Stadt plant Neubau der Georg–Schwarz-Brücken

Stadt plant Neubau der Georg–Schwarz-Brücken

Stadt plant riesiges Autokreuz auf der Georg-Schwarz-Straße: Die Georg-Schwarz-Brücken im Leipziger Westen über die Bahnanlagen zwischen Leutzsch und Böhlitz-Ehrenberg müssen durch einen Neubau ersetzt werden. Die Pläne sind haarsträubend.

Auszug aus dem Gestaltungsplan zum Neubau der Georg-Schwarz-Brücken
Auszug aus dem Gestaltungsplan zum überdimensionierten Neubau der Georg-Schwarz-Brücken. Gelb umrahmt sind die Gebäude, die für die massive Straßenverbreiterung abgerissen werden sollen.

Autofixierte Planungsvariante aus den 1990er Jahren

Die Stadtverwaltung hat aktuell eine Ratsvorlage mit einer alten Vorzugsvariante ins Verfahren gebracht, der der Stadtrat nun zustimmen soll. Wer jetzt allerdings glaubt, die Verwaltung würde einfach die alten Brücken auf der Georg-Schwarz-Straße erneuern, und dabei die Abbiege- sowie Umsteigebeziehungen zur S-Bahn verbessern, hat sich getäuscht. Das Verkehrs- und Tiefbauamt hat eine alte, autofixierte Planungsvariante aus den 1990er Jahren hervorgegraben und will diese nun bauen. Kostenpunkt laut Verkehrsamt 50 Millionen Euro. Wie bei solchen Projekten üblich, muss man wohl eher von 60 bis 70 Millionen Euro ausgehen.

300 Bäume werden gefällt

Das monströse und überteuerte Kreuzungsbauwerk hat mit seinen unzähligen Kfz-Spuren und separierten Auffahrten eher die Anmutung eines Autobahnkreuzes mitten in der Stadt. Die Breite der bisherigen Brücken soll dafür nahezu verdoppelt werden. Im Umfeld der Baumaßnahme will die Stadtverwaltung über 300 Bäume fällen. Mehrere Gebäude sollen abgerissen werden. Es soll direkt in das FFH-Gebiet im Leipziger Auwald eingegriffen werden. Gleiches gilt für Grundstücke an der Villa Hasenholz. Der Ökolöwe hat in einer Stellungnahme bereits im Jahr 2014 darauf hingewiesen, dass sich die Stadtverwaltung sehenden Auges in Konflikt mit dem Bundesnaturschutzgesetz begibt. Leider hält die Verwaltung dennoch an der Planvariante aus den 1990er Jahren fest.

Will das Verkehrsamt die Auwald-Autobahn vorbereiten?

Begründet wird der unverhältnismäßige Ausbau mit überzogenen Verkehrsprognosezahlen. Die städtischen Planer gehen davon aus, dass sie auf Höhe des Auensees eine neue Autoschneise durch den Leipziger Auwald schlagen werden. Diese soll weiterführend mitten durch das Wohngebiet an der Georg-Schumann-Straße führen, wo dann Hauseigentümer enteignet werden müssen. Das Projekt nennt sich „Mittlerer Ring Nordwest“. Dieser Ausbau mitten durch das FFH-Gebiet wird nach Ansicht der Verkehrsplaner der Stadt, so viel neuen Autoverkehr anziehen, dass die monströse Straßenkreuzung auf den Georg-Schwarz-Brücken notwendig wird.

Überzogene Prognosezahlen sollen Legitimation schaffen

So schafft man sich mit überzogenem Straßenausbau selbst den zusätzlichen Verkehr, den das Prognosemodell vorher errechnet hat. Gleichzeitig legitimiert die Stadtverwaltung die nächste millionenteure Ausbaustufe der neuen Autoverkehrsschneise durch den nördlichen Leipziger Auwald. Am Ritterschlößchen sind heute ca. 15.200 Kfz/24h im Verlauf dieser Trasse vorhanden, für 2025 prognostiziert das Verkehrsamt die Belastung auf ca. 16.400 Kfz pro Tag, wenn man auf den Bau des Mittleren Rings durch den Auwald verzichtet. Wenn die Verwaltung jedoch ihr Vorhaben verwirklicht und eine neue Autoschneise durch den Auwald schlägt, werden es laut der Ratsvorlage 22.900 Kfz/24h sein. Doch selbst diese Prognosezahl rechtfertigt den übertriebenen, autofixierten Kreuzungsausbau nicht. Um die 23.000 Kfz am Tag werden bereits heute an vielen normal dimensionierten Straßenkreuzungen in Leipzig tagtäglich abgewickelt, die eigentlich angezeigten 16.400 Autos sowieso. Auf dem Schleußiger Weg reden wir von rund 40.000, auf der Antonienstraße von rund 35.000 Autos.

Millionenschwere Pläne auf vernünftiges und machbares Maß stutzen!

Der Oberbürgermeister hat den Slogan geprägt „Leipzig wächst nachhaltig“. An diesen Straßenbauplänen auf der Georg-Schwarz-Straße ist nichts nachhaltig. Die Pläne müssen vom Stadtrat gestoppt und auf ein vernünftiges und machbares Maß gestutzt werden, fordert der Ökolöwe. Ein konstruktiver Alternativ-Vorschlag wurde seitens des ADFC Leipzig vorgelegt, der durch den Ökolöwen unterstützt wird.

+++ UPDATE +++

Der Stadtbezirksbeirat Alt-West hat einstimmig eine "wichtige Angelegenheit" beschlossen, mit dem Ziel eine echte Bürgerbeteiligung mit Variantendiskussion, dem Beschluss einer Vorzugsvariante seitens des Stadtrates vorzuschalten. Die Fraktion Bündnis90/Die Grünen hat daraufhin einen Absetzungsantrag in der vergangenen Ratsversammlung gestellt, um dem Anliegen des Stadtbezirksbeirat gerecht zu werden. Der Stadtrat hat mehrheitlich gegen den Absetzungsantrag votiert. Der Stadtrat hat daraufhin die Vorlage mit der überdimensionierten Verwaltungs-Variante der Georg-Schwarz-Brücken in der Ratsversammlung, gegen die Stimmen von Bündnis90/Die Grünen, beschlossen. Auch ein Änderungsantrag der Fraktion DIE LINKE für bessere Bürgereinbindung im weiteren Verfahren wurde abgelehnt. Das bedeutet, dass im weiteren Prozess nur noch kleinere Änderungen im Rahmen der beschlossenen Vorzugsvariante möglich sind. 

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