OBM-Rundgang: Fußverkehr in Plagwitz und Kleinzschocher

Bürgersprechstunde des Oberbürgermeisters: Fußverkehr in Plagwitz und Kleinzschocher

Teilnehmende des Rundgangs diskutieren gemeinsam mit Oberbürgermeister Burkhard Jung und Baubürgermeister Thomas Dienberg über Verbesserungen für den Fußverkehr entlang der Zschocherschen Straße.
Wir Ökolöwen besprechen mit Oberbürgermeister Burkhard Jung und Baubürgermeister Thomas Dienberg konkrete Verbesserungen für Fußgänger:innen.

Wie sicher können Menschen in Plagwitz und Kleinzschocher zu Fuß unterwegs sein? Dieser Frage widmete sich die Bürgersprechstunde des Oberbürgermeisters im Oktober 2026. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Burkhard Jung und Vertreter:innen der Stadtverwaltung diskutierten zahlreiche Teilnehmende auf einem Rundgang entlang der Zschocherschen Straße über konkrete Probleme und mögliche Verbesserungen für den Fußverkehr. Wir Ökolöwen haben den Rundgang gemeinsam mit Fuss e.V. organisiert.

Dabei ging es unter anderem um:  

  • sichere Querungen der Zschocherschen Straße,  
  • den Ausbau wichtiger Fußwege,  
  • grüne Innenhöfe und Straßenbäume,  
  • die Zukunft des Adlers  
  • sowie Tempo 30 in Wohngebieten.

Welche Zusagen hat OBM Burkhard Jung gegeben? Die wichtigsten Stationen, Ergebnisse und Zusagen haben wir Ökolöwen in diesem Text zusammengefasst.

Stadtteilpark Plagwitz – vom Güterbahnhof zur grünen Flaniermeile

Fußweg durch den Stadtteilpark Plagwitz auf einer ehemaligen Gleistrasse mit Bäumen, Grünflächen und einer Gruppe Menschen.
Der Stadtteilpark Plagwitz entstand auf ehemaligen Bahnanlagen.

Unser rund zweistündiger Rundgang entlang der Zschocherschen Straße startete im Stadtteilpark Plagwitz. Ursprünglich war auf dem Gelände ein Verladebahnhof mit Industrieanschluss an den Plagwitzer Bahnhof und nach Schleußig verortet. Außerdem verlief hier das Gleis der Bahnstrecke Leipzig-Connewitz–Plagwitz.

Planzeichnung des Stadtteilparks Plagwitz mit Grünflächen, Baumreihen, Wegen und angrenzender Bebauung entlang ehemaliger Bahnanlagen.
Der Entwurf zeigt die Umgestaltung ehemaliger Gleisanlagen zum heutigen Stadtteilpark Plagwitz mit neuen Grün- und Wegeverbindungen. | Foto: Lützow 7

Nachdem die Gleise stillgelegt wurden, hat die Stadt Leipzig die Fläche nach den Plänen des Architekturbüro Lützow 7 zwischen 2000 und 2006 umgestaltet. Auf den ehemaligen Gleistrassen können heute Fußgänger:innen durchs Grüne flanieren. Diese weitsichtige Entscheidung der Stadt musste damals gegen teils erbitterte Widerstände durchgesetzt werden, wusste Oberbürgermeister Jung zu berichten. Heute gibt es in Plagwitz glücklicherweise viele neue Gehwegverbindungen (sogenannte Schlippen) auf den ehemalige Gleisanlagen im Viertel.

An der Industriestraße lebend über die Zschochersche Straße kommen 

Das ist normalerweise nicht einfach. Aktuell freuen sich Anwohner:innen über eine temporäre Baustellenampel, die das Queren der Zschocherschen Straße auf Höhe der Industriestraße sicher für Fußgänger:innen und alle weiteren Verkehrsteilnehmer:innen macht. Alle möchten, dass die Ampel auch nach 2026 bleibt.

Teilnehmende des Rundgangs überqueren an einer temporären Ampel die Zschochersche Straße auf Höhe der Industriestraße.
Viele Anwohner:innen wünschen sich eine dauerhafte Ampel an der Industriestraße.

Herr Jana, Leiter des Mobilitäts- und Tiefbauamtes erläuterte, dass die Ampel in Verbindung mit der Umleitung der Baumaßnahme auf der Karl-Heine-Straße steht. Wenn die fertig ist, wird die Ampel wieder entfernt. Für den Umbau der Zschocherschen Straße steht eine feste Ampelanlage an der Industriestraße schon im Plan. Das Teilstück wird aufgrund von Haushaltkürzungen allerdings erst weit nach 2030 gebaut. 

