Winterschlafplatz gesucht: Wie Du Igeln jetzt hilfst

Winterschlafplatz gesucht: Tipps für einen igelfreundlichen Garten oder Hinterhof

Auf einer Tour durch den Stadtgarten Connewitz zeigen wir Dir, wo sich „unsere“ Igel einen Unterschlupf suchen und wo sie etwas Geeignetes zu fressen finden.

 

 

Tipp 1: Sorge für Durchgänge zu Nachbargärten und Grünanlagen

Mindestens eine Faust hoch Platz: Hier können Igel bequem unter dem Zaun durchschlüpfen.

Igel durchstreifen große Areale, wenn sie auf Nahrungssuche sind. Dichte Zäune, die bis auf den Boden reichen, halten sie auf. Bleibt die Schlupfloch-Suche erfolglos, versuchen sie die „Hindernisse“ zu überwinden. Die Gefahr, sich dabei zu verletzen oder stecken zu bleiben, ist groß. Abhilfe schaffen mindestens fausthohe Durchgänge, die den Igeln alle paar Meter einen Durchschlupf ermöglichen. Diese sollten am besten in ruhige, straßenabgewandte Bereiche führen. Im Stadtgarten Connewitz verzichten wir in Bodennähe (bis 10 Zentimeter) sogar komplett auf Zäune - das hilft Igeln und anderen Kleintieren dabei, ihren Lebensraum zu erweitern. 

Auch Treppen sollten ins Visier genommen und auf ihre Igelfreundlichkeit geprüft werden: Sind sie höher als eine gespreizte Erwachsenenhand, können Igel sie nicht aus eigener Kraft überwinden. Liegt die Treppe auf einer potentiellen Wegstrecke der Stachelpelze, kann ein Ziegelstein ihnen beim Überwinden der Höhe helfen.

 

Tipp 2: Schaffe Tagesverstecke und Winterschlaf-Plätze für Igel

Gesunde Igel sind in den frostfreien Monaten in der Dämmerung und nachts aktiv. Tagsüber fühlen sie sich gut geschützt in Hecken, Ast- und Laubhaufen, unter Holzstapeln und in anderen regengeschützten Unterschlüpfen sicher.  

Igel-Burg im Stadtgarten Connewitz

Am wohlsten fühlen sich Igel in einem gemischten Haufen aus Ästen und Laub - auf mindestens 2x2 Meter Grundfläche. Hier können sie sich ganzjährig optimal verstecken und kommen gut durch den Winterschlaf. Besonders komfortabel wird die Igel-Burg, wenn mittig, auf dem Grund des Haufens, ein wettergeschützter Hohlraum aus Holzscheiten, Ziegelsteinen oder dicken Ästen gebaut wird. Das kleine Schlafquartier sollte etwa 30 x 30 x 30 Zentimeter groß sein und wird mit einem Dach aus Brettern oder dicken Ästen komplettiert. Äste und Laub werden anschließend großzügig drumherum geschichtet. Die weitere Inneneinrichtung übernimmt der Igel selbst. Er kleidet den entstandenen Hohlraum nach seinen Bedürfnissen mit viel wärmendem Laub aus. 

 Die Igel-Burg sollte in einem regengeschützten, schattigen Bereich des Gartens angelegt werden. Ansonsten kann es passieren, dass die ersten Frühlingssonnenstrahlen den Igel irritieren und zu früh aus dem Winterschlaf wecken. Hunde, Kinder oder aufräumwütige Erwachsene sind vom Igel-Haufen fernzuhalten - wenigstens bis der Frühling den Winter anhaltend ablöst.  

Zwischen Holzscheiten finden viele Tiere Zuflucht.

In Gärten und Höfen, wo Holzscheite zum Anfeuern des Ofens oder Kamins gestapelt werden, ist oft tierisch viel los. In den Ritzen sind Insekten, Spinnentiere aber auch Eidechsen zu finden. In größeren Hohlräumen halten Fledermäuse und Igel gern Winterschlaf. Natürlich ist das kein Grund im Winter aufs Heizen zu verzichten. Wer die Holzscheite behutsam aus dem Stapel nimmt und die Tiere gegebenenfalls wieder zudeckt, richtet keinen Schaden an.  

