Baupläne im Schutzgebiet am Auensee stoppen
Baupläne im Schutzgebiet am Auensee stoppen
Zwischen der Weißen Elster und dem Auensee will ein Immobilienunternehmen mehrstöckige Wohnhäuser im Schutzgebiet Auwald bauen. Lies hier, warum wir die Bebauung stoppen müssen.
Auf eine Brachfläche zwischen Auensee und Weißer Elster im Nordwesten von Leipzig will ein Immobilienunternehmen acht mehrstöckige Wohnhäuser mit Tiefgarage bauen. Die Fläche liegt im Landschaftsschutzgebiet und Vogelschutzgebiet "Leipziger Auwald”.
Insekten, Marder, Fischotter: Viele Arten können sich an Flüssen orientieren und im Schutz von Bäumen, Sträuchern und Krautfluren weite Strecken zurücklegen. So sind Flüsse und ihre begleitende Vegetation wichtige Wanderkorridore in der Landschaft.
Solche Wanderkorridore sind wichtig, denn Tiere und Pflanzen sind darauf angewiesen, dass Biotope vernetzt sind. Durch Wanderkorridore und Trittsteine können sie bei widrigen Bedingungen ausweichen und Artgenossen für die Fortpflanzung finden. Können sie das nicht mehr, sterben sie aus.
Für den Raum Leipzig ist der Auwald einer der bedeutendsten Korridore, der die Stadt von Süden nach Norden durchzieht. Der nördliche Auwald erstreckt sich entlang der Neuen Luppe, die als stark ausgebauter und begradigter Fluss die Auwaldbereiche rechtsseitig und linksseitig trennt.
Im Bereich des Bauvorhabens ist der Wanderkorridor rechtsseitig der Neuen Luppe (flussabwärts gesehen) besonders schmal. Zum einen befindet sich hier der Auensee, der für viele Arten eine Barriere darstellt. Zum anderen reicht der Stadtteil Wahren bis an die Weiße Elster, die den Korridor im Norden abgrenzt. Zwischen Auensee und Weißer Elster ist der Korridor kaum noch 100 Meter breit und soll nun durch die geplante Bebauung halbiert werden.
Bereits jetzt ist die Wanderung zwischen dem nördlichen und dem südlichen Auwald für gefährdete und scheue Tiere wie die Wildkatze kaum noch möglich. Die geplante Bebauung bildet dann eine weitere unüberwindbare Barriere für viele Arten. Und auch von den Menschen, die dort leben werden, gehen große Störungen für die scheuen Tieren aus. Den Durchgang zu finden und vom Menschen ungestört zu durchqueren, wird für die Tiere sehr schwer bis unmöglich.
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Aktuell ist die Fläche eine Brache, kann aber aufgewertet werden. -
Wir Ökolöwen stellen uns gegen die Planungen
Trotzdem will die Stadt an dieser Stelle eine Ausnahmegenehmigung fürs Bauen im Schutzgebiet erteilen. Wir Ökolöwen stellen uns dagegen und haben bereits im Frühling 2024 eine ablehnende Stellungnahme zum Bebauungsplan und zur Erteilung einer Ausnahmegenehmigung eingereicht.
Die Planungen widersprechen den naturschutzrechtlichen Bestimmungen und die durchgeführten artenschutzrechtlichen Untersuchungen sind nicht ausreichend. Aus unserer Sicht muss die Fläche weiterentwickelt und für den Biotopverbund aufgewertet werden!
Naturschutz vs. Naturschutz
Bis Ende 2026 soll eine finale Entscheidung über das umstrittene Bauvorhaben an der Rittergutsstraße fallen. Die ursprünglichen Pläne wurden zwar schon verkleinert – etwa durch weniger Etagen, eine geringere Flächeninanspruchnahme und eine kleinere Tiefgarage. Dennoch bleibt das Grundproblem bestehen: Hier soll mitten in einem Schutzgebiet und an einer Engstelle des Biotopverbunds gebaut werden.
Leider besteht aber ein weiteres Umweltproblem: Ein verseuchter Boden gefährdet den Auensee
Die Ursache für die schlechte Wasserqualität des Auensees liegt im Boden des ehemaligen Industriestandorts an der Rittergutsstraße. Durch einen Betrieb der Spezialchemie (ca. 1963 bis 1993) wurden Boden massiv mit Chemikalien verseucht.
Seit Jahrzehnten spült das Grundwasser diese Gifte direkt in den Auensee. Die Folge ist ein dramatisch schlechter Zustand des Gewässers, der regelmäßig zu ökologischen Katastrophen führt – wie zuletzt beim schweren Fischsterben im Oktober 2024. Obwohl bereits im Jahr 2013 für über 3 Millionen Euro eine vier Meter dicke Bodenschicht abgetragen wurde, reicht das bei weitem nicht aus. Für eine dauerhafte Sanierung sind mindestens weitere 3 Millionen Euro notwendig.
Das Dilemma: Grundsätzlich übernimmt der Freistaat Sachsen die Kosten für die Altlastensanierung auf Basis eines sogenannten Freistellungsbescheids. Diese Zusage ist jedoch an eine Bedingung geknüpft: Der Eigentümer muss auf dem Grundstück investieren.
Daraus ergibt sich eine verfahrene Patsituation:
- Wird die Bebauung genehmigt, wird die Altlast endlich saniert, aber gleichzeitig eine Fläche im Schutzgebiet an der Weißen Elster zubetoniert, die eigentlich renaturiert gehört.
- Wird der Bau abgelehnt, zieht sich der Investor voraussichtlich zurück – und es droht die Gefahr, dass die Altlastensanierung nie umgesetzt wird.
Aus Sorge, dass die Sanierung andernfalls ausbleibt, plant die Untere Naturschutzbehörde derzeit, dem Bauvorhaben aus „überwiegendem öffentlichen Interesse“ zuzustimmen
Die Position des Ökolöwe e. V.: Kein Deal auf Kosten der Natur!
Wir lehnen das Bauvorhaben in unserer erneuten Stellungnahme entschieden ab.
- Kein automatisches Baurecht: Das öffentliche Interesse liegt zweifellos in der Beseitigung der Gifte im Boden – daraus folgt jedoch keineswegs ein öffentliches Interesse an neuen Wohnhäusern in einem Schutzgebiet.
- Kein Ausspielen von Naturschutz gegen Naturschutz: Es darf nicht sein, dass die Sanierung einer jahrzehntealten Jugendsünde der Industrie von einer Neuversiegelung im Landschaftsschutzgebiet und im Europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000 abhängig gemacht wird.
- Öffentliche Hand in der Pflicht: Es ist die Aufgabe von Stadt und Freistaat, einen Finanzierungsweg zu finden, der beides sichert: Die vollständige Beseitigung der Altlasten UND den dauerhaften Schutz der Elsteraue vor weiterer Bebauung
Download Ökolöwen-Stellungnahme 2026
Rette mit uns Leipzigs Natur
Leipzig wächst immer weiter. Permanent bewilligt die Stadt Ausnahmegenehmigungen für Bauprojekte in Leipzigs Schutzgebieten. Stück für Stück wird die geschützte Natur so angegriffen und immer weiter verdrängt. Geht es so weiter, haben wir bald keine Natur mehr in der Stadt.
Darum fordern wir Ökolöwen ein absolutes Bauverbot in Leipzigs Schutzgebieten. Schließ’ Dich uns an und unterzeichne unseren Appell “Mehr Grün für Leipzig” an die Stadt.