Ergebnis des Rundgangs:
OBM Jung regte an, nach Wegen zu suchen, wie hier bis zum Umbau der Zschocherschen Straße eine Ampelanlage für Sicherheit sorgen kann.

Ausbau der Zschocherschen Straße: Fußgängerampel an Markranstädter Straße 

Mehrere Personen stehen an der Zschocherschen Straße auf Höhe der Markranstädter Straße. Im Vordergrund ist die beschädigte Fahrbahn mit Schlaglöchern und Unebenheiten zu sehen, im Hintergrund diskutiert eine größere Gruppe vor Ort.
V. l. n. r.: Michael Jana, Burkhard Jung und Thomas Dienberg diskutieren über Verbesserungen für den Fußverkehr auf der Zschocherschen Straße.

Auf der weiteren Route entlang der Zschocherschen Straße wird schnell klar: Die Straße ist in sehr schlechtem Zustand. Es fehlen Straßenbäume und Radwege sowie sichere Querungen, Straßenbelag, Gleise und Fußwege sind desolat. Es braucht dringend einen grundhaften Ausbau von Hauswand zu Hauswand. 

Für den Ausbau der Zschocherschen Straße hat die Stadt bereits gut ausgearbeitete Pläne, die eigentlich schon längst hätten gebaut werden sollen. Herr Jana stellt auf dem Rundgang klar, dass aufgrund der Haushaltskürzungen ein grundhafter Ausbau von der Stadt nicht mitfinanziert werden kann. Daher werden ab 2028 in einer ersten Stufe zuerst nur die LVB die Gleise in Ordnung bringen und neue Haltestellenbereiche bauen.  

Die Stadt wird in diesen Bereichen nur kleine Ausbesserungen vornehmen und in einer zweiten Stufe, irgendwann nach 2034, die Straßenbereiche zwischen den Haltestellen sanieren, die Gehwege in Ordnung bringen, Radwege anlegen und Straßenbäume pflanzen.

Die von den Bürger:innen gewünschte Fußgängerampel an der Markranstädter Straße wird vorerst nicht kommen. Das Aufschieben der grundhaften Sanierung ist für die Teilnehmenden des Rundgangs ein kaum akzeptabler Zustand!

Wir Ökolöwen fordern bereits für die erste Ausbaustufe Straßenbäume, Radwege und Tempo 30 sowie sichere Fußgängerquerungen!

Grüne Hinterhöfe statt Autoparkplätze in der Siemensstraße und der ganzen Stadt

Luftbild von Plagwitz mit markierten Bereichen. Hervorgehoben sind der Stadtteilpark Plagwitz, die Zschochersche Straße sowie grüne Innenhöfe im Bereich der Siemensstraße.
Die Innenhöfe an der Siemensstraße zeigen das Potenzial grüner Freiräume im Quartier. | Karte: Stadt Leipzig, Amt für Geoinformation und Bodenordnung, GeodatenService

Von der Zschocherschen Straße geht es auf Höhe der Siemensstraße durch eine kleine Durchfahrt durch den Wohnblock in einen großen grünen Hinterhof der Zeilenbebauung. Auf den zweiten Blick erkennt man, dass auf der einen Seite des Hofes eine Tiefgarage untergebracht ist. Deswegen gibt es dort eine Wiese. Große Bäume, die Schatten spenden gibt es aber nicht, weil sie wegen der Tiefgarage nicht wurzeln können. Auf der anderen Seite des Hofes fällt ein oberirdischer, versiegelter Parkplatz ins Auge.

An dieser Station stellt sich grundsätzlich die Frage, wie die Stadt grüne Hinterhöfe in Zeiten der Klimakrise gegen das fortschreitende Versiegeln durch Auto-Parkplätze absichern kann.

Das Ergebnis:
Baubürgermeister Dienberg klärt auf, dass Autoparkplätze in vormals grünen Hinterhöfen grundsätzlich über das Aufstellen von Bebauungsplänen untersagt werden können.

Das Problem:
Das Stadtplanungsamt hat nicht genügend Personal, um für die gesamte Stadt Bebauungspläne zu erarbeiten. Hier wird deutlich: Die sogenannte "schlanke Verwaltung" ist für eine wachsende Großstadt zu dünn.

