Joghurtbecher kommen in die Gelbe Tonne. Und dann?

Joghurt ausgelöffelt, Becher ab in die Gelbe Tonne - und was wird dann daraus?

Wird der Verpackungsabfall tatsächlich noch einmal sortiert und getrennt recycelt, oder wird er gleich verbrannt, wie viele LeipzigerInnen vermuten? Diesen Fragen ist die AG Abfall des Ökolöwen auf den Grund gegangen.

Die AG Abfall informiert sich in der AVL Abfallverwertung Leipzig GmbH.
Die AG Abfall informiert sich in der AVL Abfallverwertung Leipzig GmbH.

Was wird alles getrennt und wie funktioniert die Trennung technisch?

Am 5. September konnte die AG Abfall sich in der AVL Abfallverwertung Leipzig GmbH in der Rückmarsdorfer Straße mit eigenen Augen und Ohren davon überzeugen, was mit dem Inhalt der Gelben Tonnen geschieht, der dort täglich aus Leipzig und Umgebung angeliefert wird.

Pro Jahr werden dort in einer riesigen Anlage mit beeindruckend vielen und in alle Richtungen laufenden Förderbändern bis zu 100.000 Tonnen Leichtverpackungen angeliefert und tatsächlich sortiert, z. B. nach Weißblech (Getränkedosen, Kronkorken), Aluminium, Joghurtdeckel, Alufolie und Getränkekartons (Tetrapacks) und Kunststoffen sowie Kunststoffverpackungen aller Art. Leider finden sich auch Dinge in den Gelben Tonnen, die dort nicht hineingehören, wie Batterien und Akkus, Bowlingkugeln, alte Teppiche und Abtreter.
Das alles wird auf riesige Halden gekippt und dann zunächst 'portioniert' durch eine große Siebtrommel der Größe nach in zwei Kategorien getrennt.

Die eine, die kleiner als 22 Zentimeter ist, geht nochmals durch eine Siebtrommel. Daraus werden mittels eines Induktionsverfahrens bzw. mithilfe von Magneten nacheinander erst Eisen/Weißblech, dann Getränkekartons, dann Nichteisenmetalle (z. B. Aluminium) und zuletzt Klein-Kunststoffe (etwa Joghurtbecher) voneinander getrennt. Weißblech, Tetrapacks und Aluminium werden anschließend in Ballen gepresst und an interessierte Abnehmer zur Verwertung verkauft.

Förderbänder der AVL Abfallverwertung Leipzig GmbH
Förderbänder der AVL Abfallverwertung Leipzig GmbH

Was passiert mit den größeren Kunststoffteilen und wird auch noch per Hand sortiert?

Die andere Kategorie, die größer als 22 Zentimeter ist, wird anschließend mittels 'Windsichtung' nochmals getrennt. Die großen leichten Folientüten werden so mit einem Gebläse von den schwereren Plastikteilen getrennt. Schwerere Sachen sind z. B. alte Getränkekisten, kaputte Eimer, Plastikschüsseln, zugebundene Plastiksäcke mit unbekanntem Inhalt und andere schwere Kunststoffe, die teilweise in großen Mengen und per Hand an einem Laufband sortiert werden müssen – keine leichte Arbeit, die Konzentration und Schnelligkeit erfordert.

Wie werden die vielen einzelnen Kunststoffe getrennt und wie geht es dann weiter?

Was bei beiden Kategorien übrig bleibt, sind vor allem Kunststoff-Abfälle und -verpackungen. Aber Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff! Da gibt es Polyethylenterephthalat (PET), Polyethylen (PE-HD, PE-LD), Polypropylen (PP), Polystyrol (PS), um die wichtigsten zu nennen. Die müssen weiter voneinander getrennt werden. Diese Aufgabe übernimmt jeweils eine beeindruckende Maschine, die per Infrarot bis zu 20 verschiedene Materialien erkennen und trennen kann, sofern die hier über das Band gehenden Sachen nicht aus mehreren verschiedenen Kunststoffen bestehen.

