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Ökolöwe - Umweltbund Leipzig e.V.
16.03.2017 (aktualisiert am 16.03.2017)

Hof Mahlitzsch

„Uns ist wichtig, dass unsere Produkte für uns vertretbar angebaut und produziert sind. Qualität und Geschmack müssen stimmen und für Mensch und Tier darf kein Nachteil entstehen.“"

Biologisch-dynamische Landwirtschaft mit hofeigener Bäckerei, Molkerei und Ökokiste.

Besonderheiten:

Unsere Produkte werden für uns vertretbar angebaut und produziert. Qualität und Geschmack müssen stimmen und für Mensch und Tier darf kein Nachteil entstehen.

Meine Motivation:

Wir müssen gute Rahmenbedingungen schaffen, dass weiterhin gute ökologische Betriebe entstehen können. Die bäuerliche Landwirtschaft muss erhalten werden, Massenproduktion zerstört die Kulturlandschaft

Warum ist das Konzept der ökologischen Landwirtschaft für Sie so wichtig?

Für mich war das Konzept der ökologischen Landwirtschaft schon immer eine Form von Gesellschaftskritik, ich hab mich also nach dem Studium gefragt „Was will ich eigentlich werden“ und da hat mir demeter viele Antworten gegeben. Die Produktion und der Umgang mit Lebensmitteln war mir wichtig, ich war politisch aktiv, habe mich mit der Welternährung und dem Hunger in der Welt auseinandergesetzt. Klar war: wir müssen unser Konsumverhalten verändern, damit viele Menschen in fernen Ländern ihre Produkte behalten können.

Wie ist die Hofgemeinschaft auf dem Hof Mahlitzsch entstanden?

Wir sechs haben uns im Wendejahr 1989 auf einem demeter-Betrieb bei einem Vertiefungskurs kennengelernt. Wir haben schnell festgestellt, dass wir ähnliche Vorstellungen haben und uns auf die Suche nach einem geeigneten Ort gemacht. Wir haben den ganzen Osten abgeklappert, Staatsdomänen angeguckt, wir waren ja drei Familien, deshalb durfte es auch etwas größer sein. Zu der Zeit haben sich im Osten gerade viele biologische Anbauverbände gegründet und ein Freund von mir hatte dann letztendlich den Kontakt nach Heynitz. Bis 1945 wurde der Betrieb schonmal nach demeter-Richtlinien bewirtschaftet, die Familie musste aber damals flüchten. In der Umgebung gab es eine starke Bewegung, Dresden war anthroposophische Hochburg, wir haben dann ein paar Aushänge zur Betriebsgründung gemacht und innerhalb kürzester Zeit 3000 Zuschriften bekommen. Das war unser Startsignal, wir wussten: das Umfeld ist da. Im Dezember 1992 haben wir dann die Pachtzusage für die Flächen bekommen und kurz darauf auch eine leere Hofstelle in Mahlitzsch gefunden. Da gab es damals keinen Stall, kein Wasser, nur nen Brunnen, keine Stromversorgung, wir mussten quasi nach und nach alles selbst machen. Die Maschinen haben wir dann aus dem Westen gekauft, haben tagelang landwirtschaftliche Blätter durchforstet und die dann mit dem Tieflader nach Mahlitzsch gebracht, hier im Osten gab es ja nur die alten, riesigen LPG-Maschinen. Und so fing alles an, da lebten wir dann mit sechs Erwachsenen und Kindern erstmal noch in ner Baustelle.

Was ist das Schwierigste an Ihrem Beruf?

Die Verwaltung und Bürokratie, man muss immer mehr dokumentieren. Das statistische Landesamt fordert immer mehr Statistiken z.B. über monatliche Flächen, Erträge, Umsatz usw., das macht wirklich keinen Spaß und ist anstrengend. Was ist das Schönste? Das Schönste ist die abwechslungsreiche Arbeit. Man arbeitet körperlich, baut, repariert, beschäftigt sich mit Technik und Tieren, ist an der frischen Luft oder im Büro. Die Vielfältigkeit ist toll. Man muss sich seine Arbeit aber auch einteilen können, das ist manchmal nicht ganz einfach. Man muss selbst überlegen, was jetzt das sinnvollste ist, das ist manchmal auch ne Leistung.

