Vögel füttern im Winter: nachhaltig und artgerecht

Vögel füttern im Winter: nachhaltig und artgerecht

Im Spätwinter und Vorfrühling wird die Nahrung für die überwinternden Vögel besonders knapp. Wir geben Dir praktische Tipps, wie Du unsere gefiederten Freunde artgerecht unterstützen kannst. Und Du erfährst, warum Füttern nur die zweitbeste Möglichkeit ist.

"Tixtixtix" und "Zizibäh" tönt es frühmorgens in Leipzig. Amsel und Kohlmeise starten geräuschvoll in die wieder länger werdenden Tage, um dann, sobald es hell wird, auf Nahrungssuche zu gehen. Die beiden Arten gehören zu den heimischen Vögeln, die zum Überwintern "Zuhause" in ihren Brutgebieten bleiben. Andere Vögel hingegen, wie Hausrotschwanz und Mauersegler, verlassen für die kalte Winterzeit unsere Stadt und ziehen in wärmere Gefilde. Das liegt nicht daran, dass die Vögel mit den niedrigen Außentemperaturen Probleme haben, sondern daran, dass ihre Nahrung in unseren Breitengraden im Winter einfach nicht zu finden ist. Insekten, Regenwürmer etc. fehlen oder lassen sich nur sehr schwer aus dem gefrorenen Boden hacken. Die bei uns bleibenden Singvögel sind keinesfalls alle Vegetarier (die meisten kennen den Anblick der Amsel, die sich den Regenwurm aus dem Boden zieht). Sie stellen ihren Speiseplan einfach um: im Sommer tierisch und im Winter dann überwiegend pflanzlich. So ist ihre Versorgung ganzjährig sichergestellt. Vorausgesetzt, sie finden genügend pflanzliche Nahrung. In den späten Wintermonaten bis ins frühe Frühjahr wird es nämlich knapp: die (zu wenigen) vogelfreundlichen Büsche und Sträucher sind leer gefressen und neue Früchte und Saaten noch in weiter Ferne.

Sollen wir Vögel im Winter füttern?

Hagebutten sind prima Vogelfutter
Die leuchtend roten Früchte der Hagebutte sind leckere Happen

Die Zahl der heimischen Vögel schrumpft Jahr für Jahr. Eine wichtige Ursache, neben dem fehlenden Lebensraum, ist das mangelhafte Nahrungsangebot. Immer mehr Menschen entscheiden sich für artenarme Schottergärten oder eine exotische Bepflanzung, wie den leider sehr beliebten, aber ökologisch gänzlich wertlosen Kirschlorbeer. Da ist der Gedanke naheliegend, die hungrigen Tiere mit gekauftem Futter zu versorgen. Richtig ist, dass damit kurzfristig geholfen werden kann. Um die Tiere langfristig zu unterstützen, sollten wir einen nachhaltigeren Ansatz verfolgen. Wir Ökolöwen vertreten daher die Auffassung: Die artgerechteste und nachhaltigste Art Vögeln Nahrung und einen Lebensraum anzubieten, ist ein strukturreicher, pestizidfreier Naturgarten oder Hinterhof mit vielen heimischen Wildpflanzen. Und wenn es nicht der Garten ist, dann gibt es vielfältige andere Möglichkeiten auch in der Stadt für ein größeres, natürliches Nahrungsangebot zu sorgen. Die Fütterung ist daher nur die zweitbeste Option. Für beide Möglichkeiten wollen wir hier Tipps und Ideen vorstellen.

Für Vögel pflanzen: Blumen und Gehölze für einen vogelfreundlichen Garten oder Hinterhof

Wilde Karde im Stadtgarten Connewitz
Abgeblühtes stehen lassen! Im Stadtgarten Connewitz werden die Samenstände der Wilden Karde oft vom Stieglitz besucht.

