Internationaler Tag der Artenvielfalt

Internationaler Tag der Artenvielfalt

Der 22. Mai ist der internationale Tag zur Erhaltung der Artenvielfalt! Zeit, daran zu erinnern, dass jede Kommune aber auch jedeR Einzelne mit einfachen Maßnahmen einen Beitrag gegen das drastische Insektensterben und für ein artenreiches Leipzig leisten kann.

Blühende Wildblumen

Weltweit gelten fast zwei Drittel aller Ökosysteme und zahlreiche Pflanzen- und Tierarten als gefährdet. In Deutschland sind bereits über 70 Prozent der Lebensräume bedroht. Aus diesem Kontext heraus wurde vom Bundesamt für Naturschutz und der Deutschen Umwelthilfe das Bündnis "Kommune für biologische Vielfalt" gegründet. Mittlerweile haben die Stadt Leipzig und 282 Kommunen (Stand Oktober 2017) diese Deklaration unterschrieben und verpflichten sich, konkrete Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt zu ergreifen.

Eine Hummel nähert sich einer Akeleienblüte.
Hummel an Akeleienblüte

Leipzig muss auch in der Praxis "Kommune für biologische Vielfalt" sein!

Schon im §1 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) ist die Bedeutung und Schutzwürdigkeit von Natur und Landschaft in besiedelten sowie unbesiedelten Bereichen festgeschrieben. So muss auch in der Stadt Artenschutz aktiv betrieben werden. Da sich aufgrund monokultureller Landwirtschaft biologische Vielfalt immer mehr auf urbane Räume fokussiert, muss dem Artenschutz dort eine bedeutende Rolle beigemessen werden.

Ein erster Schritt ist getan: Eine wichtige Rolle zum Erhalt der Artenvielfalt spielen innerstädtische Grünflächen. Deshalb haben wir Ökolöwen die Forderungen nach neuen Pflegegrundsätzen für städtische Grünflächen sowie die Erstellung eines Maßnamenkatalogs zum Schutz von Insekten in die Politik eingebracht. Beide Forderungen wurden im April 2018 einstimmig vom Stadtrat beschlossen und sollen mit Hilfe der Umweltverbände ausgearbeitet werden.

Pflegekonzept Clara-Zetkin-Park der Stadt Leipzig
Pflegekonzept Clara-Zetkin-Park der Stadt Leipzig

Liegewiese oder Artenschutz? Beides!

Seit April 2018 arbeiten wir Ökolöwen zusammen mit anderen Verbänden und dem Amt für Stadtgrün und Gewässer an dem Pflegekonzept für den Clara-Zetkin- und Johannapark. Wir werden uns dafür einsetzen, dass trotz des erhöhten Nutzungsdrucks durch Naherholung der Artenschutz auch hier Anwendung findet. Eine Grünfläche kann mehrere Funktionen erfüllen: Sie kann zugleich Liegewiese und essentielle Nahrungsquelle sowie Lebensraum für Insekten sein. Geschafft werden kann dies über Blühkorridore oder extensiv gepflegte Randbereiche z. B. entlang von Gehölzen.

Insektenfreundliche Pflege der Grünflächen sollte aber nicht erst mit Erstellung umfangreicher Pflegekonzepte und des Maßnahmenkatalogs stattfinden. Die Stadt Leipzig muss vorbildhaft partiell auf ihren Flächen anfangen, auf eine insektenfreundliche Grünflächenpflege umzustellen.

Blumenwiese
Blumenwiese

Wie funktioniert insektenfreundliche Pflege?

Ganz einfach! Stehen lassen. Das gilt für Kommunen und jedeN einzelneN GärtnerIn. Denn Insekten brauchen mehr Wiesen statt Rasen. Durch extensive Pflege, Anlegen von Säumen und Blühkorridoren können innerstädtische Grünanlagen sowie Kleingärten zu naturnahen Insektenweiden werden. Aber nicht nur die Reduzierung der Mahd fördert die biologische Vielfalt in der Stadt, auch partielles Mähen. So bleiben in ungemähten Bereichen Nahrungsquelle und Lebensräume für Insekten bestehen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Mähzeit. Sie sollte nicht in der Hauptflugzeit der bestäubenden Insekten liegen. Wenn gemäht werden muss, dann in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden.

Auf die richtige Pflanzenwahl kommt es an! Heimische Pflanzen sind essentiell für Insekten, da sie aneinander angepasst sind. So ist bereits mit dem Pflanzen bzw. Säen von Wildblumen statt Zierpflanzen viel getan. Denn letztere bieten aufgrund ihrer Züchtung oft keine Nahrung. Auch das strikte Entfernen von Disteln, Nesseln und Giersch sollte überdacht werden, da sie eine wichtige ökologische Bedeutung für Insekten haben.

Diese Maßnahmen sind einfach und sehr effektiv. JedeR kann so einen großen Beitrag gegen das Insektensterben leisten!

Infos zum Insektensterben

Krefelder Studie

WissenschaftlerInnen haben über einen Zeitraum von 27 Jahren an 63 Standorten innerhalb von Schutzgebieten in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz die Biomasse von Fluginsekten bestimmt. Es wurde ein Rückgang von mehr als 75 Prozent der Fluginsekten festgestellt. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, ist das Verschwinden weiterer Arten sehr wahrscheinlich. Viele Insektenarten in Deutschland sind bereits jetzt auf der Roten Liste als ‚gefährdet‘ oder ‚vom Aussterben bedroht‘ eingestuft.

Monokulturen im ländlichen Raum

Insekten wie Schwebfliegen, Wild- und Honigbienen, Käfer und Schmetterlinge bestäuben einen Großteil unserer Nahrungspflanzen. Zum Überleben brauchen sie aber ein ausreichendes und vor allem zeitlich und räumlich gut verteiltes Nahrungs- und Lebensraumangebot. Durch Monokulturen auf den Äckern und das Fehlen von blumenreichen Ackerrandstreifen und Wildblumenwiesen fällt es vielen Insekten schwer, in ländlichen Regionen ausreichend Nahrung zu finden. Hinzu kommt, dass sie nur ein gewisses Einzugsgebiet besitzen, in dem sie Nahrung sammeln.

Einsatz von Pestiziden

Nicht nur das fehlende Nahrungsangebot ist ein Problem. Des Weiteren ist der Einsatz von Pestiziden ein gravierendes Problem. Es wirkt sich nicht nur negativ auf Schädlinge, sondern auch auf Nützlinge aus. Im April 2018 wurde zwar von der EU-Kommission der Einsatz der besonders bienenschädlichen Neonikotinoide auf Äckern verboten. Jedoch ist diese Gruppe an Pestiziden nicht die einzige Giftquelle auf Äckern.

Zurück