Hier ein Brett abgeschraubt, da eine Palette und ein paar Ziegel zwischengelagert: im Stadtgarten Connewitz lehnen immer wieder Materialen an der Seitenwand unserer Gartenlaube. Es ist erstaunlich, wie gern Igel diese zufällig entstandenen „Neubau“-Hohlräume als Versteck, Nistquartier oder Überwinterungsplatz nutzen. Wenn sie ausreichend Laub im Garten finden, sorgen die Igel auch in diesen Unterschlüpfen selbst für Schutz und Wohnkomfort. Wir Gärtner:innen haben lediglich geprüft, ob die Bretter oder Paletten einen so festen Stand haben, dass sie nicht verrutschen und die Igel verletzen können. 

Tipp 3: Füttere Deine Gemüsebeete und Deine tierischen Gartengäste mit Kompost

In unserem Komposthaufen wurden Ende August 5 Igelbabys geboren.

Im September stand das Umsetzen der Komposthaufen im Stadtgarten-Kalender. Grabegabel für Grabegabel wanderte das halbverrottete Gartenmaterial von einer Kompostkammer in die nächste. Dann der Schreck: Eine Igelmutter hatte ganz unten im Komposthaufen Junge bekommen. Zum Glück blieben die Mutter und die Baby-Igel unverletzt. Wir haben schnell eine schützende Schicht Grünschnitt über die kleine Igelfamilie gelegt. Unsere Lehre aus diesem Ereignis: Einerseits werden wir die Frequenz beim Kompostieren wieder deutlich erhöhen und ihn alle drei bis vier Wochen vorsichtig umsetzen. Dadurch wird er nicht nur schneller reif. Ein weiterer Vorteil ist, dass Tiere, wie die Ringelnatter, Mäuse oder Igel ihn dann als zu unsicher einschätzen und nicht als Nistplatz wählen.

Speziell für unsere tierischen Mitbewohner werden wir weitere Komposthaufen im Stadtgarten etablieren, die wir nur einmal im Jahr bewegen oder gänzlich in Ruhe lassen. Insekten, Spinnentiere, Larven, Würmer - im Komposthaufen leben viele Tiere, die bei Igel & Co auf der Speisekarte stehen. Durch das Kompostieren werden also nicht nur die Gemüsebeete gefüttert, sondern auch eine Vielzahl gern gesehener stacheliger, felliger und gefiederter Gartengäste.

Tipp 4: Minimiere die Gefahren für Igel in Deinem Garten oder Hinterhof

Häufige Gefahrenquellen für Igel

Müll

Scherben, Dosen, Becher, Chipstüten oder offene Müllbeutel sind eine Gefahr für Igel. Sie können sich daran schneiden, darin verheddern oder stecken bleiben. Im Stadtgarten sind es vor allem nächtliche Besucher:innen, die mit ihren Hinterlassenschaften die Gartentiere gefährden. Der Müll wird täglich eingesammelt und entsorgt. In Parks und Grünanlagen liegt der Unrat oft länger herum. Hier gilt es, aktiv zu werden! Schnapp Dir eine Mülltüte und mache den nächsten Ausflug durch Dein Viertel zu einem Clean-up-Spaziergang.

Netze

Laub- und Vogelschutznetze, die schlaff über dem Boden hängen, stellen eine große Gefahr für Igel dar. Sie können sich darin verletzen oder in den Maschen hängen bleiben und verenden, wenn sie nicht befreit werden. Netze sollten immer straff gespannt und 20 Zentimeter über dem Boden angebracht werden.

Mähroboter, Motorsensen & Laubbläser

Unzählige Igel werden durch Rasenroboter verstümmelt oder getötet. Die kleinen Stachelpelze schlummern tagsüber im Gestrüpp oder unter Büschen und werden von den – zum Teil automatisch fahrenden - Geräten im Garten überrascht.

Bevor Wiesen oder Gestrüpp gesenst werden, sollten die Flächen abgegangen und nach versteckten Tieren geschaut werden. Generell sollte nur partiell gesenst werden, damit Insekten und andere Bewohner:innen auf dem verbliebenen Teilstück weiterhin einen geeigneten Lebensraum und Nahrung zur Verfügung haben.  

Laubbläser haben im Garten oder Hinterhof keine Berechtigung. Laub ist ein wertvoller Lebensraum für viele Kleintiere. Igel nutzen es für die Innenausstattung ihrer Winterschlaf-Behausung. Besonders kritisch sind die Laubsauger. Sie schreddern und häckseln das aufgenommene Laub – mit diesem auch die aufgesaugten Tiere. Wir Ökolöwen sagen: Laubbläser gehören verboten!

