Das macht die Sache aber nicht besser: Denn für diesen Müll gelten
ebenfalls sehr strenge Vorschriften, über deren Einhaltung das
Ministerium wachen sollte. Dieses scheint dabei aber nicht besonders
ambitioniert, sondern stellt sogar fest, dass dieser von ihm zu
kontrollierende Verstoß "nicht unüblich" sei. Eine Einladung an
illegale Entsorger, die mit der Umdeklaration eine Menge Geld sparen –
also verdienen – können. Denn die Entsorgung auf dem vorgeschriebenen
Weg kostet ein Vielfaches der Entsorgung von Hausmüll – und genau das
macht das Geschäft für die Mafia interessant. Übrigens vermutlich auf
Kosten der sächsischen Steuerzahler: Im letzten Umweltausschuss
beantragte die Regierung die Einstellung von Mitteln für die
Beseitigung von schwach radioaktivem Abfall, der angeblich in
sächsischen Wäldern aufgetaucht sei.
Dazu kommt, dass die MBA Cröbern als Empfänger und Weiterleiter bzw.
Behandler der Abfälle nicht einmal die Genehmigung besitzt, solche
Abfälle anzunehmen, zu behandeln und zu beseitigen. Außerdem ist sie
auch gar nicht für den Umgang mit radioaktivem Müll ausgestattet. In
der 75 Mio. € teuren Anlage existieren nicht einmal Messgeräte, um
Radioaktivität nachzuweisen.
"Der Umgang des SMUL mit dem Problem ist äußerst fragwürdig. Als
zuständige Kontrollbehörde hat sie sorgfältig auf die Einhaltung der
geltenden Vorschriften zu wachen – und nicht abzuwiegeln und damit
indirekt die herrschende Praxis zu rechtfertigen!", so Philipp Steuer,
Geschäftsführer vom Ökolöwen – Umweltbund Leipzig e.V.
SMUL-Vertreter gibt indirekt zu: Hausmüll enthielt radioaktiven Krankenhausmüll (28. November 2008)
Nur einen Tag nach dem letzten Skandalbericht bestätigt ein Sprecher
des für die Abfallwirtschaft zuständigen Umweltministeriums (SMUL)
gegenüber dem Leipziger Radio Mephisto 97.6, dass tatsächlich
Radioaktivität in einer Ladung italienischen Mülls gemessen wurde.
Diese wurde im Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg "thermisch
verwertet".
Im Interview mit Mephisto 97.6 versucht Andreas Kunze, Sprecher des
SMUL, den Vorfall herunterzuspielen. Schließlich handele es sich nicht
hochradioaktiven Atommüll, sondern lediglich um Abfälle aus
Krankenhäusern und Arztpraxen.
Hochgiftiger Industrieabfall und radioaktiver Krankenhausmüll in Sachsen? (25. November 2008)
Knapp eine Woche nach der letzten Enthüllung berichtet nun das
MDR-Magazin exakt über weitere verdächtige Mülllieferungen aus Italien.
Schlimmer noch: Es scheint sich auch um hochgiftige und radioaktive
Abfälle zu handeln. Und das zuständige Umweltministerium scheint die
Politik über die zweite Müllcharge getäuscht zu haben. Auch hier bleibt
der Verdacht: Wurde der Italo-Müll unbehandelt und damit illegal im
Leipziger Land abgelagert?
Das MDR-Magazin berichtete in seiner gestrigen Sendung: Das für die
Abfallwirtschaft zuständige Ministerium verheimlichte dem Landtag die
Genehmigung einer zweiten Mülllieferung aus Italien. Der Verbleib
dieser Lieferung ist zudem anscheinend nicht nachzuvollziehen. Auch
berichtet das Magazin über den Verdacht italienischer Behörden, dem
Hausmüll könne hochgiftiger Industriemüll oder gar radioaktive Abfälle
aus Krankenhäusern beigemischt sein. Die Kette dubioser Müllexporte und
Verstöße gegen geltendes Abfallrecht bricht nicht ab.
Im Zuge der Ermittlungen gegen die neapolitanische Mafia seien nach
Angaben von exakt die Ermittler auf eine weitere dubiose Mülllieferung
nach Deutschland gestoßen, deren ordnungsgemäße Verwertung unklar sei.
Außerdem ermitteln italienische Behörden mit Geigerzählern, ob der als
Hausmüll deklarierte Abfall auch radioaktive Abfälle enthalte – für die
naturgemäß besonders strenge Entsorgungsverfahren gelten. Auch dieser
Müll wurde nach Informationen des Magazins zunächst nach Sachsen
exportiert, genauer in die von der Westsächsischen Entsorgungs- und
Verwertungsgesellschaft (WEV) betriebenen Mechanisch-Biologischen
(Abfallbehandlungs-)Anlage Cröbern. Diese habe den Müll an einen
privaten sachsen-anhaltinischen Entsorger übergeben.
Das Magazin berichtete – belegt durch eigene Recherchen – über folgende Sachverhalte:
· Eine zweite Charge von ca. 100.000 Tonnen neapolitanischem Müll wurde vom Umweltministerium genehmigt.
· Der sächsische Landtag wurde über die Genehmigung einer zweiten
Charge angeblich "gemischten Siedlungsabfalls" auf mündliche Anfrage am
25.1.2008 hin getäuscht.
· Die italienischen Behörden haben den Verdacht der Beimischung von
hochgiftigem und radioaktivem Abfall – deutsche Behörden und Betreiber
führen solche Kontrollen anscheinend nicht durch.