Welches Feedback bekommen Sie von Ihren KundInnen?

Wir haben einen sehr guten Ruf, machen viele Führungen und zeigen den Leuten wie wir arbeiten. Öffentlichkeitsarbeit ist uns sehr wichtig. Schwierig ist da allerdings manchmal der Spagat zwischen Idealismus und Wirtschaftlichkeit. Manchmal muss man hinterfragen, ob man Entscheidungen aus rein wirtschaftlichen Gründen treffen sollte…und da ist dann auch mal die Gewinnrate geringer, dafür aber der Idealismus zufrieden. Als Beispiel: jeden Morgen um 9 Uhr treffen sich alle Mitarbeiter zum Arbeitskreis. Das sind dann 30 Leute und das dauert ca. 10 Minuten. Wir besprechen was am Tag so läuft, was wichtig ist. Die Infos sind vielleicht nicht für jeden relevant, wir finden es aber trotzdem gut und richtig, dass jeder Mitarbeiter weiß, was auf dem Hof passiert. De facto bedeutet das jeden Tag 30 mal 10 Minuten, also 300 Arbeitsminuten Arbeitsausfall. Da muss man sich fragen, wie effizient das ist. Aber das ist uns eben wichtig. Was ist Ihnen bei Ihren Produkten wichtig? Dass sie für uns vertretbar angebaut und produziert sind. Qualität und Geschmack müssen stimmen und für Mensch und Tier darf kein Nachteil entstehen.

Haben Sie den Eindruck, dass die Menschen zunehmend bewusst leben und konsumieren wollen, also auch die Wege der Produkte transparent zurückverfolgen möchten?

Ich habe das Gefühl, dass die Menschen sich schon dafür interessieren woher ihre Produkte kommen, sich aber nicht mehr mit der Sache verbinden wollen, also weniger politisch sind, vor allem die jungen Leute. Transparenz und bio, ja – mitarbeiten, Teil von etwas sein – nein.

Vor dem Hintergrund, dass Bioware nun überall im Supermarkt zu kaufen ist: Haben es Biobäuerinnen und -bauern schwerer, ihre Erzeugnisse im Hofladen zu vermarkten?

Ja, schwieriger. Hauptroblem: EG-Bio hat eine Spaltung geschaffen, das hätte nicht zugelassen werden dürfen. Viele produzieren Bio aus rein wirtschaftlichen Gründen und stehen nicht mehr hinter der Sache, das ist dann oft das Bio, das im Supermarkt zu finden ist. Es gibt einen klaren Unterschied zwischen EU-Bio und Verbandsbio, den kennen nur leider viele nicht. Früher waren das alles Überzeugungstäter, jetzt ist das anders. Dennree zum Beispiel, der ist auch aus einer kleinen Sache entstanden und jetzt zum global player mit genormten Vorgaben geworden, sehr schade! Als Lösung muss man versuchen regionale Geschäftspartner zu suchen. Es bedarf einer horizontalen Verknüpfung zum Verbraucher, regionale Strukturen müssen gestärkt werden, Verbrauchergemeinschaften geschaffen, Mitgliederläden gegründet, das sehe ich als Möglichkeit.

Wo kann man Ihre Produkte kaufen? Ab Hof im Hofladen, Biokiste, Dresden (Eigentümergeführte Läden), Naturkost Erfurt als Regionalverteiler

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir für die Zukunft dass es gute Rahmenbedingungen dafür gibt dass gute ökologische Betriebe entstehen können. Die bäuerliche Landwirtschaft muss erhalten werden, Massenproduktion zerstört die Kulturlandschaft. Bei uns in der Gegend sterben viele Betriebe, hier heißt es: wachsen oder weichen. Die Nachfolger fehlen oft, wenn es Leute gibt, die weitermachen wollen dann häufig Selbstversorgerhof als Gärtner mit kleinen Strukturen, ein richtiger ursprünglicher Bauer werden wollen die wenigsten.


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