Mehr Grün für Leipzig - Positionspapier

Mehr Grün für Leipzig - Positionspapier

Stadtgrün ist unverzichtbar für ein nachhaltiges Leben in Leipzig. Der Ökolöwe und über 13.000 BürgerInnen fordern mit dem Appell 'Mehr Grün für Leipzig' den Stadtrat und die Stadtverwaltung auf, Leipzigs Grün zu schützen.

gestapelte gefällte Bäume in einem Leipziger Hinterhof

Gegenwärtig gerät jede grüne Fläche in den Fokus für Bauvorhaben! Grün muss immer öfter vor allem Neubauten und PKW-Stellplätzen weichen. Bäume und Sträucher werden gerodet, weil sie nicht geschützt sind und Artenschutz kaum berücksichtigt und umgesetzt wird. So verschwinden Brachen, Grünflächen, Bäume, Sträucher und Hecken täglich direkt vor unseren Türen. Neue Straßen sollen sogar durch unsere Parks und den zu schützenden Auwald gebaut werden! Für 23 Prozent der Bevölkerung Leipzigs ist bereits seit 2015 keine Grünfläche im Umfeld von 250 m zum Wohnort zu erreichen (INSEK 2017a). Seitdem sind wieder zahlreiche Grünflächen verschwunden. Der NABU Leipzig (2018) zeigt einen Grünflächenverlust von über 50 Hektar allein für das Jahr 2016 auf.

Baumfällungen auf einer Freifläche
Baumfällungen auf einer Freifläche

Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (INSEK 2017a) der Stadt Leipzig trägt den Leitsatz „Leipzig wächst nachhaltig“. Dieses soll im Mai 2018 beschlossen werden. Jede Menge Widersprüche werden in diesem Konzept zusammengefasst: so z.B. die Verbesserung des Wohnumfeldes auf der einen Seite und der Straßenneu- und Ausbau auf der anderen (auch durch die Parks). Es kommt auf eine gezielte Stadtentwicklungsplanung an, die alle Möglichkeiten ausreizt, um das Wachstum tatsächlich nachhaltig zu gestalten.

Nachhaltigkeit bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die grüne Infrastruktur auf die gleiche Ebene mit anderen Infrastrukturen wie Verkehr oder Wohnungsbau gestellt wird, erhalten bleibt und entwickelt wird.

Warum passiert nichts, obwohl die Probleme diskutiert, Lösungen bekannt und Alternativen möglich sind? Stadtgrün muss als ein wichtiges Element der Raumentwicklung verstanden werden und nicht nur als Beiwerk der Stadtplanung. Die grüne Infrastruktur ist ein Teil der kommunalen Grundversorgung. Es ist höchste Zeit, nicht nur Probleme zu analysieren. Es ist höchste Zeit, die bereits entwickelten Maßnahmen für den Erhalt und Schutz von Grün in die Tat umzusetzen.

Mehr Grün für Leipzig - Wie?

Straße mit alten Bäumen
Straßenbäume in der Holbeinstraße

Das Straßenbaumkonzept muss endlich beschlossen werden. 1.000 zusätzliche Neupflanzungen pro Jahr sind die Zielvorgabe des Luftreinhalteplans. Die Stadt muss dafür zügig das Straßenbaumkonzept beschließen und die Vorgabe endlich umsetzen.

Die Stadt muss sich von alten Straßenausbauplänen lösen. So bleiben unsere Parks erhalten und der einzigartige Auwald wird geschützt.

Ein Masterplan Grün muss zügig aufgestellt, beschlossen und umgesetzt werden. Dafür braucht es eine intensive Bürgermitwirkung, da Stadtgrün nicht nur einen ökologischen und klimatischen Wert hat, sondern auch eine hohe soziale Bedeutung. Umso länger Pläne geschmiedet werden, desto mehr Grün verschwindet aus unserem Leipzig.

 

innerstädtische Grünfläche zur Naherholung
Der Alexis-Schumann-Platz besitzt einen hohen sozialen Wert.

Leipzig braucht ein strategisches Liegenschaftsmanagement. Die Stadt muss gezielt wertvolle Freiflächen kaufen und schützen. Diese dürfen nicht der Bebauung zum Opfer fallen. Durch ein sinnvolles „Grünkaufprogramm“ können v.a. in unterversorgten Stadtquartieren Grünflächen erhalten und ausgebaut werden.

Leipzig braucht ein Grünflächenmanagement, mit dem Stadtgrün geschützt wird. Auf Quartiersebene soll künftig beschlossen werden, welche Funktion eine Grünfläche übernimmt. Für Stadtteile mit wenig Grün muss die grüne Infrastruktur ausgebaut werden.

Wir fordern eine bevorzugte Bebauung bzw. Sanierung von bereits versiegelten Flächen, bevor Grünflächen für Neubauten in Anspruch genommen werden.

 

vorbildhaftes Beispiel für Fassaden- und Dachbegrünung
Vorbildhaftes Beispiel für Fassaden- und Dachbegrünung

Multifunktionale Bauweisen wirken dem Flächenschwund entgegen und werden der grünen Infrastruktur gerecht. Hier muss eine wohnumfeldnahe Durchgrünung integriert sein.

Fassaden- und/oder Dachbegrünung sind ein festgeschriebener Teil der Bebauung und müssen kontrolliert werden.

Die Stadt muss Vorbild sein! Möglichst alle städtischen Gebäude müssen begrünt sein.

Biologische Vielfalt gehört auch in den innerstädtischen Bereich. Ein ausgefeiltes Brachflächen- sowie strategisches Kompensationsmanagement muss dahin entwickelt werden, mehr ökologische Trittsteine in Leipzigs Quartieren zu realisieren.

 

2 Radfahrer fahren entlang des Elsterbeckens
Grünraumvernetzung heißt Fortbewegung abseits des motorisierten Verkehrs.

Der Freiraumverbund muss gefördert und dort, wo es notwendig ist, räumlich erweitert werden. Grünraumvernetzung heißt Fortbewegung abseits des motorisierten Verkehrs. Erholsame Fortbewegung, sportliche Aktivitätsachsen und grüne Alltagsrouten sind in einem schnell wachsenden Leipzig unabdingar. Daher ist es notwendig, dass die Lücken im Freiraumsystem geschlossen werden.

Je mehr grün eine Stadt hat, desto mehr ökologische Trittsteine hat sie. Durch Grünraumvernetzung wird ein Biotopverbundsystem geschaffen. So werden kleinräumige, teilisolierte Lebensräume miteinander verbunden. Erst dann kann der Austausch der Arten und der genetischen Vielfalt auch mit dem Umland stattfinden.

Der Ausbau der Grünraumvernetzung bewirkt ein gesundes Stadtklima. Das vernetzte Zusammenspiel von Parks, Gärten, Wiesen, Wäldern und Begleitgrün wirkt positiv auf die bioklimatische und lufthygienische Situation. Durch eine gezielte Vernetzung von Luftleitbahnen wird die grüne Lunge Auwald gestärkt. Die stadtgliedernden grünen Ringe und Achsen müssen deshalb weiterentwickelt und ergänzt werden.

Hier können Sie das gesamte Positionspapier herunterladen

Positionspapier - Mehr Grün für Leipzig (2,2 MiB)

Wir und schon über 13.000 BürgerInnen fordern mit dem Appell 'Mehr Grün für Leipzig' den Stadtrat und die Stadtverwaltung auf, Leipzigs Grün zu schützen. Hier geht's zum Appell.

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