600.000 Euro weniger: Leipzigs Umweltarbeit in Gefahr

600.000 Euro weniger: Leipzigs Umweltarbeit in Gefahr

Im Entwurf für den Leipziger Doppelhaushalt 2027/2028 fehlen rund 600.000 Euro für Natur-, Umwelt- und Klimaschutzprojekte. Dabei reicht die Förderung schon heute nicht aus. Gemeinnützige Vereine können diese Lücke nicht dauerhaft auffangen. Der Stadtrat muss die Mittel wieder einplanen.

Collage mit verschiedenen Szenen von Umweltschutzprojekten in Leipzig, darunter Menschen bei einer Demonstration mit Schild 'LEIPZIG FÜRS KLIMA', eine Rednerin auf einer Bühne, ein Markt mit gelben Zelten, eine Gruppe bei einer Pflanzaktion, eine Person m
Fotos: Ökolöwe e.V.

Die Umweltbibliothek zeigt, wohin Unterfinanzierung führt

Seit knapp 40 Jahren ist die Umweltbibliothek Leipzig eine feste Adresse für Umweltbildung in unserer Stadt. Mehr als 7.000 Medien rund um Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit stehen dort zur kostenfreien Ausleihe bereit. Das Angebot vermittelt Wissen, ermöglicht Teilhabe und macht Umweltbildung für alle Leipziger:innen zugänglich.

Doch seit 2020 erhält die Umweltbibliothek nur noch die Hälfte der früheren Förderung. Sechs Jahre lang haben wir Ökolöwen das Angebot mit deutlich weniger Personal und finanziellen Mitteln im Notbetrieb aufrechterhalten. Wir haben reduziert, umorganisiert und eigene Mittel eingesetzt. Nun sind unsere Möglichkeiten ausgeschöpft: Ende 2026 müssen wir die Umweltbibliothek schließen.

Die Umweltbibliothek zeigt damit ganz konkret, wohin jahrelange Unterfinanzierung führt. Zunächst werden Öffnungszeiten reduziert und Angebote eingeschränkt. Notwendige Weiterentwicklungen bleiben aus. Beschäftigte müssen immer mehr Aufgaben mit immer weniger Zeit bewältigen. Am Ende verschwindet eine über Jahrzehnte aufgebaute und in der Stadtgesellschaft fest verankerte Struktur.

Mehr zur bevorstehenden Schließung der Umweltbibliothek

Auch andere Umweltprojekte sind bereits unterfinanziert

Dreiteilige Collage mit Menschen bei umweltfreundlichen Aktivitäten: Gruppe auf Lastenfahrrad, Person pflanzt Pflanze, Familie bei Straßenfest mit Banner Ökofete
Fotos: Ökolöwe e.V.

Die Umweltbibliothek ist kein Einzelfall. Auch für Projekte wie die Ökofete, das STADTRADELN Leipzig und Leipzig blüht auf werden regelmäßig weniger Fördermittel bewilligt, als für eine vollständige Umsetzung erforderlich wären. Der Grund: Das verfügbare Budget des Amtes für Umweltschutz reicht bereits heute nicht aus, um alle wichtigen Projekte angemessen zu finanzieren.

Gleichzeitig steigen Personal-, Sach-, Miet-, Energie- und Veranstaltungskosten. Eine Förderung, die über Jahre gleichbleibt oder gekürzt wird, bedeutet deshalb real einen immer größeren Verlust an Handlungsmöglichkeiten. Projekte müssen verkleinert, Angebote gestrichen oder zusätzliche Finanzierungsquellen gefunden werden.

Spenden, Mitgliedsbeiträge und Sponsoring sind für unsere Arbeit unverzichtbar. Sie können eine verlässliche öffentliche Förderung aber nicht ersetzen. Gerade umfangreiche und für die gesamte Stadt wirksame Projekte lassen sich nicht dauerhaft auf der Grundlage kurzfristiger Spendenaufrufe organisieren.

Die Finanzierung von Natur-, Umwelt- und Klimaschutzprojekten ist damit schon heute zu knapp. Die im Haushaltsentwurf vorgesehenen Kürzungen würden diese Situation weiter verschärfen.

Gemeinnützige Vereine schaffen gesellschaftlichen Mehrwert

Hinter den geförderten Projekten stehen gemeinnützige Vereine, Initiativen und engagierte Menschen. Sie organisieren Umweltbildung, schaffen Begegnungs- und Beteiligungsangebote, bringen Menschen zusammen und ermöglichen konkretes Engagement für die eigene Stadt.

Gemeinnützige Vereine erreichen Menschen häufig unmittelbar in ihrem Alltag. Sie aktivieren Ehrenamtliche, vermitteln Wissen, bringen unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen zusammen und eröffnen Möglichkeiten, selbst tätig zu werden. Damit stärken sie nicht nur den Umwelt- und Naturschutz, sondern auch den sozialen Zusammenhalt und die demokratische Beteiligung in Leipzig.

Viele öffentliche Projekte wären ohne dieses bürgerschaftliche Engagement kaum oder nur mit erheblich höheren Kosten umsetzbar. Denn öffentliche Fördermittel finanzieren bei gemeinnützigen Vereinen nicht nur einzelne Veranstaltungen oder Aktionen. Sie ermöglichen Strukturen, mit denen Fachwissen, ehrenamtliches Engagement und weitere finanzielle Mittel für Leipzig mobilisiert werden.

Wer gemeinnützige Arbeit fördert, finanziert deshalb nicht nur eine Leistung. Er ermöglicht gesellschaftliches Engagement und vervielfacht dessen Wirkung.

