>> Hochwasserschutz im Leipziger Auwald
28.01.2011 (aktualisiert am 17.03.2011)
Hochwasserschutz im Leipziger Auwald
Was kann getan werden, um den auwaldtypischen Charakter des Waldes zu
sichern und zu fördern? Diese Frage trennt in den letzten Wochen wieder die Fronten der Umweltschützer und der Stadt Leipzig nebst Landestalsperrenverwaltung (LTV).
Aus Sicht des Ökolöwen führt an der auendynamischen
Revitalisierung der Fließgewässer kein Weg vorbei, weil es um die
Sicherung des natürlichen Lebensraumes vieler gefährdeter Tier- und
Pflanzenarten im Leipziger Auwald und somit letztlich auch um die
Wohn- und Erholungsqualität des Menschen geht. Damit wird die
Erhaltung, Sicherung und Wiederherstellung der typischen
Artenzusammensetzung des Biotops Hartholzaue dringend notwendig.
Konkret erfordern auentypische Wasserverhältnisse und
Biotopstrukturen die lokale Anhebung des Grundwasserstandes auf
naturnahe Verhältnisse, durch die periodische Überflutung von
Auwaldbereichen, die Sicherung der Wasserführung bestehender
Standgewässer und die Revitalisierung bisher trockengefallener
Feuchtbiotope in der Hartholzaue sowie deren Vernetzung. Nur dann
könnte sich der feuchte Eichen-Hainbuchen-Mischwald zum Teil wieder
in Richtung eines wasserschwertlilien- und erlenreichen
Eichen-Eschen-Ulmen-Auwald entwickeln, wie er meist in Vertiefungen
mit länger im Frühjahr anstehendem Wasser auftritt und heute sehr
selten ist.
In
wassergefüllten Gräben, Tümpeln und Lachen würden viele
hydrophile Tiere wie bestimmte Laufkäfer und Schnecken, sowie Rote
Liste-Amphibien wie Erdkröte, Moorfrosch, Grasfrosch und Teichmolch,
erstmalig wieder oder in
größerer Individuendichte auftreten. Damit würde ein großer
Beitrag zum Amphibienschutz geleistet werden. Viele neue
Habitatstrukturen würden entstehen und damit Rückzugsgebiete für
bedrohte Libellenarten, die Uferschwalbe, den Eisvogel und viele
andere.
Der
Leipziger Auwald könnte ein wunderbares Beispiel werden, wie
Hochwasserschutz mit Naturschutz zusammen funktioniert. Die
natürliche Funktionsfähigkeit der Auen als Retentionsraum
(Rückhalten von Hochwassermengen) für Flüsse und als Stoffsenke
kämen hierbei zum Tragen, denn intakte Auen wären ein
wirkungsvoller und kostengünstiger Hochwasserschutz für die Stadt
Leipzig. Teure und aufwendige Deichsanierungen, sowie das Ausbaggern
und Freihalten der Flussläufe könnten stark reduziert werden. Die
Bäume und Büsche verringerten die Fließgeschwindigkeit der Flüsse,
so dass die Pegelstände flussabwärts bei Hochwasser nicht so stark
ansteigen würden.
Dabei
sind, wie vorangegangene Versuche zeigen, naturnahe Flutungen die
einzige Möglichkeit, die Biodiversität der Flußauen zu erhalten,
d.h. Flutungen, die periodisch auftreten vor allem im Frühjahr und
Sommer auf kontrollierten Überschwemmungsflächen mit langsamem
Abfluss. Nur durch sauberes, wenig belastetes Flusswasser hätte der
frühere geophytenreiche Typ des Auwaldes noch eine Chance. Das
müsste auf kleinen Flächen erprobt werden, wobei das Auftreten von
Auelehm als Indikator für ehemalige Überflutungsbereiche dienen
kann. Würde man das Potential des Leipziger Auwaldes als
Rückhalteraum bei Hochwasser sinnvoll nutzen, wären großangelegte
Baumfällungen, wie z.B. im Januar 2011 entlang des Nahlewehrs
überflüssig.
Foto: Ökolöwe
Enrico Vlach
Umweltpolitischer Sprecher
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