Schriftgrösse A A
Ökolöwe - Umweltbund Leipzig e.V.
30.01.2012 (aktualisiert am 30.03.2012)

Wie überwintern Igel, Schmetterling und Schnecke?

Wie überwintern Igel, Schmetterling und Schnecke?

Wenns draußen kalt wird, lässt sich die Tierwelt schlaue Sachen einfallen - von Birgit Heinemann



Wenn es draußen klirrt und Schnee die Erde bedeckt, wird das Futter für Wildtiere rar. Welche Tricks haben die verschiedenen Tierarten, um im Winter gut über die Runden zu kommen?


Insekten und der Kniff mit dem Alkohol


Insekten überstehen die Kälte, weil sie Alkohol im Blut haben: Glyzerin. Es wirkt ähnlich wie ein Frostschutzmittel und senkt den Gefrierpunkt des Insektenbluts. Schmetterlinge, wie das Tagpfauenauge und der Kleine Fuchs, überwintern gern in Kellern und auf Dachböden. Außerdem gibt es wetterfeste Schmetterlingshotels aus Buchenholz, die sich für Insekten wunderbar eignen, um die Wintermonate bei Minusgraden ganz einfach in „fremden Betten“ zu verbringen.

Säugetiere träumen im Winter

Säugetiere schützen sich auf andere Weise vor der Kälte. Einige senken ihre Körpertemperatur und reduzieren ihren Stoffwechsel. Igel, Hamster, Murmeltiere, Haselmäuse und Siebenschläfer senken ihre Temperatur auf Werte zwischen 9 und 1 Grad Celsius ab und verschlafen schlicht die kalte Jahreszeit. Vor dem Winterschlaf haben sie sich einen Fettvorrat angefressen, der als Energiespeicher und Isolationsschicht gegen die Kälte dient. Herzschlag und Atmung sind später im Schlaf stark verlangsamt. Und wie lange sie schlafen können! Igel kugeln sich etwa drei bis vier Monate ein, Murmeltiere schlafen ein halbes Jahr, Siebenschläfer sogar ein wenig länger. Hin und wieder werden die Tiere, wie Menschen auch, kurz wach. Längere Ruhephasen wechseln sich mit kurzen Wachphasen ab. Keinen Winterschlaf, sondern nur Winterruhe halten zum Beispiel der Dachs und der Biber, das Eichhörnchen und die Waschbären. Sie ruhen nur in ihren Höhlen und Bauen, senken ihre Körpertemperatur kaum, sind reaktionsfähig und gehen sogar häufig auf Nahrungssuche, um ihre Vorräte aufzustocken.

Wenn sich nichts mehr regt: Tiere, die erstarren

Nicht mit dem Winterschlaf zu verwechseln ist die Winterstarre, wie sie bei vielen wechselwarmen Tieren, zum Beispiel Schnecken, einigen Insekten, den meisten Reptilien (Schlangen, Schildkröten, Eidechsen) und Amphibien (Kröten, Frösche) in den gemäßigten Klimazonen vorkommt. Anders als beim Winterschlaf bleibt die Körpertemperatur hier – im abgesenkten Zustand – geregelt. Bei Erfrierungsgefahr erhöht sie sich. Das tödliche Einfrieren der Körperflüssigkeiten wird durch Glukose verhindert. Teichmolche verbringen drei bis vier Monate, Blindschleichen und Kreuzottern vier bis fünf Monate und Laubfrösche sowie Zauneidechsen bis zu einem halben Jahr in der Winterstarre.

