Kritik an der Planung von Straßen durch Leipzigs Grünanlagen

Kritik an der Planung von Straßen durch Leipzigs Grünanlagen

Leipziger Parks und Grünanlagen sind wieder bedroht: Denn Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer fordern bis zum Jahr 2030 Teile eines sogenannten Mittleren Rings und eines Tangentenvierecks zu bauen.

Rotes Auto auf vierspuriger Straße
Mittlerer Ring Leipzig (Bild: ingbife, CC BY-SA 3.0)
Das Verkehrs- und Tiefbauamt will die Planungen für den Neubau von Straßen durch Leipziger Grünanlagen angehen, wenn Anfang nächsten Jahres neue Verkehrsprognosezahlen einen Anlass dafür geben. Das äußerte Amtsleiter Michael Jana in einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung. Vorausgegangen war die Forderung der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer bis zum Jahr 2030 Teile eines sogenannten Mittleren Rings und eines Tangentenvierecks zu bauen, die sensible Naturräume beeinträchtigen würden.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Diese alten Straßenbauvorhaben wurden bisher nicht weiterverfolgt und das völlig zu Recht. Sie widersprechen so ziemlich allen übergeordneten Planungszielen, die sich unter anderem aus der Leipzig Charta und dem integrierten Stadtentwicklungskonzept ableiten.

Diese Parks, Kleingartensiedlungen, Landschafts- und Naturschutzgebiete sind betroffen

Es geht dabei unter anderem um den Neubau einer Straße durch das streng geschützte Naturschutzgebiet im Nördlichen Auwald neben dem Auensee zwischen Gustav-Esche-Straße und Pittlerstraße. In der Auenseestraße in Wahren müssten zudem die Vorgärten der Mietshäuser weichen. Im Leipziger Nordosten wollen die Straßenbaubefürworter, ausgehend von der Essener Straße, das Landschaftsschutzgebiet der Partheaue durchschneiden sowie einen Teil einer Kleingartensiedlung opfern. Im Leipziger Südosten steht laut Jana, die Entscheidung für einen Straßenneubau auf einem naturbelassenen Grünzug neben der Bahnanlage zwischen Stötteritz und Paunsdorf an. Dabei soll u.a. der Stünzer Park durchschnitten, sowie der Güntzpark, der Wilhelm-Külz-Park, mehrere Kleingartenanlagen und Grundstücke von Mietshäusern u. a. in der Karl-Härting-Straße in Mitleidenschaft gezogen werden.

Verkehrsamt untergräbt Konzepte für mehr Grün in der wachsenden Stadt

Mit der Ankündigung wieder neue Straßen durch Leipziger Parks zu planen, macht das Verkehrsamt eine Rolle rückwärts und untergräbt die Arbeit jener, die die Grünversorgung in der wachsenden Stadt sichern und ausbauen wollen. Viele betroffene Menschen müssen nun wieder um ihre Grundstücke und ihre Lebensqualität fürchten. Das ist unverantwortlich.

Umweltverbund fördern statt immer neue Straßen bauen

Der Ökolöwe empfiehlt stattdessen, die Hausaufgaben endlich zu erledigen, die mit bestehenden Stadtratsbeschlüssen aufgetragen worden sind. Dazu gehört, den Anteil des öffentlichen Nahverkehrs sowie des Rad- und Fußverkehrs an den Wegen der Leipziger auf 70 Prozent zu steigern.

Für umweltfreundlichen Verkehr fehlt angeblich das Geld - Für Autoverkehr werden millionenschwere Neubau-Projekte angegangen

Das Verkehrs- und Tiefbauamt schiebt aus Geldmangel dringend notwendige Sanierungen bereits bestehender Straßen vor sich her. Magistralen, wie die Bornaische oder die Dieskaustraße bröseln weiter vor sich hin; von sanierungsbedürftigen Brücken ganz zu schweigen. Bei der Radverkehrsinfrastruktur reicht es meist nur für weiße Farbe. Der Zustand vieler Fußwege ist katastrophal. Im Nahverkehr ist kein Geld für stabile Ticketpreise vorhanden. Es werden Straßenbahnstrecken stillgelegt statt neu gebaut.

So lang das so ist, verbieten sich millionenschwere Straßenneubauten, die allein den Autoverkehr befördern von selbst. IHK, Verkehrsamt und so mancher Stadtrat sollten sich an dieser Stelle ehrlich machen.

Petition 'Mehr Grün für Leipzig' unterzeichnen

Für den Schutz des Auwalds und der Leipziger Parks als grüne Lungen Leipzigs hat der Ökolöwe eine Petition gestartet. Der Umweltbund ruft die Leipziger dazu auf, sich schützend vor ihre Parkanlagen zu stellen. Sie dürfen weder durch Straßenbau, noch durch andere Projekte zerstörtwerden. Über 8.800 Menschen tun dies bereits und haben den Appell "Mehr Grün für Leipzig" unterzeichnet.

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