Blühpflanzen sind für die Vogelernährung gleich doppelt wichtig: Die Sämereien der abgeblühten Pflanzen sind wertvolles Winterfutter. Voraussetzung ist, dass die Samenstände bis zum Frühjahr stehen bleiben. Gleichzeitig locken die Wildblumen Insekten an. Im Sommer versorgen sie Wildbienen, Schmetterlinge & Co. mit Nektar und Pollen. Im Winter überwintern viele Insekten an den abgeblühten Pflanzenteilen. Für Insekten fressende Vögel gleichen Wildblumen daher das ganze Jahr über einem reich gedeckten Tisch. Generell sind heimische Pflanzen immer erste Wahl. Als Vogelfutter eignen sich aber auch die Samen zweier Amerikaner sehr gut: die Sonnenblume und der Amaranth werden von unseren gefiederten Freunden gern gefressen. Im Stadtgarten Connewitz, dem 4.300 Quadratmeter großen Gemeinschaftsgarten von uns Ökolöwen, finden viele Vögel ganzjährig Nahrung und Ruhe- und Nistmöglichkeiten. Alle nachfolgend genannten Pflanzen wachsen auf dem verwunschenen Naturgartengelände. Ein Blick hinter den Gartenzaun lohnt sich! Ab April lädt der Stadtgarten während der Öffnungszeiten zum Besuch ein. Unser Handout ‚Lebensinsel Garten‘ bietet jede Menge Anregungen für eine naturnahe Gartengestaltung.

Fünf Wildkräuter, die Vögel lieben

Echte Kratzdistel
Kratzdistel
Kratzdistel - im verblühten Zustand keine Schönheit, doch lass sie unbedingt bis zum Frühjahr stehen (Quelle: pixabay.com)

So sehr sie viele Gärtner:innen ablehnen, so sehr werden sie von der Tierwelt geliebt: Die Distelgewächse. 51 Insektenarten leben von oder an der Kratzdistel. Der Stieglitz frisst die halbreifen und ausgereiften Samen so gern, dass er deshalb im Volksmund Distelfink genannt wird. Wer es optisch nicht ganz so wild mag, dem gefallen vielleicht die rundköpfigen Kugeldisteln gut.

Königskerze
Königskerze
Die gelb blühende Königskerze kann eine stattliche Größe erreichen (Quelle: pixabay.com)

Die kleinblütige Königskerze und ihre große Schwester, die großblütige Königskerze gehören zu den zweijährigen Pflanzen. Im ersten Jahr bilden sie eine Rosette aus. Im zweiten Jahr klettern sie hoch hinaus und bewirten bis zu 90 verschiedene Insektenarten. Jede einzelne Samenkapsel enthält bis zu 300 Samen, die Meisen und andere Vögel sehr gern als Winterfutter nutzen.

Echtes Mädesüß
Mädesüß
Mädesüß - bei Insekten wie Vögeln sehr beliebt (Quelle: pixabay.com)

Zur Blütezeit lockt das Mädesüß Schwärme von Fliegen, Schwebfliegen und Käfern an. Bei Samen fressenden Vögeln steht die Pflanze ebenso hoch im Kurs. Der Dompfaff weiß die Mädesüßsaaten besonders zu schätzen.

Flockenblume
Flockenblume
Verblühte Flockenblumen enthalten die für Vögel leckeren Samen (Quelle: pixabay.com)

Flockenblumen sind bei Bestäubern sehr beliebt. Bis weit in den Herbst hinein locken die nektarreichen Blüten Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlinge. Die Saaten der Flockenblumen werden besonders gern vom Stieglitz gefressen.

Fetthenne
Verblühte Fetthenne
Der Anblick der vertrockneten Blütenstände lässt nicht immer erahnen, welchen Wert sie noch im natürlichen Kreislauf haben

Die Fetthenne unterstützt Vögel in der kalten Jahreszeit gleich zweifach. Die Pflanze blüht vom späten Sommer bis weit in den Herbst hinein, wo das Blütenangebot bereits sehr überschaubar ist. Weil sie zu dieser Zeit zahlreichen Insekten Nektar spendet, finden Insektenfresser, wie Rotkehlchen oder Meise, an der Fetthenne zuverlässig Nahrung. Die Samenstände der pflegeleichten Staude dienen vielen Vögeln als Winternahrung.