Die Lethargie der Fledermäuse

Fledermäuse verbringen die insektenarme Jahreszeit in „winterlicher Lethargie“, einem Winterschlaf, in dem sie ihre Umgebung, Licht, Geräusche und Berührungen noch wahrnehmen. Sie ziehen sich in Höhlen, Stollen Keller, Dachstühle und hohle Bäume zurück und fahren dort ihren Stoffwechsel nahezu vollständig herunter. Sie senken ihre Körpertemperatur auf wenige Zehntelgrad über der Umgebungstemperatur, die zwischen 2 und 12 Grad Celsius liegt. Wichtig sind dann nur noch zwei Dinge: Ein wenig Feuchtigkeit, damit sie nicht austrocknen. Und Ruhe. Fledermäuse dürfen im Winter nicht gestört werden, denn zum Flüchten müssen sie ihre Temperatur von etwa 10 auf 40 Grad Celsius erhöhen, wobei sie sehr viel Energie verbrauchen.

Warm und gemütlich: Das Winterfell von Hirsch & Co.

Andere Wildtiere, wie Hirsche und Rehe, legen sich ein feines Fellchen zu. Die einzelnen Härchen sind innen hohl, so dass darin ein Luftpolster vorhanden ist. Da sich Wärme in stehender Luft nur langsam bewegen kann, findet kaum Wärmeaustausch mit der Umgebung statt. Zusätzlich reduzieren Hirsche und Rehe ihre Körpertemperatur auf bis zu 15 Grad Celsius, um Energie zusparen. Oft stehen sie so bewegungslos in der Landschaft. Auch ihr Herzschlag reduziert sich auf die Hälfte. Ihr Herz verkleinert sich. Deshalb ist ihre Reaktionsfähigkeit stark herabgesetzt. Auch der Verdauungstrakt hat sich verringert: Leber, Nieren und Pansen sind deutlich kleiner, da die Tiere im Winter oft nur faserreiche Nahrung wie dürre Gräser und Brombeerblätter finden.

Hilfe und Schutz vom Zweibeiner

Ist der Winter sehr hart, hält der Frost lange an und bleibt die Schneedecke über große Zeiträume geschlossen, sind Förster und Jäger verpflichtet, das Wild zu füttern. Sie füllen die Futterkrippen im Wald mit Stroh und Heu, Kastanien und Mais. Diese „Tafel“ ist eine willkommene Hilfe für die Wildtiere, die sonst in ihrer Not Triebe und Knospen von Bäumen fressen würden. Waldspaziergänger sollten die Tiere nicht aufschrecken. Wer sich ruhig verhält, tut dem Wild einen Gefallen. Auch Hunde sollten nicht abseits der Waldwege herumtoben. Auch für natürliche Rückzugsmöglichkeiten kann der Mensch sorgen. Alte, hohle Bäume können einfach stehen Gelassen werden, sofern keine Gefahr von ihnen ausgeht. Und auch im Garten kann etwas getan werden: Komposthaufen anlegen, Obst und Nüsse nicht vollständig ernten, Hecken nicht übermäßig schneiden, Stauden erst im Frühjahr abschneiden und Reisig- und Laubhaufen liegen lassen. Darin überwintern Larven und Insekten, die wieder anderen Tieren als Nahrung dienen.

Vom Eise befreit… Wenn der Frühling kommt

Im Frühjahr, wenn die Umgebungstemperaturen wieder steigen und die Anreicherung von zu vielen Stoffwechselprodukten im Körperinneren der Tiere die Hormone beeinflusst, wird das braune Fettgewebe zwecks Energiegewinnung zur  Wärmeerzeugung wieder abgebaut. Sind dann erst mal 15 Grad Celsius erreicht, setzt das Muskelzittern zur weiteren Temperaturerhöhung ein. Der Kopf- und Brustbereich mit den lebenswichtigen Organen wird dabei schneller erwärmt als der übrige Körper. Ist alles wieder gut eingepegelt, geht’s wieder auf zum großen Springen, Surren, Fliegen, Kriechen, Kribbeln und Krabbeln.

Bild: Pino Madeo (pixelio.de) 


zurück ...
nach oben

BITTE UNTERSTÜTZEN SIE UNS! JETZT!

ANSPRECHPARTNER

Benjamin Schilling

Natur- und Artenschutz

Tel. 0341-3065-370