Masterplan für Freiladebahnhof Eutritzsch beschlossen

Masterplan für Freiladebahnhof Eutritzsch beschlossen

Im Leipziger Norden entsteht zwischen Chausseehaus und Berliner Straße auf 25 Hektar ein komplett neuer Stadtteil für 3.700 EinwohnerInnen. Wir Ökolöwen haben wichtige Punkte eingebracht.

Planungsansicht des neu entsehenden Stadtviertels auf dem Gelände des ehemaligen Eutritzscher Freiladebahnhof
Planungsansicht des neu entsehenden Stadtviertels auf dem Gelände des ehemaligen Eutritzscher Freiladebahnhof (Bild: OCTAGON Architekturkollektiv).

Der Planungsprozess für den neuen Stadtteil gliedert sich in drei Stufen: Städtebauwerkstatt, Masterplan- und Bebauungsplanverfahren. Zuvor wurde ein städtebaulicher Vertrag zwischen Stadt und Investor geschlossen, der z.B. die Entwicklung eines autoarmen Quartiers und einen hohen Grünanteil vorschreibt. In der Stadtratssitzung im März 2019 wurde nun der Masterplan beschlossen. Kurz zuvor hat der bisherige Investor das Gelände weiterverkauft. Der Beschluss des Stadtrats sieht daher vor, das Bebauungsplanverfahren erst dann zu eröffnen, wenn alle rechtlichen Fragen sowohl bezüglich der Eigentumsverhältnisse als auch bezüglich der Fragen des Artenschutzes geklärt sind.

Grüne Radverbindung 'Bahnbogen Gohlis' kommt!

Grafik für eine grüne Radverbindung entlang der S-Bahn-Gleise von Gohlis bis direkt an die Westseite des Haupbahnhofs
Grüne Radverbindung entlang der S-Bahn-Gleise von Gohlis bis direkt an die Westseite des Haupbahnhofs (Grafik: Ökolöwe)
Für die Erstellung des Masterplans wurde ein umfassender Bürgerbeteiligungprozess durchgeführt. Auch wir Ökolöwen sind in dem eigens gegründeten Nachbarschaftsforum als Umweltverband vertreten. Das Nachbarschaftsforum konnte frühzeitig Vorschläge in den Prozess einbringen und direkt in die Städtebauwerkstatt eingreifen.

Wir Ökolöwen haben zusammen mit dem Bürgerverein Gohlis den 'Bahnbogen Gohlis' in das Verfahren eingebracht. Abseits der vom Autoverkehr belasteten Straßen führt diese grüne Radverbindung entlang der S-Bahn-Gleise von Gohlis über den Freiladebahnhof Eutritzsch bis direkt an die Westseite des Haupbahnhofs und die Leipziger City (siehe Abbildung, gestrichelte Linie). Nachdem Stadtverwaltung und Investor unsere Initiative nur zögerlich aufnahmen, brachten die Fraktionen DIE LINKE, SPD und B90/DIE GRÜNEN einen gemeinsamen Antrag für die grüne, autofreie Radverbindung ein. In der Stadtratssitzung am 13. März wurde der Antrag in den Masterplan aufgenommen. Damit ist der klare Auftrag erteilt, einen eigenständigen Radweg vom Leipziger Norden bis ins Stadtzentrum zu bauen.

Folgende Punkte haben wir Ökolöwen darüber hinaus eingebracht:

  • Berücksichtigung von Flächen für Ausgleichsmaßnahmen vor Ort, extensive Bereiche in Grünflächen integrieren (noch unklar)
  • Abwechslung von privatem, teilprivatem und öffentlichem Grün, Fassadenbegrünung, Straßenbäume (aufgenommen)
  • fußgängerfreundliches Straßenraster, Querungsmöglichkeiten zu allen angrenzenden Nebenstraßen (aufgenommen)
  • Konsequente Nutzungsmischung im gesamten Viertel bereits auf Ebene einzelner Häuser (aufgenommen)
  • Max. 300 Meter Laufweg bis zur nächsten Haltestelle -> Schaffung neuer Tram-Haltestellen Linie 9 Roscherstraße, Delitzscher Str. Linie 16 (aufgenommen)
  • Freihaltung der Option für eine neue S-Bahn-Haltestelle direkt am neuen Stadtteil (nicht aufgenommen)
  • Freihaltung der Option für eine Fuß-/Radbrücke über die Bahngleise auf Höhe Dessauer Str. / Kletterhalle No-Limit (aufgenommen)
  • Autoarmes Quartier/ Quartiersgaragen am Rand des Viertels statt Tiefgaragen (nur teilweise aufgenommen)
  • Erhöhte Anzahl Radbügel / reduzierte Anzahl Stellplätze (aufgenommen)
  • Dezentrales Carsharing-Angebot (aufgenommen)

Im Masterplan geht es vorerst um die städtebauliche Grundidee, die Anordnung von Baufeldern und Grünflächen, die Berücksichtigung von Wegebeziehung – also den großen Rahmen. Die Stadt Leipzig hat bereits weitreichende ökologische Anforderungen für diesen Rahmen vorgegeben. Allerdings sind dem Investor in der Vergangenheit Verstöße gegen den Artenschutz auf dem Freiladebahnhof nachgewiesen worden. Nach Umweltinformationsgesetz sind die Behörden gesetzlich verpflichtet, die artenschutzrechtlichen Unterlagen zu dem Planvorhaben zugänglich zu machen. Die Frist zur Aushändigung haben die Behörden trotz Aufforderung verstreichen lassen. Aktuell finden Abrissarbeiten statt und uns Ökolöwen wird das Gutachten verwehrt. Diese Hinhaltung wirft Fragen auf. Wir begrüßen daher, dass der Stadtrat beschlossen hat, den Freiladebahnhof erst dann in das weitere Verfahren der Baugenehmigung zu geben, wenn auch diese Fragen geklärt sind.

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