Fünf vogelfreundliche Gehölze und Bäume

Eberesche
Eberesche
Die Eberesche ist ein Vogelmagnet (Quelle: pixabay.com)

Die Eberesche, auch Vogelbeere genannt, bewirtet 63 fruchtfressende Vogelarten mit ihren knallroten/orangenen Beeren. Sie ist damit der Vogel-Favorit unter den heimischen Wildgehölzen. Da die Eberesche Feuerbrand übertragen kann, ist ihre Kultivierung im Kleingartenverein verboten. Auch der Eingriffelige Weißdorn, ebenfalls ein wichtiges Vogelnährgehölz, kommt aus diesem Grund für den Schrebergarten nicht in Frage.

Schwarzer Holunder

Der schwarze Holunder steht auf Rang zwei der beliebtesten Vogelnährgehölze: 62 Arten fressen seine Beeren. Die morschen Äste und Stammlöcher alter Sträucher werden von Höhlenbrütern, wie Blaumeise, Star oder Kleiber gern als Nistplatz genutzt. Bietet der Strauch diese Möglichkeiten (noch) nicht, können alternativ Nistkästen für Höhlenbrüter angeboten werden.

Faulbaum
Faulbaum
Der Faulbaum bildet Früchte aus, die von Vögeln verspeist werden (Quelle: pixabay.com)

Der Faulbaum ist ein Gehölz mit sehr hohem Faunawert. Seine Blüten bieten Wildbienen und Schmetterlingen reichlich Nektar. Die Blätter und Knospen des Faulbaums sind Hauptnahrung für die Raupen des Zitronenfalters. Die kugeligen Steinfrüchte, die ab August von Rot nach Schwarz ausreifen,  werden von 36 Vogelarten gefressen.

Wildrosen (Hagebutten)
Hagebutten im Schnee
Kaum zu glauben, dass diese bisweilen recht großen Früchte von Vögeln gefressen werden

Wildrosen sind robuste Gehölze, deren nahrhafte Hagebutten von 27 Vogelarten gefressen werden. Zuvor werden die ungefüllten Blüten von vielen Insekten besucht. Im Schutz der Dornen finden Vögel Schutz vor Katzen und anderen Gefahren.

Europäisches Pfaffenhütchen
Pfaffenhütchen
Die filigranen Früchte des Pfaffenhütchens stehen auf dem Speiseplan der heimischen Wintervögel (Quelle: pixabay.com)

Die Früchte des Europäischen Pfaffenhütchens stehen bei 24 Vögeln auf dem Speiseplan. Ganz besonders beliebt sind die Beeren beim Rotkehlchen. Aber Achtung: für den Menschen sind sie giftig.

Auch ohne eigenen Garten kannst Du aktiv werden:

Wilde Möhren im Blumenkasten
Abgeblühtes stehen lassen - das gilt auch für den Blumenkasten

Wenn Du keinen eigenen Garten oder Hinterhof hast, den Du in eine Vogeloase verwandeln kannst, ist vielleicht eine der folgenden Ideen interessant für Dich:

  • Bepflanze die Baumscheibe vor Deiner Tür mit Wildstauden - Mit unserem Projekt "Leipzig blüht auf" geben wir Dir Tipps für den Minigarten vor Deiner Haustür.
  • Einige Kletterpflanzen liefern leckere Beeren für Vögel, das bekannteste Beispiel ist der Wilde Wein. Du möchtest eine Begrünung mit Kletterpflanzen an einer Pergola, einem Fahrradständer, einer Hausfassade oder der Einfassung eines Müllplatzes umsetzen? Im Rahmen unseres Projektes "Kletterfix - Grüne Wände für Leipzig" beraten wir Dich und stellen kostenfrei fünf Kletterpflanzen zur Verfügung.
  • Werde Balkon- oder Fensterbrettgärtner:in! Mit unserer Wildblumenmischung "Leipzig soll blühen" triffst Du den Geschmack der Vögel. Dafür musst Du die Blütenstände einfach bis zum Frühjahr stehen lassen.
  • Unterstütze unseren Appell "Mehr Grün für Leipzig" mit Deiner Unterschrift. Wir fordern darin den Stadtrat und die Stadtverwaltung auf, Leipzigs Stadtgrün besser zu schützen und naturnaher zu pflegen.

Speiseplan heimischer Vögel im Sommer und Winter

Blaumeise und Kohlmeise

Natürliche Nahrung: (ölreiche) Samen, Beeren, Insekten und Spinnen

Lieblingswinterfutter: Geschälte Sonnenblumenkerne, fein gehackte Erdnüsse und Walnüsse, Fettfutter, Obst (Äpfel), Lebendfutter

Obwohl die Kohlmeise bei der alljährlich vom Nabu initiierten Vogelzählung "Stunde der Wintervögel" im Januar 2021 mit 3076 gezählten Exemplaren der zweithäufigste Vogel in Leipzig ist, wurde ein dramatischer Rückgang von 25 Prozent im Vorjahresvergleich verzeichnet.

Amsel

Natürliche Nahrung: Würmer, Insekten und deren Larven, Beeren, Früchte

Lieblingswinterfutter: Äpfel, ungeschwefelte Rosinen, frische/ getrocknete Beeren (gern Holunder oder Eberesche), Fettfutter, fein geschrotete Erdnüsse, geschälte Sonnenblumenkerne, Weizenkleie, Lebendfutter

Bevorzugt eine bodennahe Fütterung. Liegt Schnee, freut sich die Amsel, wenn ein Stück vom Gartenboden oder Kompost freigelegt und aufgewühlt wird. Sie kann dann leichter nach Insekten(larven) suchen.

Haussperling

Natürliche Nahrung: Samen, Knospen, Insekten

Lieblingswinterfutter: Erdnüsse, Sonnenblumenkerne, Sämereien (z.B. Hirse), Fettfutter, ungeschwefelte Rosinen

Spatzen sind sehr gesellig. Auch auf Nahrungssuche begeben sie sich gern gemeinsam. Ein "Pioniervogel", oft ein ambitioniertes Männchen, fliegt voran und gibt den anderen lautstark tschilpend Bescheid, wenn er eine Futterquelle entdeckt. Das zu beobachten ist eine große Freude.

Rotkehlchen

Natürliche Nahrung: Insekten(larven), Würmer, Beeren, Früchte, Samen

Lieblingswinterfutter: feine Samen, fein gehackte Erdnüsse, Fettfutter, ungeschwefelte Rosinen, Beeren, Lebendfutter

Bevorzugt eine bodennahe Fütterung.

Die meisten Vögel leben in den Wintermonaten nicht in Revieren. Um genügend Nahrung zu finden, sind alle überall auf der Suche nach Futter. Anders das Rotkehlchen: Egal, ob Männchen oder Weibchen - die Rotkehlchen, die daheimbleiben, besetzen Nahrungsreviere. Daher sind mehrere Rotkehlchen an einer Futterstelle nur selten zu beobachten.

Stieglitz (Distelfink)
Stieglitz an einer Sonnenblume
Zwischenstopp auf einer Sonnenblume: Der Stieglitz liebt eigentlich Disteln und wird daher auch Distelfink genannt (Quelle: pixabay.com)

Natürliche Nahrung: halbreife und reife Samen (von Stauden, Gräsern, Bäumen - besonders gern: Disteln, Karden), Blattläuse zur Aufzucht der Brut

Lieblingswinterfutter: ölhaltige Samen (Hanf, Mohn, Distel), fein gehackte Erdnüsse

Stieglitz-Männchen fallen bereits ab Ende Februar durch ihre Gesangsübungen auf. Mit dem namensgebenden "Stiglitt" startet der Stiglitz sein Lied, mit dem er potentielle Partnerinnen von sich begeistern möchte.

