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Ökolöwe - Umweltbund Leipzig e.V.
14.11.2017 (aktualisiert am 17.11.2017)

Was hat es mit den aktuellen Pflegemaßnahmen im Auwald auf sich?

Was hat es mit den aktuellen Pflegemaßnahmen im Auwald auf sich?

Auch dieses Jahr finden im Leipziger Auwald Forstarbeiten statt. Sie sind naturschutzfachlich notwendig, um z. B. eine Heterogenität in der Arten- und Strukturzusammensetzung zu fördern. In zahlreichen Begehungen waren wir zusammen mit Mitgliedern anderer Naturschutzverbände sowie Sachverständigen in den betreffenden Gebieten unterwegs.

Wir haben uns die Maßnahmen genau erklären lassen und den Umfang der Durchführungen abgestimmt. So konnten wir ökologisch besonders wertvolle Bäume und wertgebende Biotopstrukturen schützen.

Bevor Bäume im FSC-zertifizierten Stadtwald (Zertifizierung für nachhaltige Forstwirtschaft) gefällt werden, werden im Vorfeld viele Schutzmaßnahmen sowie Monitoringarbeiten ergriffen, wie z.B. eine regelmäßige Brutvogel-Kartierung. Viele höhlenreiche und besonders alte Bäume sind von den Fällungen ausgenommen.

Forstwirtschaftliche Eingriffe beruhen auf 

  • der "Konzeption zur Bewirtschaftung der Auwälder",
  • der wissenschaftlichen Begleitung und Beteiligung der anerkannten Umwelt- und Naturschutzverbände und
  • auf dem FFH-Managementplan und den geltenden Schutzgebietsverordnungen.
Eine intakte Aue vereint Artenvielfalt und Hochwasserschutz

Seit Jahren setzt sich der Ökolöwe dafür ein, dass die Restbestände der Leipziger Auenlandschaft wieder wie früher an die Flüsse angeschlossen werden, damit Lebensräume wie die Hartholzaue oder Arten wie die Rotbauchunke eine Zukunft haben. Eine intakte Aue kann die Hochwassergefahren für den Menschen entschärfen und ist somit der beste Hochwasserschutz.

 Nicht zuletzt gehören zur Auenlandschaft Lichtungen und mäandernde Fließgewässer mit ihren Kiesbänken und Abbruchkanten. So braucht z. B. der Eisvogel junge Bäume und Sträucher als Ansitzwarten zum Jagen und Abbruchkanten, um Bruthöhlen zu bauen.

Ein gesunder, natürlicher Auwald braucht Artenvielfalt und Strukturvielfalt

Der jahrzehntelange Entzug der natürlichen und lebensnotwendigen Sommer- und Winterhochwasser führte im Leipziger Auwald zu einer untypischen Arten- und Alterszusammensetzung. Es entwickelte sich eine Dominanz von auwalduntypischen Baumarten wie Berg- und Spitzahorn, die die charakteristischen und überflutungstoleranten Arten verdrängen. Ziel der Durchforstung ist es nun, die Zusammensetzung der Baumarten langfristig in Richtung einer Hartholzaue zu verändern. Durch forstwirtschaftliche Eingriffe wird die Verbreitung auwalduntypischer Baumarten eingedämmt, damit sich die natürliche Hartholzaue entfalten kann. Die Hartholzaue ist nach der Roten Liste der Biotoptypen Sachsens von vollständiger Vernichtung bedroht und zählt nach § 30 BNatSchG zu den besonders geschützten Biotopen.

 Typisch für Hartholzauen sind z. B. Stieleichen, denn sie kommen gut mit Hochwasser zurecht. Doch nur 20 Prozent aller Bäume im Leipziger Auwald sind Stieleichen. Dabei sind sie ökologisch besonders wertvoll, da sie über 50 Prozent aller Höhlenbäume ausmachen und damit wertvolle Lebensräume darstellen. Unter anderem dienen sie den in Sachsen streng geschützten Fledermäusen wie Wasserfledermaus oder dem Braunen Langohr als Schlaf- und Ruhestätten.

Große, alte Eichen beherbergen in ihrer lichten, offenen Krone bis zu 600 Insektenarten. Das Licht kann bis zum Waldboden durchdringen. Mit einem hohen  Anteil an Eiche wird auch die Helligkeit im Auwald gefördert. So kann sich die Eiche natürlich verjüngen und auch der Unterwuchs profitiert von den besseren Lichtverhältnissen, wie s ie in einem natürlichen Auwald sein sollten. Zum Beispiel zeigt sich im Frühjahr, wenn durch das fehlende Blätterdach viel Licht auf den Waldboden trifft, die Krautschicht in voller Pracht. Neben Bärlauch entfaltet sich der Blütenteppich aus Märzenbecher, Wald-Goldstern, und hohem Lerchensporn, Gelbem Buschwindröschen und vielen anderen Pflanzenarten.

