Wassertourismus in Leipzig – Die Natur zahlt den Preis
Wassertourismus in Leipzig - Die Natur zahlt den Preis
Leipzig lockt mit seiner einzigartigen Wasserlandschaft – von den historischen Flussläufen der Weißen Elster, Pleiße und Parthe bis zu den gefluteten Tagebauseen des Neuseenlands. Doch der boomende Wassertourismus mit Bootsverkehr, Wassersport und Massenandrang gefährdet zunehmend sensible Ökosysteme.
Leipzig liegt an den Zusammenflüssen von Weißer Elster, Pleiße und Parthe. Diese Fließgewässer prägen seit Jahrhunderten das Stadtbild und schufen ein weit verzweigtes Gewässersystem, das unsere Stadt besonders macht.
Menschen nutzen die Gewässer seit jeher. Die Fließgewässer und die umliegenden Seen des Leipziger Neuseenlands spielen heute eine zentrale Rolle für den Wassertourismus.
Die Fließgewässer Leipzigs laden zu Bootstouren, Stand-up-Paddling, Kanufahrten und Uferspaziergängen ein. Besucher:innen können Leipzig aus einer ungewöhnlichen Perspektive erleben.
Die Tagebaurestlöcher südlich der Stadt wurden in den vergangenen Jahrzehnten geflutet. Heute bilden sie eine abwechslungsreiche Seenlandschaft. Diese Seen bieten ideale Bedingungen für Segeln, Surfen, Tauchen und Baden. Gleichzeitig entstanden Rad- und Wanderwege, Strände, Marinas und Freizeitangebote. Das Neuseenland wurde zu einem bedeutenden Erholungs- und Urlaubsgebiet für Leipzig und die Region.
Die touristische Entwicklung bringt wirtschaftliche Vorteile und sorgt für ein vielfältiges Freizeitangebot. Sie belastet aber die Natur spürbar. Besonders die Flüsse im Stadtgebiet, die durch den Auwald führen, reagieren empfindlich auf den steigenden Boots- und Besucherbetrieb.
Motorboote, auch die mit Elektromotoren, hohe Besucherzahlen und intensive Ufernutzung schaden Brut- und Rückzugsgebieten von Vögeln. Sie zerstören Lebensräume sensibler Tierarten wie Biber oder Eisvogel. Trittschäden und Müll verschlechtern die Wasserqualität und die Ufervegetation. Auch die Seen im Neuseenland leiden zunehmend unter Lärm und einer stärkeren Belastung der Uferzonen.
Naturschutz und touristische Nutzung geraten in Konflikt. Wirtschaftliche Interessen verlangen nach weiterer Erschließung der Wasserlandschaft - etwa durch neue Verbindungen zwischen den Seen oder zusätzliche Marinas. So sieht es das sich in Fortschreibung befindliche Wassertouristische Nutzungskonzept der Stadt Leipzig vor.
Der Leipziger Stadthafen – Tor zum Neuseenland
Ausgangspunkt der wassertouristischen Nutzung der Leipziger Fließgewässer und der Tagebaufolgeseen soll der am 05. Juni 2026 eröffnete Stadthafen sein.
Was insgesamt geplant ist, wird auf den ersten Blick deutlich: Das “Tor zum Neuseenland” soll er sein. 20 Millionen Euro hat sein Bau gekostet. Zahlreiche weitere wasserbauliche Vorhaben sind geplant, zum Beispiel:
- Neu- und Umbau von Gewässerabschnitten
- Brücken
- Schleusen
- Boots-Pässe
- Umtrage-Einrichtungen
- Einsatzstellen
- Steganlagen
- und Häfen.
Ganz zu schweigen von der Vertiefung der Flussläufe, um eine permanente Wasserführung und Befahrbarkeit auch für Motorboote und Fahrgastschiffe zu gewährleisten. Und das alles auch in den Schutzgebieten des Auwalds - Denn da muss man durch, wenn man vom Zentrum ins Neuseenland will.
Wie dabei die so dringend notwendige Revitalisierung des Leipziger Auensystems Beachtung finden soll, ist fraglich. Untersuchungen und Prognosen zu den Auswirkungen der geplanten Gewässernutzung auf den Naturraum sollen zwar gemacht worden sein, wurden den anerkannten Naturschutzverbänden aber noch nicht vorgelegt.