Schwanzmeise
Schwanzmeisen an einer Wasserstelle
Schwanzmeisen kann man auch in Leipzig beobachten (Quelle: pixabay.com)

Natürliche Nahrung: kleine Insekten und Spinnen, Knospen

Lieblingswinterfutter: Fettfutter, fein gehackte Erdnüsse, geschälte Sonnenblumenkerne, ungeschwefelte Rosinen, Lebendfutter

Schwanzmeisen bevorzugen herabhängendes Futter. Die "Lollis" brüten bevorzugt in Laub- und Mischwäldern. Sie sind oft in Trupps unterwegs. Bei Nahrungsknappheit besuchen sie die Futterstellen gemeinsam. Die possierlichen Tiere lassen sich gut im Clara-Zetkin-Park beobachten.

So fütterst Du Wintervögel artgerecht

Plastiknetze der Meiseknödel im Park
Man sieht sie leider auch in unseren Parks, doch Plastiknetze sind keine gute Idee

Bei eigens eingerichteten Futterstellen ist es wichtig, auf artgerechtes und saisonal passendes Futter zu achten und hygienische Maßnahmen einzuhalten. Leider kann man immer wieder fehlerhaftes Verhalten beobachten. Das Problem: nicht artgerechte Fütterung und mangelnde Hygiene können tödliche Folgen für die Vögel haben. An unsauberen Futterplätzen werden Krankheiten übertragen, in Plastiknetzen verheddern sich die kleinen Krallen - um nur einige Negativbeispiele zu nennen. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Wer Vögeln wirklich helfen will, sollte sich an einige Regeln halten und auch die nötige Zeit investieren. Lies hier, worauf Du unbedingt achten musst.

Das geht gar nicht!

Niemals verfüttern: Salz und Brot
Salzhaltige Lebensmittel können das Nervensystem der Vögel schädigen und zu ihrem Tod führen. Brot, aber auch ungekochter Reis oder Kokosraspeln sind ebenfalls tabu. Sie quellen im Magen der Vögel stark auf.

No Go: Meisenknödel in Netzen
Die Vögel können sich in den umweltbelastenden Plastiknetzen verfangen, damit stellt diese Futtervariante eine echte Gefahrenquelle für die Tiere dar. Leider sieht man die Meisenknödel auch häufiger in Parks, aufgehangen an Büschen und Hecken. Die leeren Netze bleiben dann häufig als Müll zurück.

Passendes Futter

Wichtig: Qualitativ hochwertiges Vogelfutter mit geringem Füllstoffanteil wie Hafer und Getreide

Haferflocken oder Getreidekörner sind Füllstoffe, die in vielen preisgünstigen Futtermischungen zu finden sind. Amseln und Rotkehlchen fressen die Haferflocken und Sperlinge verdrücken auch das eine oder andere Getreidekorn, alle Vögel bevorzugen aber artgerechtes Futter. Andere Vögel lassen die Füllstoffe komplett links liegen. Weniger oder keine Füllstoffe bedeuten auch weniger übrig gelassene Nahrung und damit eine bessere Hygiene an der Futterstelle.

Sortenreine Sämereien kaufen

Mit sortenreinen Sämereien meinen wir Saaten, die von den Vögel im natürlichen Lebensraum an den Blütenständen abgeknabbert werden. Diese kann man auch als Einzelsaat im Handel erwerben. Auf diese Weise individuell zusammengestellte Futtermischungen können optimal an die Nahrungsvorlieben der Futterstellenbesucher angepasst werden. Gleichzeitig sind sie im Preis günstiger, als fertige Futtermischungen.