Ein lichtdurchfluteter Wald ist essentiell für Pflanzen der Krautschicht und besonders für Stieleichen. Die Stieleiche ist auf über 5 Prozent weißes Licht angewiesen. Durch die Schaffung von lichtdurchfluteten Bereichen (sogenannte Femellöcher) wird der Stieleiche Raum und Licht zur Ausbreitung gegeben. 

Des Weiteren entwickelte sich in der Nonne ein sehr hoher Eschenanteil von circa 80 Prozent, der auf frühere Bewirtschaftungsmuster zurückgeht. Vom Forst werden neben Spitz- und Bergahorn vermehrt Eschen aus dem Bestand genommen, um unter anderem die Etablierung und Ausbreitung der zu fördernden Stieleichen sicherzustellen.

Eschen, die ein Alter von über 160 Jahren aufweisen, bleiben jedoch stehen, um den künftigen  Totholzanteil sicherzustellen. Abgestorbene Bäume sowie umgefallene Stämme  sind für circa 20 Prozent der Tierwelt lebensnotwendig. Auch bieten sie für konkurrenzschwache und spezialisierte Artengruppen wie Moose und Pilze einen wichtigen Lebensraum. Eichen zeichnen sich übrigens als besonders wertvolles Totholz aus. Mittelspecht oder der große Rosenkäfer sind nur einige bedeutsame Tierarten, die davon stark abhängig sind.

Wichtig ist für einen Auwald zudem eine gesunde Durchmischung der Altersstruktur, da auch Bäume nur eine endliche Lebensdauer haben. Die Mehrheit der Bäume hat in unserem heutigen Auwald ein ähnlich hohes Alter, wobei je nach Baumart die mittlere Altersstruktur fast gänzlich fehlt. Die aktuelle Altdurchforstung fördert Bäume und Sträucher der jungen und mittleren Altersstrukturen. Das ist wichtig für Eichen und Ulmen. Aufgrund des Ulmensterbens schaffen es nur wenige Individuen, bis in die obere Baumschicht zu wachsen. Ulmen sind momentan also eher in der Strauch- und unteren Baumschicht zu finden. Ihnen wird mit den aktuellen Maßnahmen an vielen Standorten der Raum zum Wachsen gegeben.

Es werden aber nicht nur für Stieleichen und Ulmen, sondern auch für andere Einzelbäume günstige Bedingungen geschaffen, indem der Wuchsraum durch Fällung umliegender Bäume vergrößert wird. So können die übrigen Bäume stabilere  Stämme und voluminösere Kronen ausbilden. In den ausgelichteten Bereichen wachsen Sträucher und Pflanzen der Krautschicht. Der Auwald gewinnt Jahr für Jahr an Struktur- und Artenreichtum. Typische Tier- und Pflanzenarten siedeln sich wieder im Auenwald an.

Die Forstmaßnahmen sind sinnvoll, denn dadurch wird der Auwald nicht nur lebendiger, sondern er gewinnt an Natürlichkeit. Der Ökolöwe arbeitet engagiert daran, dass wir die übrig gebliebene Auenlandschaft der nachfolgenden Generation in einem besseren, gesünderen und natürlicheren Zustand übergeben können, als wir sie von unseren Vorfahren übernommen haben.

Wo werden Maßnahmen durchgeführt?

  • Leutzscher Holz, Nonne, Connewitzer Holz, Rosental: Altdurchforstung verbessert die Stabilität von Einzelbäumen und die Bestandsstruktur; Reduzierung des Eschen- und Ahornanteils fördert die ökologisch wertvollen Stieleichen
  • Plaußiger Wäldchen und Umfeld des Cospudener Sees: Die Zahl der Bäume wird auf der Fläche reduziert, damit die Altersstruktur vielfältiger wird. So verbessern sich Wachstum und Stabilität der bestehenden Bäume.
  • Waldgebiet Burgaue: Forstliche Eingriffe v.a. in oberer Baumschicht schaffen ideale Lebensbedingungen für viele seltene wärme- und lichtliebende Arten.
  • Leutzscher Holz: Das Anlegen von Femellöchern fördert die ökologisch wertvolle Stieleiche, die es aufgrund des hohen Lichtbedarfs momentan schwer hat, sich zu vermehren.

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