Sind diese Aussagen zutreffend, dann weitet sich der sächsische
Abfallskandal aus: Nun handelt es sich nicht mehr "nur" um Verstöße
gegen das Abfallrecht (Verstöße gegen die vom Abfallrecht zwingend
vorgeschriebene Behandlung von Hausmüll; dessen illegale Umdeklaration
und Ablagerung; Vernachlässigung von Kontrollpflichten der Betreiber
und der Aufsichtsbehörden), sondern auch noch um Verstöße gegen die
Strahlenschutzgesetze und Täuschung unserer Volksvertreter.
In der Antwort auf eine mündliche Anfrage berichtete der Vertreter des
Ministeriums lediglich von einer Charge von ca. 62.000 Tonnen
"gemischten Siedlungsabfalls". Er erklärte weiterhin: "In der MBA
wurden keine Abfälle mit problematischen Bestandteilen oder Sondermüll
aus Italien angenommen." (Vgl. Protokoll zur 100. Sitzung des 4.
Sächsischen Landtags am 25.1.2008, TOP 2)
"Es ist zumindest gut, dass die sächsischen Behörden nun endlich auch
Ermittlungen aufgenommen haben, um den Verbleib des Mülls und die
beteiligten Personen festzustellen. Nun bauen wir auf ein sorgfältiges,
aber zügiges Ermittlungsverfahren, auf das für die Täter auch
schmerzhafte Konsequenzen folgen müssen. Der Osten Deutschlands darf
nicht zur Müllkippe für unbehandelte hochgiftige oder gar radioaktive
Abfälle aus Italien werden!", so Philipp Steuer, Geschäftsführer des
Ökolöwen – Umweltbunds Leipzig e.V. "Wer die Lagerung oder Verbrennung
von radioaktivem Material zulässt, gefährdet die Gesundheit der
Bevölkerung massiv!"
Es sind dringend weitere Fragen zu klären, z.B.
· Enthielt der Müll hochgiftige Industrieabfälle oder gar radioaktives
Material? Wurde dieser Müll unbehandelt und ungeschützt in
Sachsen-Anhalt beseitigt? Welche Rolle spielte dabei die WEV?
· Werden dubiose Mülllieferungen endlich stichprobenweise kontrolliert?
· Was wussten die sächsischen Betreiber und Behörden?
· (Warum) Täuschte das Umweltministerium den Landtag?
20 Jahre nach Tschernobyl (26. April 2006)
GRÜNE LIGA Sachsen e.V. gibt Tipps für den persönlichen Atomausstieg
Am 26.04.1986 um 1.23 Uhr ereignete sich in Tschernobyl der bisher Größte
Anzunehmende Unfall (GAU) in der Geschichte der sogenannten friedlichen
Nutzung der Atomenergie. Noch heute 20 Jahre danach sind die Folgen
spürbar.
Vielerorten in Deutschland sind Pilze und Wild noch immer deutlich höher radioaktiv belastet. Viele Menschen in Weißrussland und der Ukraine leiden unter den Folgen der Katastrophe. Und trotzdem beginnt man angesichts hoher Ölpreise schon wieder über den Bau neuer Atomkraftwerke nachzudenken.
Die GRÜNE LIGA Sachsen e.V. fordert eine deutliche Beschleunigung des
deutschen Atomausstieges. Sächsische Atomforschungskapazitäten
(Hochschule Zittau, TU Dresden) sollten zugunsten der Erforschung
erneuerbarer Energien gestrichen werden.
Für all diejenigen, die nicht auf das Handeln der Politik warten
wollen, hat die GRÜNE LIGA Sachsen e.V. Tipps für den persönlichen
Atomausstieg zusammengestellt:
1. Schalten Sie ab!
Die beste Energie ist die, die nicht benötigt wird. Schalten Sie
Fernsehgerät und Computer öfter mal ab und lesen Sie wieder ein Buch.
Wäsche trocknet besser auf der Leine als im Trockner. Heizen mit Strom
ist nicht nur teuer, sondern auch ökologisch äußerst bedenklich.
2. Vertrauen Sie Ihrer eignen Kraft!
Nicht für jeden Handgriff im Haushalt braucht man ein elektrisches
Gerät. Brot lässt sich mit dem Messer schneiden, Sahne von Hand
schlagen. Zahnbürsten funktionieren auch ohne Strom und vieles mehr.
3. Wechseln Sie den Stromanbieter!
Die meisten Stromanbieter haben einen Teil Atomstrom in ihrem Netz.
Genaueres erfahren Sie auf der Rechnung oder der Internetseite Ihres
Stromanbieters. Ökostromanbieter beziehen den größten Teil ihres
Stromes aus erneuerbaren Quellen, bei fossilen Quellen nutzen sie
Kraft-Wärme-Kopplung. Empfehlenswert sind z.B. die
Energiewerke Schönau (EWS) und die Greenpeace Energy e.G.
4. Erzeugen Sie Ihren Strom selbst!
Installieren Sie auf Ihrem Dach eine Photovoltaikanlage, auf Ihrem
Grundstück eine Windkraftanlage. Sie haben kein eigenes Haus und keine
Felder? Dann beteiligen Sie sich an einer Bürgerwindkraftanlage oder
einem Gemeinschaftssolardach.
5. Sprechen Sie darüber!
Tue Gutes und rede darüber! Sprechen Sie beim nächsten Familientreffen,
im Kollegenkreis, im Fitnessstudio oder in der Schlange beim Bäcker
über Ihren persönlichen Atomausstieg! So regen Sie Menschen in Ihrer
Umgebung an, Ihnen nachzueifern.
ANSPRECHPARTNER
Dr. Sabine Hübert
Anna Kaiser
AG Abfall
Tel. 0341-3065-185