Gefriergetrocknete oder lebendige Maden und Würmer anbieten

Das wird von Weichfutterfressern wie Amsel und Rotkehlchen ganzjährig gern angenommen. Vor allem in der Zeit der Brut im Frühjahr sind Wirbellose die Hauptnahrung für viele Vögel und ihren Nachwuchs. Neben Wachsmaden und Buffalo-Würmern werden auch Mehlwürmer lebend, sowie getrocknet oder gefriergetrocknet zum Kauf angeboten.

Geeignetes, hochwertiges Fett beimischen

Für die eigene Fettfutterherstellung eignen sich hochwertiges, nachhaltig und fair produziertes Kokos- oder Palmfett. Margarine ist für Vögel schwer verdaulich und sollte nicht verwendet werden.

Vogelfutter aus regionaler Herkunft bevorzugen

In Deutschland produziertes Vogelfutter hat seinen Preis, sollte aber dennoch die erste Wahl sein. Für die Sonnenblumenkerne aus China zahlt unser Planet, denn lange Transportwege belasten die Umwelt.

Auf das BIO-Siegel achten

Werden beim Anbau der Futtermittel Pestizide verwendet, schmälert das ebenfalls die Umweltbilanz des Vogelfutters. Das BIO-Siegel garantiert eine pflanzenschutzmittelfreie Kultivierung.

Schadstoffe oder Beimischung von Ambrosia-Samen vermeiden

Aflatoxin ist ein organschädigendes Gift, das besonders oft bei der Produktion von Nüssen auftritt. Vogelfutter verantwortungsbewusster Hersteller hat Lebensmittelqualität und enthält garantiert kein Aflatoxin. Geprüfte Produkte tragen entsprechende Hinweise auf der Verpackung. Die Ambrosia ist eine aus Nordamerika stammende Pflanze mit hohem Ausbreitungspotential. Sie kann massive allergische Reaktionen hervorrufen. Es wurde eine starke Verbreitung der Samen durch Vogelfuttermischungen festgestellt. Einige Hersteller kontrollieren ihr Vogelfutter auf Ambrosia-Beimischungen. „Ambrosia controlled“ ist auf den Verpackungen dieser Anbieter zu lesen.

Die richtige Futterstelle

Damit das Füttern nicht zur Gefahrenquelle wird, ist es wichtig, die Futterstelle dort einzurichten, wo Katzen keinen Zugang und die Vögel Fluchtmöglichkeiten haben. Ein wetterfester Platz verhindert, dass das Futter schnell verdirbt.

Wasser anbieten

Trinkschalen ganzjährig aufstellen
Trinkschalen sind das ganze Jahr über eine wichtige Ergänzung an der Futterstelle. Natürliche Wasserstellen sind im Winter durch Eisbildung oder durch das Ausbleiben von Niederschlägen nicht immer zugänglich. Es kommt vor, dass Vögel von tausalzverseuchtem Schmelzwasser an Straßen- und Gehwegrändern trinken und daran verenden. Damit das Wasser der Trinkschale den Vögeln auch bei tiefen Temperaturen zur Verfügung steht, können Korken ins Wasser gelegt werden. Durch das sanfte Bewegen der Korken gefriert das Wasser weniger schnell

Hygiene ist unverzichtbar

Auf Hygiene achten
An der Futterstelle ist Hygiene unverzichtbar. Futtersilos und -säulen sind hygienischer als offene Futterhäuschen und Futtertische, weil die Vögel hier nicht im eigenen Essen sitzen. Offene Futterstellen sollten täglich von Futterresten und Kot befreit und einmal wöchentlich gründlich, mit heißem Wasser, gereinigt werden. Für Silos reicht eine Reinigung nach individuellem Bedarf. Um Schimmel zu vermeiden, ist bei allen Futterstellenvarianten eine Überdachung sinnvoll, die das Feuchtwerden des Vogelfutters verhindert.

