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Ökolöwe - Umweltbund Leipzig e.V.
13.04.2011 (aktualisiert am 19.04.2011)

Der Auenwald braucht Wasser – keine Kettensägen!

Der Auenwald braucht Wasser – keine Kettensägen!

Der Ökolöwe fordert:

  • Sofortiger Stopp und Offenlegung aller Planungen zu kommenden Fällungen!
  • Ein ökologisch sinnvolles und nachhaltiges Hochwasserschutzkonzept!
  • Den Auenwald als natürlichen Polder nutzen und periodische Überschwemmungen zulassen!
  • Ausgleich und Ersatz! Die Pflanzung von mindestens 45 Hektar neuem Auenwald!
  • Ein Bekenntnis der Stadt Leipzig zum umfassenden Schutz des Auenwalds!

Wir unterstützen diesen Aufruf:

Udo Berger, Stadtrat, CDU | Gunter Böhnke, Kabarettist | Dr. Oliver Fanenbruck, Stadtrat, Bündnis 90/Die Grünen |Prof.Dr. Walter Friedrich | Dr. Ina Gille, Kunsthistorikerin | Prof. Sighard Gille, Künstler | Grüne Jugend Sachsen | Gisela Kallenbach, MdL, Bündnis 90/Die Grünen | Jürgen Kasek, Rechtsanwalt | Dr. Leonhard Kasek, Soziologe | Dr.  Kristina Kasek | Ansgar Maria König, Stadtrat, Bündnis 90/Die Grünen | Monika Lazar, MdB, Bündnis 90/Die Grünen | Wolfram Leuze, Stadtrat, Bündnis 90/Die Grünen | linXXnet | Rosa Loy, Künstlerin | Claudia Maicher, Landesvorsitzende, Bündnis 90/Die Grünen | Juliane Nagel, Stadträtin, Die Linke | Der Vorstand des Ökolöwe – Umweltbund Leipzig e. V. | Neo Rauch, Künstler | Malte Reupert, Stadtrat, Bündnis 90/Die Grünen | Bert Sander, Stadtrat, Bündnis 90/Die Grünen | Ingo Sasama, Stadtrat, Bündnis 90/Die Grünen | Michael Schmidt, Stadtrat, Bündnis 90/Die Grünen | David Schnell, Künstler | Holger W. Tschense, Bürgermeister a.D. | Norman Volger, Stadtrat, Bündnis 90/Die Grünen | Christopher Zenker, Stadtrat, SPD und viele weitere ... 

Nach Jahrzehnten kam es diesen Winter zu einem starken Hochwasser in Leipzig. Die Lokalnachrichten waren voll von einseitigen Meldungen über die Lage. Das Hochwasser war so stark, dass Mitte Januar ein alter Deichabschnitt im nördlichen Auwald absank. Dass dieser Abschnitt zum Problem werden konnte, war allen zuständigen Behörden lange bekannt. Doch erst jetzt sah sich die Landestalsperrenverwaltung (LTV) zum Handeln gezwungen, sägte sich den Weg zum Deich frei.

Die Gefahr zog an der Stadt vorüber, es kamen kein weiteres Hochwasser und keine Überschwemmungen. Die eigentliche Katastrophe trat dennoch ein: Die LTV wütete nun mit blindem Aktionismus auf 11 Kilometern der Leipziger Deiche und auf weiteren 10 km entlang der Luppe, weil sie ein starkes Frühjahrshochwasser befürchtete. Die ersten 5.000 von insgesamt 100.000 Bäumen sind gefällt, um den Tornado-Erlass des Umweltministers fachlich unkorrekt und gesetzeswidrig in die Tat umzusetzen. Das bestehende  Hochwasserschutzkonzept, angefertigt nach dem letzten größeren Hochwasser, wurde seit 2004 weitestgehend ignoriert. Jetzt wird es in falscher Art und Weise umgesetzt – teuer, unökologisch und vor allem unwirksam. Und was bleibt davon, jetzt im Frühling? Kein Hochwasser, keine Bäume und nur Verwüstung weit und breit. Fast zehn Jahre sind vergangen, in denen LTV und Stadt Leipzig nichts taten, um zu einem zeitgemäßen Konzept zu kommen. Zehn Jahre, in der wirkungsvolle, wichtige Maßnahmen unterlassen wurden.

Fakt ist, selbst neue und höhere Deiche an den gerodeten Bereichen werden Leipzig NICHT vor Überschwemmungen schützen. Darüber hinaus wurden überwiegend Deiche gerodet, von denen laut bestehendem Hochwasserschutzkonzept keine Gefahr für Leib und Leben ausging, die dafür aber wichtige Polderflächen behindern. Dieser Sachverhalt ist der LTV bekannt!

Für den Auenwald ist dieses Vorgehen in doppelter Hinsicht hoch problematisch. Zum einen ist der Auenwald eine natürliche Vegetationsform und entstand auf Arealen die regelmäßigen, periodische Überschwemmungen ausgesetzt waren. Heutzutage sind Auenwälder so stark vernichtet, dass diese strengstens durch die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt sind. Der neuerliche Verlust weiterer 15 Hektar ökologisch wertvollster Fläche ist für das Gebiet eine ökologische Katastrophe. Zum anderen schützen die Deiche vor allem den Auenwald vor Wasser. Doch der braucht zum Überleben vor allem periodische Überflutungen! Normales, alle 5 Jahre auftretendes Hochwasser reicht völlig aus, um das Leipziger Auensystem auf natürliche Art und Weise zu erhalten. Würde der Wald als natürliche Überschwemmungsfläche dienen, könnte er die Stadt und Siedlungen flussabwärts wirksam vor besonderen Hochwassern schützen und hätte gleichzeitig die Chance, als Auenwald zu überleben. Wenn jetzt durch falschen Deichanlagenbau vollendete Tatsachen geschaffen werden, stirbt der Auenwald!

Tausende Bürger sind betroffen: Spaziergänger, Naturliebhaber, Kinder und vor allem die Menschen, die in der Nähe von Flüssen und Kanälen leben. Sie alle, uns alle, geht ein sinnvoller, wirkungsvoller und mit Augenmaß betriebener ökologischer Hochwasserschutz an.

Foto: Alexandra Ehrhardt


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