Die verschiedenen getrennten Kunststoffarten kommen in separate Zwischenbunker und werden in Ballen gepresst, die bis zu 600 Kilogramm wiegen und dann zur weiteren Verarbeitung/Verwertung an die verschiedenen Abnehmer gehen. Bevor gepresst wird, gibt es zwei Proben, bei denen es um die Qualität geht. Je Ballen dürfen je nach Art des Kunststoffes nur noch vier bis sechs Prozent fremde Stoffe, so genannte Störstoffe, enthalten sein.

Die AG Abfall im Gespräch

Was passiert mit Verpackungen, die nicht getrennt und deshalb nicht verwertet werden können?

Die Trennung und Sortierung der verschiedenen Stoffe funktioniert ziemlich gut. Aber es gibt auch etliche Abfälle, die von den Maschinen nicht erkannt werden und oft auch per Hand nicht aussortiert werden können. Diese landen in der sogenannten Mischfraktion, die ungefähr 15 bis 20 Prozent der angelieferten Leichtverpackungen ausmacht und nur noch verbrannt werden kann.

Das größte Problem stellen so genannte Verbundverpackungen dar. Das sind solche, die aus mehreren Materialien bestehen, z. B. Verpackungen für Käse oder Wurst aus dem Selbstbedienungsregal. Die Unterschale besteht aus Hartplastik (meist PET), der abziehbare obere Teil aus Weichplastik (meist PE). Wenn beides aneinander haftet, kann die Infrarot-Anlage sie nicht unterscheiden und getrennt sortieren. Schwierig wird es auch bei den Verpackungen für Hunde- und Katzenfutter: Diese sind nicht mehr wie früher aus reinem Aluminium, sondern werden zunehmend dünner und mit Kunststoff beschichtet, von dem das Aluminium nicht mehr getrennt werden kann.

Probleme bereitet auch PU-Schaum, wie er für bruchsichere Verpackungen verwendet wird, etwa für Elektrowaren. PU-Schaum muss händisch aussortiert werden, ebenso PVC z. B. Abwasserrohre.
Auch Magnetbänder, etwa Videobänder und Kassetten vom alten Tonbandrecorder, stören den Sortierprozess, denn sie verheddern sich in den Maschinen. Das konnten wir auch bei unserem Besuch deutlich sehen: lange schwarze Schlangen wanden sich meterlang über die Förderbänder.
Probleme bereiten auch Batterien und Akkus, wenn sie fälschlicherweise in der Gelben Tonne entsorgt werden, denn sie können im Sortierprozess zu Explosionen führen. Neben solchen Gefahren gibt es zahlreiche weitere Herausforderungen, die in einer solchen großen Anlage mit 65 MitarbeiterInnen mitgedacht werden müssen.

Tipps für VerbraucherInnen
  • Der wohl wichtigste Hinweis an VerbraucherInnen ist, Verpackungsmüll wo immer möglich zu vermeiden. Im Jahr 2015 wurden pro Person 75 Kilogramm Verkaufsverpackungen eingesammelt.
  • Abfallarm einzukaufen geht ganz einfach, indem man Plastik- und Papiertüten und andere Gefäße wiederverwendet.
  • Durch den Verzicht auf 'Takeaway'-Essensverpackungen sowie Einwegbechern und -gefäßen kann bereits eine große Menge Müll eingespart werden. Inzwischen gibt es auch in Leipzig 'Unverpacktläden' – mit mitgebrachten Gefäßen kann man hier bei jedem Einkauf eine Menge Verpackung vermeiden.
  • Wo immer möglich sollte man Verbundverpackungen meiden. Ist das nicht möglich, sollten die Verpackungen zumindest in die einzelnen Bestandteile getrennt werden, bevor sie in die Gelbe Tonne kommen. Ein einfaches Beispiel ist der Joghurtbecher, dessen Aluminiumdeckel nach Gebrauch vom Plastikbecher getrennt werden sollte.
  • Müllsäcke nicht extra zubinden oder den Abfall zu einem Paket verpacken, denn der Müll kann so nicht getrennt werden und landet in der Verbrennung.
  • Produkte mit schwarzen/dunklen Kunststoffverpackungen sind nicht empfehlenswert, da diese von Infrarot-Scannern nicht erkannt werden. Entsprechend landen auch diese Verpackungen in der Verbrennung.
  • Um die Arbeit der Abfallverwertung nicht zu behindern, sollten keine Fremdstoffe in die Gelbe Tonne gelangen, nur Verpackungen aus Plastik und Metall.
Forderungen der AG Abfall an die Politik

