laub und wilde Ecken

Totholz gehört in jeden Naturgarten! Es gibt viele verschiedene Varianten diesen wichtigen Lebensraum für Käfer, aber auch Wildbienen und viele andere Tierarten im Garten zu integrieren: 

  • als Stubben: Es ist sinnvoll, bei notwendigen Baumfällungen so genannte „Stubben“ stehen zu lassen. Dazu wird der Baum auf 2-3 Meter Stammlänge eingekürzt. Wann immer es möglich ist, sollten alte oder kranke Bäume nicht gefällt, sondern komplett als stehendes Totholz erhalten werden.
  • als Käferburg: Dazu wird ein mindestens 20 Zentimeter breiter und 30 Zentimeter tiefer Graben ausgehoben und zu zwei Dritteln mit unbehandelten Holzhäckseln gefüllt. Im zweiten Schritt werden unterschiedlich dicke und lange Äste senkrecht in die Häcksel gestellt - so viele, dass ein stabiler vertikaler Ast-Garten entsteht.
  • als „Stumpery“: In England sind als „Stumpery“ bezeichnete Wurzelhaufen schon seit Jahrzehnten beliebte Gartenelemente. Selbst Prince Charles‘ Garten beheimatet ein imposantes Wurzel-Arrangement. Dazu werden Wurzeln verschiedener Größe kunstvoll drapiert und um Farne, Pilze und weitere Waldatmosphäre schaffende Pflanzen ergänzt.
  • als Benjeshecke: Dazu werden Äste und Zweige horizontal geschichtet und als strukturierendes oder begrenzendes Gartenelement genutzt. Mehr über Benjeshecken und andere Totholzelemente erfährst Du in unserem Handout „Lebensinsel Garten“
  • als Käferweg:

Käferweg

 

Ein Käferweg kann an einem besonnten Gartenstandort zur wichtigen Kinderstube gefährdeter Käferarten, zum Beispiel von Hirsch- oder Nashornkäfer, werden. Gleichzeitig ist die Nutzung als Weg ganz normal möglich. Um einen Käferweg zu bauen, wird der Oberboden um 30-40 Zentimeter abgetragen. Eine Drainage aus Kies oder Splitt ist nur dann nötig, wenn der Boden stark verdichtet ist und Regenwasser schlecht ablaufen kann. Die Grube wird bis auf Oberflächenniveau mit Hartholzhäckseln aufgefüllt. Besonders geeignet sind Eichenhäcksel, aber auch Buchen-, Ahorn-, Eschen-, Robinien- oder Obstbaumhäcksel kommen als Material in Frage. Käferlarven verdauen das Totholz fleißig, weshalb die Häcksel alle 1-2 Jahre aufgefüllt werden müssen. 

Kein Gift

Gifte im Garten schaden Boden, Tier und Mensch. Durch die Auswahl standortgerechter Pflanzen, Mischkultur und Fruchtfolge, die Anwendung natürlicher Pflanzenstärkungsmittel, das Herstellen von Pflanzenjauchen und Komposterde, durch Mulchen und das Fördern von Nützlingen wird der Einsatz von Insektiziden, Herbiziden, Mineraldünger und anderer Gartengifte überflüssig. Konkrete Tipps, wie Du diese Praktiken in Deinem Garten umsetzen kannst, findest Du in unserem Handout „Giftfrei Gärtnern“.

Mehr heimische Wildblumen

Die Blüten heimischer Wildpflanzen bewirten eine große Zahl bedrohter Insektenarten mit Nektar und Pollen. Auch viele Käferarten sind auf ein breit gefächertes Blütenangebot angewiesen.

Kein künstliches Licht

Viele Tiere orientieren sich am Licht des natürlichen Sternenhimmels. Die zunehmende Lichtverschmutzung - das massive Aufkommen künstlichen Lichts - macht die Nacht zum Tag. Auch verschiedenen Käferarten schadet künstliches Nachtlicht. Mistkäfer zum Beispiel, die sich am Sternenhimmel orientieren, verlieren ihren inneren Kompass und irren umher. Glühwürmchenweibchen, die die Männchen mittels Leuchtkraft auf sich aufmerksam machen, werden im Schein von Laternen, Leuchtreklame und Gartenleuchtkugeln nicht wahrgenommen, was die Paarung und damit Nachkommen und letztlich den Fortbestand der Art gefährden kann. 

Im privaten Bereich sollte auf dauerhaft leuchtendes künstliches Außenlicht verzichtet werden. Anlassbezogen ist der Einsatz von warmweißen LED-Licht mit maximal 800 Lumen für die Tierwelt am wenigsten schädlich.

Kompostieren

Ein gut angelegter und gepflegter Komposthaufen versorgt hungrige Gartenpflanzen mit wichtigen Nährstoffen. Gleichzeitig ist er Heimat zahlreicher Arten. Viele Käfer legen ihre Larven vertrauensvoll in Komposthaufen ab, weil ihre Nachkommen hier optimale Startbedingungen finden. In unserem Handout „Boden gut machen“ findest Du eine Anleitung für das Anlegen einer Kompostmiete und ein Rezept für einen Kompoststarter mit nur drei natürlichen Zutaten.

Im Stadtgarten Connewitz, dem Mit- und Nachmachgarten des Ökolöwen, kannst Du Dir viele der angesprochenen Maßnahmen zur Förderung von Käfern und anderer bedrohter Gartentiere anschauen und bekommst vor Ort Tipps zur Materialwahl und zum Bau verschiedener Biotopelemente.

 

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