Projektförderung bedeutet häufig dauerhafte Unsicherheit

Gemeinnützige Vereine arbeiten jedoch unter schwierigen strukturellen Bedingungen. Fördermittel werden meist projektbezogen und befristet vergeben. Gleichzeitig müssen Vereine ihre Arbeit langfristig planen, qualifizierte Beschäftigte halten, Räume finanzieren, Förderanträge stellen, Mittel abrechnen und zahlreiche rechtliche sowie organisatorische Anforderungen erfüllen.

Auch zwischen zwei Förderzeiträumen laufen viele Kosten weiter. Personalverträge, Mieten, Versicherungen, IT, Buchhaltung und Verwaltung lassen sich nicht für einige Wochen oder Monate aussetzen. Dennoch werden solche notwendigen Grundkosten in Projektförderungen häufig nur teilweise berücksichtigt.

Förderanträge und Abrechnungen binden zudem erhebliche Arbeitszeit. Wird weniger Geld bewilligt als beantragt, verringert sich der organisatorische Aufwand nicht automatisch. Im Gegenteil: Dann müssen Finanzierungspläne neu aufgestellt, Leistungen reduziert und zusätzliche Spenden oder Sponsor:innen gesucht werden.

Diese permanente Unsicherheit erschwert es, qualifiziertes Personal zu halten und verlässliche Angebote aufzubauen. Sie verhindert Weiterentwicklung und Innovation. Und sie beansprucht genau die Zeit und Kraft, die eigentlich für die Arbeit mit den Menschen und für die inhaltliche Umsetzung der Projekte gebraucht wird.

Ehrenamt kann fehlende Finanzierung nicht ersetzen

Drei nebeneinander angeordnete Fotos zeigen eine Person mit weißem Ordner-Armband und Warnweste, eine Person im Löwenkostüm mit einem Schild und eine lächelnde Frau auf einem Lastenfahrrad mit grünem Aufdruck.
Fotos: Ökolöwe e.V.

Gemeinnützige Vereine leben vom Ehrenamt. Auch beim Ökolöwen bringen sich zahlreiche Menschen mit Zeit, Wissen und Ideen für Leipzig ein. Dieses Engagement ist unbezahlbar. Es braucht jedoch verlässliche hauptamtliche Strukturen, die Ehrenamtliche gewinnen, begleiten und unterstützen, Veranstaltungen organisieren, Genehmigungen einholen und Verantwortung übernehmen.

Ehrenamt ist deshalb kein Ersatz für Fachpersonal und eine auskömmliche Finanzierung. Wer freiwilliges Engagement stärken möchte, muss die Strukturen finanzieren, die dieses Engagement ermöglichen.

Werden hauptamtliche Kapazitäten gekürzt, geht deshalb nicht nur bezahlte Arbeitszeit verloren. Zugleich können weniger Ehrenamtliche begleitet, weniger Kooperationen aufgebaut und weniger Angebote umgesetzt werden. Die gesellschaftliche Wirkung der Kürzung fällt damit deutlich größer aus als der unmittelbar eingesparte Betrag.

Hinter 600.000 Euro stehen konkrete Angebote

600.000 Euro sind keine abstrakte Zahl im Haushaltsplan. Dahinter stehen konkrete Projekte, Veranstaltungen, Bildungsangebote und über Jahre aufgebaute Strukturen. Sie machen Leipzig grüner, klimaresilienter und lebenswerter. Sie bringen Menschen ins Handeln und tragen dazu bei, kommunale Umwelt- und Klimaschutzziele praktisch umzusetzen.

Kürzungen treffen dabei besonders jene Vereine, die bereits seit Jahren mit knappen Mitteln arbeiten. Vielerorts gibt es keine Reserven mehr. Weitere Einsparungen lassen sich nicht einfach durch effizienteres Arbeiten auffangen. Wenn die Förderung sinkt, müssen Öffnungszeiten reduziert, Angebote verkleinert, Stellen abgebaut oder Projekte ganz beendet werden.

Ist eine Struktur erst einmal verloren, lässt sie sich später nicht ohne Weiteres wiederherstellen. Fachwissen, Netzwerke, Vertrauen, hauptamtliche Erfahrung und ehrenamtliches Engagement entstehen über Jahre. Ihr Verlust wirkt weit über einen einzelnen Doppelhaushalt hinaus.

Leipzig braucht starke und verlässliche Umweltarbeit

Grüner Park mit Fahrradweg, Wildblumenwiese, Bus und modernen Gebäuden im Hintergrund in Leipzig
Visualisierung: Ökolöwe e.V.

Hitze, Trockenheit, Starkregen und der Verlust der biologischen Vielfalt machen nicht vor den Stadtgrenzen halt. Leipzig muss sich an die Folgen der Klimakrise anpassen, seine natürlichen Lebensgrundlagen schützen und den Menschen Möglichkeiten geben, sich aktiv an dieser Aufgabe zu beteiligen.

Dafür braucht es engagierte Menschen, starke gemeinnützige Vereine und verlässliche Strukturen. Kurzfristige Projektförderung am finanziellen Minimum reicht dafür nicht aus.

Wir Ökolöwen fordern den Leipziger Stadtrat deshalb auf:

Planen Sie die fehlenden 600.000 Euro für Natur-, Umwelt- und Klimaschutzprojekte im Doppelhaushalt 2027/2028 wieder ein. Sorgen Sie dafür, dass erfolgreiche Projekte nicht weiter eingeschränkt werden oder ganz verschwinden. Leipzig darf bei der Zukunftsvorsorge nicht sparen.

Die Stadträt:innen haben es jetzt in der Hand. Sie können verhindern, dass über Jahrzehnte aufgebaute Angebote verloren gehen. Natur-, Umwelt- und Klimaschutz brauchen keine kurzfristigen Rettungsaktionen, sondern eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung.

Zurück