Adler beflügeln:  Von der Verkehrskreuzung zum grünen, lebendigen Stadtplatz 

Der Adler ist eine wichtige Verkehrskreuzung im Leipziger Westen. Frau Brachmann und Herr Köhler von den Leipziger Verkehrsbetrieben wussten zu berichten, dass der Adler auf Platz 6 der meistgenutzten Haltestellen in Leipzig liegt. Auch deswegen ist der Adler ein Hotspot für den Fußverkehr.

Ab Dezember 2026 wird das ÖPNV-Angebot mit dem Liniennetz der Zukunft weiter ausgebaut. Die neue Buslinie 64 (Miltitz – Grünau – Schleußig – Südvorstadt – Reudnitz – Schönefeld Ost) wird ab dann am Adler halten.

Menschen halten sich auf einer Freifläche am Adler auf. Die Fläche ist mit Sitzgelegenheiten, Zelten und weiteren Elementen für Veranstaltungen ausgestattet.
Der kleine Stadtplatz auf der Südseite des Adlers wurde mit Duldung des Eigentümers zwei Jahre für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. | Foto: AM ADLER – Initiative für sozialen Stadtraum und Kommunikation

Neben der Verkehrsfunktion ist eine attraktive Stadtplatzgestaltung für den Aufenthalt sehr entscheidend für eine funktionierendes Quartierszentrum. Hier haben sich Johannes Strom und seine Mitstreiter:innen in der Initiative "Am Adler" verdient gemacht und berichten von ihrer erfolgreichen Arbeit für einen lebendigen Stadtplatz, auf dem viele verschiedene Menschen zusammenfinden. 

Die private Fläche auf dem Südteil der Kreuzung, auf der noch bis 1994 das namensgebende Restaurant "Zum goldenen Adler" stand, kann leider nicht mehr von der Initiative genutzt werden. Der Eigentümer möchte hier stattdessen eine Tankstelle für Elektroautos errichten.

Historische Schwarz-Weiß-Aufnahme eines Eckgebäudes mit der Aufschrift „Restaurant Goldener Adler“. Vor dem Gebäude stehen mehrere Menschen auf dem Gehweg an einer Straßenkreuzung.
Restaurant „Zum goldenen Adler“ in Leipzig, Dieskaustraße, Ecke Windorfer Straße (um 1900; das Gebäude wurde 1994 abgerissen) | Quelle: altes-leipzig.net

Wir Ökolöwen meinen: Eine Tankstelle ist keine sinnvolle Nutzung für den Adler. Der Adler braucht einen grünen Stadtplatz!

Oberbürgermeister Jung würdigte das Engagement. Wir haben hier einen ähnlichen Fall wie an der Connewitzer Spitze Auch da hat die Stadt eine private Brachfläche erworben und mit Hilfe von Fördermitteln in einen attraktiven grünen Stadtplatz verwandelt. "Ich möchte, dass wir das auch hier prüfen und mit dem Eigentümer in Kontakt gehen, ohne zu versprechen, dass es am Ende auch gelingt. Vielleicht steht hier dann auch wieder bildlich ein Adler und gibt dem Platz Identität zurück."

Das Ergebnis:
Oberbürgermeister Jung sagte zu, Möglichkeiten für einen öffentlichen Stadtplatz am Adler zu prüfen und hierzu mit dem Eigentümer der Fläche in Kontakt zu treten.

Schematische Darstellung eines möglichen Stadtplatzes am Adler mit überdachten Sitzbereichen, Urban Gardening, Kletterwand, Basketballfeld und weiteren Aufenthalts- und Freizeitangeboten.
Denkbare Nutzungen für einen Stadtplatz am Adler. Auszug aus Magisterarbeit von Christof Ritter. | Download via Eine Masterarbeit über AM ADLER – und was daraus werden könnte - AM ADLER

Dieskaustraße 

Die Frischzellenkur, auf die der Adler noch wartet, hat die Dieskaustraße bereits bekommen. Die Rundgang-Teilnehmer:innen würdigen die überwiegend gelungene Neugestaltung mit intakten Gehwegen, neuen Radwegen, sicheren Querungen und Tempo 30. 