Trotzdem feiert man mit der Eröffnung des Stadthafens die Grundsteinlegung für die wassertouristischen Pläne - und setzt damit im schlimmsten Fall den Grabstein für den Leipziger Auwald. Denn weiter ausgebaute Flüsse schließen eine Fließgewässerdynamik mit den notwendigen periodischen Überschwemmungen aus. Der Auwald wird bald kein Auwald mehr sein.
Das Neuseenland ist das Ziel
Der auch für motorenbetriebene Boote passierbare Anschluss des Fließgewässersystem der Stadt Leipzig an das Neuseenland und der Seen untereinander fehlt allerdings noch. Möglichen Schiffspassagen wie die Markkleeberger Wasserschlange und der Harthkanal werden seit Jahrzehnten geplant und wieder verworfen. Zum Glück konnten wir erreichen, dass der Floßgraben als Verbindung zum Cospudener See nur noch von Kanus und Kajaks befahren werden darf.
Trotzdem steht die Nutzung der Seen südlich von Leipzig auch ohne Anschluss an das Leipziger Fließgewässersystem ganz oben auf der Liste der Tourismusbranche. Die Seen des Neuseenlands ziehen in den Sommermonaten große Besuchermengen an.
Viele davon galten ursprünglich als ruhige Erholungsorte. Sie entwickelten sich zu stark genutzten Freizeitarealen. Dadurch geht mancherorts der ursprüngliche Landschaftscharakter verloren. Die negative Entwicklung setzt sich fort. Die Belastungsgrenze ist fast erreicht.
Naturverträgliche Naherholung JA – Unbegrenzter Motorboot-Tourismus NEIN
Motorboote mit Verbrennungsmotor durften die Seen viele Jahre nur mit Genehmigung befahren. Kürzlich gab die Sächsische Landesdirektion den Großteil des Cospudener Sees per Allgemeinverfügung unbegrenzt für die Schifffahrt frei. Wir Ökolöwen wehren uns bisher erfolgreich mit den verfügbaren Rechtsmitteln dagegen.
Nun will die Landesdirektion Sachsen auch den Markkleeberger und den Störmthaler See für Motorboote freigeben. Wir haben im laufenden Anhörungsverfahren ablehnende Stellungnahmen eingereicht und warnen vor den Folgen für Natur und Erholung.
Stellungnahmen des Ökolöwe e.V.
Der Markkleeberger See ist ein wichtiges Rast- und Überwinterungsgebiet für Vögel. 15 der erfassten Brutvogelarten sind streng geschützt und reagieren empfindlich auf Lärm und Bewegung.
Der Störmthaler See ist ein junges Bergbaufolgegewässer, dessen chemisches Gleichgewicht noch instabil ist. Schadstoffeinträge aus Motorbootverkehr können hier zu unvorhersehbaren Folgen führen.
Die von der Landesdirektion herangezogenen naturschutzfachlichen Gutachten schließen negative Auswirkungen des unregulierten Motorbootverkehrs auf geschützte Arten und die Gewässerqualität der beiden Seen nicht zweifelsfrei aus. Ein Dschungel aus Regelungen und Verordnungen soll dies im Nachhinein richten. Ob diese eingehalten und kontrolliert werden können, ist fraglich.
Der Nutzungsdruck auf die Gewässer im Leipziger Neuseenland ist bereits erheblich. An nahezu allen Seen wurden touristische Großprojekte umgesetzt oder befinden sich in Planung. „Ein weiterer Ausbau für Motorboote gefährdet die ökologische Entwicklung der Seen und verschärft die Konflikte mit naturverträglicher Naherholung", warnt Bozena Nawka, umweltpolitische Sprecherin des Ökolöwen. „Solange Risiken für geschützte Arten und die Gewässerökologie nicht ausgeschlossen werden können, darf es keine Freigabe geben."
Langfristig unterstützen.
Auseinandersetzungen wie diese dauern lange und sind arbeitsintensiv. Gut aufgestellt, können wir Ökolöwen uns sogar auf Landesebene behaupten – als Anwalt der Natur.
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