Futterzeiten

Morgens und am späten Nachmittag füttern
Nachts verbrauchen die Vögel die Energie, die sie aus der Nahrung ziehen, um sich warm zu halten. Am nächsten Morgen benötigen sie Nachschub. Da Singvögel bei Tageslicht auf Futtersuche gehen, fressen sie zur Dämmerung viel, um in den kalten Winternächten die Körpertemperatur aufrechthalten zu können. Eine am Morgen und am späten Nachmittag gut gefüllte Futterstelle unterstützt die Vögel optimal.

Regelmäßig füttern
Artgerecht gefüllte Futterstellen sprechen sich bei den Vögeln schnell herum und werden regelmäßig angeflogen. Im Winter, wo die aus dem Futter gewonnene Energie vor allem in Körperwärme umgewandelt wird, kann schon ein einziger Tag ohne Nahrung den Vogeltod bedeuten. Kontinuierliches Füttern ist deshalb wichtig. In der Nachbarschaft findet sich bestimmt jemand, der das Füttern gern übernimmt, wenn ein Urlaub geplant ist. Die großen Kraftanstrengungen Nestbau, Balz und erste Brut fallen auf eine Zeit, in der die Natur gerade erst erwacht und Saaten, Früchte und Insekten noch rar sind. Es ist sinnvoll die Vögel in dieser Zeit mit einer artgerechten Fütterung zu unterstützen.

Futterhäuschen oder Futtersilos?

Informationen dazu findest Du im Punkt "Hygiene ist unverzichtbar".

DIY: Vogelfutter selber machen

Artgerechtes Vogelfutter selbst herzustellen ist gar nicht schwierig. Wir stellen Dir zwei Rezepte vor.

Rezept Nr. 1: Weichfutter-Mix für Amsel und Co.

Zutaten:

  • feiner Sonnenblumenkernbruch
  • feiner Erdnussbruch (ungesalzen!)
  • zerkleinerte, ungeschwefelte Rosinen
  • Optional: kleiner Anteil Haferflocken
  • Optional: gefriergetrocknete Würmer oder Maden

Zubereitung:

Die Zutaten werden gut vermengt. Weichfutterfresser, wie die Amsel oder das Rotkehlchen, bevorzugen eine bodennahe Fütterung. Der Weichfutter-Mix kann ihnen auf einem Futtertisch, in einer Schale oder direkt auf dem Boden angeboten werden.

Rezept Nr. 2: Fettfutter
Fettfutter selbst hergestellt
Noch ein Sitzstock in die Mitte gesteckt: Fertig ist der Vogelschmaus!

Zutaten:

  • Kokos- oder Palmfett aus zertifiziert nachhaltigem und fairem Anbau
  • Sonnenblumenkerne
  • Erdnussbruch (ungesalzen!)
  • ungeschwefelte Rosinen
  • optional: gefriergetrocknete Würmer oder Maden
  • optional: ein Teelöffel Sonnenblumenöl, um Bröseligkeit zu vermeiden
  • Mengen: Auf einen Teil Futtermittel kommen eineinhalb Teile Fett

Zubereitung:

Die Hälfte des Fettes wird auf dem Herd in einem Topf bei maximal mittlerer Temperatur geschmolzen. Den Topf anschließend vom Herd nehmen und das restliche Fett beimengen. Wenn das komplette Fett verflüssigt ist, werden die Futtermittel (und das Öl) untergerührt. Beim Abkühlen härtet die Masse wieder aus. Ist sie nach einigen Minuten gut formbar, kann sie weiterverarbeitet werden. In Plätzchenförmchen gefüllt, in Zapfenritzen gedrückt, als Meisenknödel geformt oder in eine Tasse gepresst entsteht wertvolles Fettfutter. Eine Aufhängung muss vor dem endgültigen Aushärten der Masse mittig eingefügt werden.

Wir wünschen Dir viel Spaß bei der Vogelbeobachtung, sei es an Deiner Futterstelle oder in den Büschen und Hecken Deines Gartens.

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