Zu Gunsten der Tiere und um klimaschonend zu gärtnern, nutzen wir im Stadtgarten Connewitz keine elektrisch betriebenen Gartengeräte. Statt Rasen, der alle zwei Wochen gemäht und im Sommer regelmäßig gewässert werden möchte, gibt es bei uns insekten- und igelfreundliche Wiesenflächen, die wir im Juni und September manuell und nur partiell sensen. Laub wird nur von den Hauptwegen und Wiesen geharkt. Überall sonst dient es als wertvoller Winterschutz für unsere Pflanzen und als Futter für zahlreiche Bodenlebewesen.

 

Feuerstellen

Osterfeuer sind bereits vielen Igeln zum Verhängnis geworden. Dort, wo Holz über längere Zeit geschichtet wurde, kann ein Igel unbemerkt Unterschlupf gesucht haben. Besser ist es, die Feuerstelle erst direkt vor dem Anzünden mit Holz zu bestücken. Alternativ ist es wichtig, Haufen, die länger ruhten, vor dem Anzünden auf tierische Bewohner zu überprüfen.

Steile Teichufer & Pools

Die Uferbereiche unseres Naturteichs im Stadtgarten Connewitz sind sanft geneigt, damit Igel und andere Tiere, die ins Wasser geraten, wieder sicher hinausgelangen können. Ebenerdige Pools oder andere Wasserstellen mit steilen Kanten können über Nacht abgedeckt oder mit einem Ausstiegsbrett bestückt werden, damit sie nicht zu einer Igel-Todesfalle werden.

Kellerfenster, Lichtschächte

Überall da, wo Igel oder andere Gartentiere hineinfallen könnten, sollte vorsorglich ein Gitter oder ein ähnlicher Schutz angebracht werden.

Lebensmittel- und Getränkereste

Igel schnabulieren gern, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Umgekippte Alkoholflaschen haben schon für den einen oder anderen Tierarzt-Einsatz gesorgt, bei denen torkelnde oder kollabierende Stachelpelze gerettet werden mussten. Einfache Lösung: austrinken, aufessen und Reste wegräumen.

Tipp 5: Schaffe viele naturnahe Strukturen und wähle heimische Blühpflanzen und Gehölze

In einem strukturreichen Naturgarten finden Igel Nahrung und Rückzugsorte.

Vielfältige, reich strukturierte Grünflächen sind für Menschen und Tiere gleichermaßen wichtig. Deshalb fordern wir Ökolöwen "Mehr Grün für Leipzig!" . Mehr als 22.000 Leipziger:innen unterstützen unseren Appell bereits. Bist Du schon dabei?

Für Stachelpelze sind vor allem Gehölze wichtig. Heimischen Sträucher, zu einer dichten Hecke gepflanzt, sind ideale Igel-Lebensräume. Sie können dort tagsüber unterschlüpfen und geschützt in den Winterschlaf gehen. Gleichzeitig locken die Sträucher zahlreiche Insekten an, von denen sich Igel ernähren.

Sträucher, die für Tiere besonders nützlich sind: Unsere Top 5 im Stadtgarten Connewitz

Europäisches Pfaffenhütchen

Der pflegeleichte, 3-4 Meter hoch wachsende Strauch, wird im Herbst zum Star der Hecke. Das Laub des Pfaffenhütchens leuchtet dann in warmen Gelb-, Orange- und Rottönen, seine Früchte in sattem Pink. Viele Insekten besuchen die nektarreichen Blüten des Pfaffenhütchens, das damit auch dem Igel hilft, Nahrung zu finden. 24 Singvogelarten, darunter das Rotkehlchen, der Kleiber und Meisen, fressen die für uns Menschen giftigen Früchte des Pfaffenhütchens sehr gern.

Schwarzer Holunder

Ein wenig anspruchsvoller Strauch, der in keinem igel-, insekten- und vogelfreundlichen Garten fehlen darf, ist der Schwarze Holunder. Der Pollen seiner Blüten lockt Fliegen und Käfer an. Einige Wildbienenarten nutzen die markhaltigen Stängel des Holunders zum Nisten. Die schwarzen Früchte sind bei Vögeln sehr beliebt. Im dichten Laub des Holunderstrauchs bauen Meisen, Amseln und Co gern ihre Nester.

Faulbaum

Im Frühsommer locken die unscheinbaren, aber nektarreichen Blüten des Faulbaums zahlreiche Wildbienen, Käfer und Schmetterlinge an. Gleichzeitig ist der Faulbaum eine wichtige Raupenfutterpflanze für viele Schmetterlingsarten, wie den Zitronenfalter oder den Faulbaumbläuling. Die Beeren des Faulbaums dienen vielen Vogelarten als Herbst- und Winternahrung. Der kompakte Strauch wird im Halbschatten 2-4 Meter hoch.