Spielstraße Altranstädter Straße

Menschen stehen in einer als Spielstraße ausgewiesenen Straße. Im Vordergrund fährt ein Auto durch den Bereich, während Erwachsene und Kinder am Fahrbahnrand stehen.
Während des Rundgangs drängelte sich ein Auto durch die Spielstraße Altranstädter Straße. Anwohner:innen fordern wirksame Maßnahmen gegen Durchgangsverkehr und Geschwindigkeitsüberschreitungen.

Das kleine Stück der Altranstädter Straße in Richtung Dieskaustraße wurde vor längerer Zeit als Spielstraße umgestaltet. Anwohner:innen berichten, dass hier viele Autofahrer:innen rücksichtslos durchbrettern und durch die Spielstraße abkürzen. Ein Kind wurde hier schon umgefahren. Auch während des Rundgangs waren brenzlige Situationen zu beobachten.  

Die Anwohner:innen fordern zumindest Bodenschwellen, die baulich die angeordnete Schrittgeschwindigkeit unterstützen und klare Markierungen. Das allein wird sicherlich nicht ausreichend sein. Der Kfz-Durchgangsverkehr muss aus der Spielstraße herausgehalten werden, z.B. mittels Poller.  

Das Ergebnis
Das Mobilitätsamt sagte zu, die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit in der Spielstraße zu prüfen.  

Tempo 30 für Altranstädter Straße und Windorfer Straße 

Auf dem Straßenzug im Osten von Kleinzschocher ist sehr viel Autoverkehr mitten durch das Wohngebiet unterwegs. Hier wird oft gerast. Ein Anwohner berichtet, dass im Bereich der Kurve zur Altranstädter Straße sogar mehrfach in Häuser hineingerast wurde. Ein unhaltbarer Zustand. Die Anwohner:innen fordern seit langem schon Tempo 30. 

Fotomontage aus einer Straßenansicht mit Kfz-Verkehr und einer Gruppe von Menschen bei einem Stadtteilrundgang. Eine Person spricht mit Mikrofon zu den Teilnehmenden.
Anwohner:innen berichteten von hohem Verkehrsaufkommen und gefährlichen Situationen auf der Windorfer und Altranstädter Straße.

Auf dem Rundgang war zu erfahren, dass die Straßenverkehrsbehörde für die Windorfer Straße bereits Tempo 30 angeordnet hat. Die beauftragte Baufirma kommt wohl aber mit dem Schilderaufstellen nicht hinterher. Für die Altranstädter Straße wird die Anordnung weiter geprüft.  

Das Ergebnis:
Mobilitätsamtsleiter Michael Jana sagte zu nachzuhaken, damit die Tempo 30 Schilder bald auf dem gesamten Straßenzug entlang der Windorfer- und Altranstädter Straße  stehen.

Fazit: Tolles Format, das wir Ökolöwen fortsetzen werden! 

Der Rundgang mit dem Oberbürgermeister und rund 80 Teilnehmenden durch Plagwitz und Kleinzschocher war sehr erfolgreich. Es gab eine sehr konstruktive Diskussion auf Augenhöhe.  Anwohner:innen konnten auf wichtige Probleme vor Ort hinweisen und so konkrete Verbesserungen für uns Fußgänger:innen erreichen.  

Wir Ökolöwen wollen deshalb gemeinsam mit dem  Fuss e.V. im kommenden Jahr einen weiteren Rundgang mit Leipzigs Oberbürgermeister:in organisieren. Ob das klappt, wird vom Ausgang der Oberbürgermeisterwahl im Frühjahr 2027 abhängen.  

Auf dem letzten Rundgang seiner Amtsperiode dankten wir Ökolöwen Oberbürgermeister Jung für seinen persönlichen Einsatz für den Fußverkehr in Leipzig und überreichten einen goldenen Zebrastreifen für das gemeinsam Erreichte.

Zwei Personen stehen während des Rundgangs in einem Parkbereich. Eine Person hält ein gerahmtes Geschenk, während die andere mit einem Mikrofon spricht. Im Hintergrund stehen weitere Teilnehmende.
V. l. n. r.: OBM Burkhard Jung und Ökolöwen-Geschäftsführer Tino Supplies bei der Übergabe des symbolischen goldenen Zebrastreifens.

Vergangene Rundgänge mit dem Oberbürgermeister zum Thema Fußverkehr in Leipzig 

Wir Ökolöwen haben bereits einige Rundgänge mit dem Oberbürgermeister auf den Weg gebracht und konnten damit viele große und kleine Verbesserungen für Fußgänger:innen in Leipzig anstoßen. Lies hier die Berichte zu den Rundgängen:  

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