Die Politik sollte Prämissen und ggf. gesetzliche Vorgaben sowohl für die Verminderung von Verpackungen als auch für die stoffliche Recyclingfähigkeit der Verpackungen festlegen. Hier ist das ab 1. Januar 2019 in Kraft tretende neue Verpackungsgesetz (Gesetz zur Fortentwicklung der haushaltnahen Getrennterfassung von wertstoffhaltigen Abfällen, Vom 15 Juli 2017) durchaus ausbaufähig. Zwar wird es eine derzeit im Aufbau befindliche „Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister“ geben, unter deren zahlreichen Aufgaben auch jene steht, „im Einvernehmen mit dem Umweltbundesamt einen Mindeststandard für die Bemessung der Recyclingfähigkeit von systembeteiligungspflichtigen Verpackungen … zu entwickeln und zu veröffentlichen“ (§ 26 Punkt 11). Inwieweit hierbei auch Gewicht auf die ökologische Gestaltung von Verpackungen gelegt wird, bleibt allerdings abzuwarten.

Sehr hilfreich wäre die Schaffung eines Siegels für eindeutige, aus einer Art Kunststoff bestehenden Verpackungen, damit Verbraucher sehen können, welcher Stoff wirklich verwertet werden kann und welche Stoffe man beim Einkauf meiden sollte.

Forderungen der AG Abfall an die Verpackungsindustrie und den Handel

Der Trend zu mehr Verbundstoffen in der Verpackungsindustrie bereitet den Entsorgern zunehmend Probleme. Da viele Verpackungen, die mehrere Kunststoffe enthalten, nur schwierig bis gar nicht in ihre einzelnen Stoffe getrennt werden können, entsteht mehr Abfall, der verbrannt werden muss, anstatt in die Wiederverwertung zu gehen.

Die Hersteller der Verpackungen müssen trotz des für den Verkauf vorhandenen Designs und der entstehenden Herstellungskosten das Recycling der Verpackungen für die werkstoffliche Verwertung sicherstellen. Die dualen Systeme können dann die Lizensierungskosten, die die Hersteller der Verpackungen bezahlen müssen, für werkstofflich verwertbare Verpackungen senken.
Wird das Sortieren und Recyceln durch das Vermeiden von Verbundverpackungen einfacher, kann es nicht zu Letzt auch für die VerbraucherInnen günstiger werden.

Dringend notwendig erscheint eine konstruktive Kommunikation zwischen Industrie und Entsorgern darüber, wie Produkte gestaltet werden müssen, damit sie nach ihrer Sammlung auch wieder in den Kreislauf gehen und recycelt werden können. Nur was auch getrennt und wiederverwertet werden kann, sollte auch produziert werden.

Weiterhin sollten Verpackungsindustrie und Handel dafür sorgen, dass nur so viel Verpackung produziert und verwendet wird, wie zum Schutz der Waren wirklich nötig ist. Inwieweit für beide Schwerpunkte eine freiwillige Selbstverpflichtung greifen könnte, erscheint allerdings fraglich.

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