Felsenbirne

Die Felsenbirne macht an sonnigen bis halbschattigen Plätzen im Garten oder auf dem Hinterhof eine gute Figur. Der dichtkronige Strauch wird 2-5 Meter groß und fällt im Frühjahr durch seine zart weißen, von vielen Insekten umschwirrten Blüten auf. Der Strauch dient mehreren Schmetterlingsarten als Raupenfutterpflanze. Im Sommer bildet die Felsenbirne kleine lila-blau gefärbte leckere Früchte aus. Wer kosten möchte, muss schnell sein: die Felsenbirnen stehen auch bei vielen Singvögeln auf dem Speiseplan.

Kornelkirsche

Schon im März und April kurbeln die leuchtend gelben Blüten der heimischen Kornelkirsche die Frühlingsgefühle an. Anders als die ähnlich blühende, aber sterile Forsythie bietet die Kornelkirsche zeitig fliegenden Insekten reichlich Nektar und Pollen. Im Spätsommer werden die leuchtend roten, essbaren Früchte des Hartriegelgewächses, die doppelt so viel Vitamin C wie Zitronen enthalten, reif. Ein paar Kornelkirschen sollten für hungrige Singvögel am Strauch hängen bleiben. Kernbeißer, Eichelhäher und Dompfaff fressen die Früchte nämlich ebenfalls gern. 

Tipp 6: Gärtnere giftfrei

Mit Brennnesseljauche und Kompost versorgen wir unser Gemüse mit Nährstoffen.

Im Stadtgarten Connewitz verzichten wir konsequent auf Kunstdünger und chemische Pflanzenschutzmittel. Wir möchten den Boden, das Grundwasser, unsere Gesundheit und die der Gartentiere schützen. Es ist wenig erforscht, wie sich Unkrautvernichtungsmittel oder Insektizide kurz- und langfristig auf die Gesamtheit der Gartenlebewesen auswirken. Sicher ist, dass viele nützliche Gartentiere, wie der Igel, durch die Anwendung von Gartengiften krank werden oder ihre Lebens- und Nahrungsgrundlage verlieren.

In unserem Handout “giftfrei gärtnern” kannst Du nachlesen, wie giftfreies gärtnern das ökologische Gleichgewicht und damit die Pflanzengesundheit und Artenvielfalt in Deinem Garten stärkt. 

Tipp 7: Unterstütze Igel kompetent, wenn sie wirklich Hilfe brauchen

Nicht jeder Igel, der im Herbst auch tagsüber unterwegs ist, braucht Hilfe.

Nur kranke, verletzte oder geschwächte Igel dürfen laut Bundesnaturschutzgesetz der Natur entnommen und in fachkundiger menschlicher Obhut gesund gepflegt werden. Keine Sorge: Im Herbst lassen sich Igel auch mal tagsüber blicken. Um sich für den anstehenden Winterschlaf schnell noch ausreichend Winterspeck anzufressen, sind sie hin und wieder auch vor Einbruch der Dämmerung aktiv. Anfang November sollten Igel mindestens 500 Gramm auf die Waage bringen, damit sie eine Chance haben, den Winter selbstständig zu überleben.  

Gehe folgendermaßen vor, wenn Du auf einen hilfsbedürftigen Igel triffst:

Parasiten entfernen

Befreie den Igel gegebenenfalls von Fliegeneiern und Maden. 

Das Tier in einer Box oder einem Karton sicher unterbringen

Setze das hilfsbedürftige Tier vorsichtig in eine mit Zeitung ausgelegte Box oder in einen Karton.

Rückzugsmöglichkeit/ Gemütlichkeit schaffen

Lege ein Handtuch-Nest oder Zeitungsknödel zum Einkuscheln mit in die Box.

Eine handwarme Wärmflasche bereitstellen

Wärme den Bauch oder die Unterseite des Igels mit einer handwarmen Wärmflasche. NIEMALS wärmer!

Artgerechtes Futter & Trinken anbieten

Erst, wenn der Bauch warm ist, kannst du frisches Wasser, getreide- und zuckerfreies Katzennassfutter mit hohem Fleischanteil oder ungewürztes, hart gekochtes Ei anbieten. Milchprodukte, Obst und Gemüse sind bei der Igelfütterung tabu.

Fachkundige Hilfe suchen

Melde Dich umgehend bei spezialisierten Anlaufstellen. Zum Beispiel: Igelfreunde Leipzig und Umgebung e.V., Pro Igel e.V. oder dem Igel-Notnetz e.V. Die Kontaktdaten findest Du im Internet. Alle genannten Vereine sind auch via Facebook ansprechbar.

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